GESCHICHTE



SäKULARISATION

Das revolutionäre Frankreich eroberte ab 1792 große Gebiete und schob seine Grenze bis an den Rhein vor. In mehreren Friedensverträgen verzichtete der deutsche Kaiser Franz II. auf das linksrheinische Reichsland. Zahlreiche deutsche Fürsten, die dort Herrschaften besaßen, verloren damit ihren Besitz. Sie sollten entschädigt werden. Nach dem Vorbild Frankreichs wurde ihnen die Möglichkeit eröffnet, sich Land, Vermögen und Rechte der katholischen Kirche, der freien Reichsstädte und kleinerer Reichsfürsten anzueignen. Diese Enteignung des Kirchenbesitzes wird als Säkularisation ("Verweltlichung") bezeichnet. Am 25. Februar 1803 wurde dieses Vorgehen durch den so genannten Reichsdeputationshauptschluss gesetzlich abgesichert.




Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg

Territorien innerhalb des heutigen Bayern

Das Kurfürstentum Bayern war der große Gewinner der Säkularisation. Durch die Annektion von Hochstiften und Klöstern in Altbayern, Franken und Schwaben konnte es seine linksrheinischen Verluste mehr als ausgleichen.





Bayerisches Nationalmuseum, München

Napoleon Bonaparte (1769-1821)

Die Siege des jungen Generals Bonaparte im Reich und in Italien ebneten ihm den Weg zur Macht in Frankreich. 1799 beseitigte er die Regierung durch einen Staatsstreich. Er regierte als "Erster Konsul", bevor er sich 1804 zum Kaiser krönte. Um den Einfluss Österreichs zurückzudrängen, begünstigte er die deutschen Mittelstaaten. Die Säkularisation war dazu ein Mittel.





Bayerisches Nationalmuseum, München

Max IV. Joseph (1756-1825)

1799 fi el das Kurfürstentum Bayern an Max Joseph, aus der Wittelsbacher Seitenlinie Pfalz-Zweibrücken. Gemeinsam mit seinem Ersten Minister Montgelas gelang ihm eine erhebliche Vergrößerung Bayerns und 1806 die Erhebung zum Königreich. Als Max I. Joseph wurde er dessen erster König. Überzeugt, dass nur tief greifende Reformen den neuen Staat zusammenhalten können, förderte er die von Montgelas betriebene radikale Umgestaltung Bayerns.





Privatbesitz

Maximilian von Montgelas (1759-1838)

Schon 1796 formulierte Montgelas das politische Programm des designierten Thronfolgers Max Joseph. Die weit verstreuten Besitzungen sollten in ein kompaktes Staatsgebiet umgeformt werden. Dazu waren territoriale Gewinne in Franken und Schwaben unabdingbar. Nur ein vergrößertes und zentral verwaltetes Bayern würde im Europa Napoleons überleben.





Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München

Reichsdeputationshauptschluss,
25. Februar 1803

Der Reichsdeputationshauptschluss erlaubte zwei Formen der Säkularisation:

Annektion der geistlichen Staaten (Herrschaftssäkularisation / Mediatisierung)

Einziehen des Besitzes aller Stifte, Klöster und Abteien (Vermögenssäkularisation) Letzteres wurde vor allem auf Initiative Bayerns aufgenommen.


Auszug

Die Austheilung und endliche Bestimmung der Entschaedigungen geschieht, wie folgt:

§. 2.
Dem Kurfürsten von Pfalz-Baiern ... : das Bistum Würzburg unter den hernach vorkommenden Ausnahmen; die Bisthümer Bamberg, Freisingen, Augsburg, und das von Passau ... überdieß die geistlichen Rechte, eigenthümlichen Besitzungen und Einkünfte, welche von den in der Stadt und Markung Augsburg gelegenen Kapiteln, Abteyen und Klöstern abhängen, mit Ausnahme jedoch alles dessen, was in besagter Stadt und derselben Markung selbst begriffen ist ...

§. 27.
Das Kollegium der Reichsstädte besteht in Zukunft aus den freien und unmittelbaren Städten: Augsburg, Lübeck, Nürnberg, Frankfurt, Bremen und Hamburg.Sie genießen in dem ganzen Umfang ihrer respektiven Gebiete die volle Landeshoheit und alle Gerichtsbarkeit ohne Ausnahme und Vorbehalte; ...Ueberdieß erhalten sie als Entschädigung, Vergütung und Bewilligung, nämlich: Die Stadt Augsburg: alle geistlichen Güter, Gebäude, Eigenthum und Einkünfte in ihrem Gebiete, sowohl in- als außerhalb der Ringmauern, nichts ausgenommen ...

§. 35.
Alle Güter der fundirten Stifter, Abteyen und Klöster, in den alten sowohl als in den neuen Besitzungen, Katholischer sowohl als A.C. Verwandten, mittelbarer sowohl als unmittelbarer, deren Verwendung in den vorhergehenden Anordnungen nicht förmlich festgesetzt worden ist, werden der freien und vollen Disposition der respectiven Landesherrn, sowohl zum Behuf des Aufwandes für Gottesdienst, Unterrichts- und andere gemeinnützige Anstalten, als zur Erleichterung ihrer Finanzen überlassen, unter dem bestimmten Vorbehalte der festen und bleibenden