GESCHICHTE



MACHT UND OHNMACHT DER KLöSTER

Klöster verdankten ihre Entstehung meist Stiftern, die so ihr Seelenheil retten wollten. Zur Gründung gehörte die Ausstattung mit Grundbesitz. Dies sollte die wirtschaftliche Selbständigkeit sichern. Schenkungen, Kauf und Tausch vergrößerten den Besitz, so dass viele Klöster zu mächtigen Grundherren wurden. Geistliche Würdenträger übten nun auch weltliche Herrschaft aus. Einige Klöster erlangten sogar die Reichsunmittelbarkeit. Ihre Äbte und Äbtissinnen regierten wie souveräne Fürsten. Der Bau schlossähnlicher Anlagen zeigte diesen politischen Rang.

Die Macht der Kirchenfürsten und der Besitz der Klöster hatte längst die Begehrlichkeit der weltlichen Herren geweckt. Doch erst die Französische Revolution und ihre Auswirkungen auf die europäischen Staaten eröffnete die Möglichkeit, Enteignungen in großem Stil und mit äußerster Radikalität durchzuführen.




Staatliche Münzsammlung, München

Silbermedaille auf das 1000-jährige Bestehen des Klosters Ottobeuren, Jonas Thiébaud 1766

Die Münze gehörte zur Münzsammlung des Klosters Polling bei Weilheim. Diese wurde bei der Säkularisation aufgelöst. Die wertvollsten Stücke kamen nach München.

Wir sind ein wehrloser Stand. Hätten wir 200.000 Mann, so wüssten wir unsere Rechte wohl zu verteidigen.

Der Klosterverwalter Pater Ulrich Schiegg bei der provisorischen Besitznahme durch den kurbayerischen Kommissar von Hertling, 29. August 1802

Der Ottobeurer Klosterstaat umfasste 1802 rund 270 km2 mit 18 Dörfern und insgesamt 10.000 Einwohnern. In der Klosterkasse befand sich am Tag der Besitzergreifung die stolze Summe von 130.000 Gulden.





Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Ansicht des Klosters Wettenhausen, Kupferstich von Johann Caspar Glickh, 1759

Der Prälat des Reichsstifts Wettenhausen war 1802 Herr über 5400 Untertanen. 1865 erwarb das Augsburger Kloster St. Ursula die Anlage und richtete dort eine "Erziehungsanstalt" für Mädchen ein. Heute beherbergt das Kloster ein Musisches Gymnasium.





Stadtgeschichtliches Museum Nürnberg

Anonyme Karikatur auf die Säkularisation durch den bayerischen Staat, um 1803

Angehörige verschiedener Orden bringen das Vermögen ihrer Klöster zu einem Aufhebungskommissar. Auf dem Sockel verdrängt der bayerische Löwe den Reichsadler.





Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Klosteraufhebungen in Bayern 1802/03