GESCHICHTE



DIE BüROKRATIE üBERNIMMT

Ende 1802 übernahm die Stadt die Besitztümer des Klosters innerhalb der Mauern, Bayern eignete sich den Landbesitz an. Damit brach die über Jahrhunderte gewachsene Ordnung zusammen. Vieh und Inventar wurden versteigert, die Gebäude und Grundstücke geschätzt und verpachtet. Die 23 Nonnen konnten vorerst bleiben, mussten aber für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen. Um ihr Überleben zu sichern, setzte man ihnen eine Pension aus.

1807 mussten sie das Kloster verlassen und sich Wohnungen in der Stadt suchen. Da die Teuerung die Pensionen aufzehrte, wurden sie zu Bittstellern. Bis 1833 dienten die Klostergebäude als Lagerhallen. Dann erfolgte der Umbau des Konvents zur Aufnahme einer Gewerbeschule. Die Kirche wurde geteilt. Im neuen Obergeschoss entstand die erste Filialgalerie der Staatsgemäldesammlungen.




Städtische Kunstsammlungen,
Graphische Sammlung, Augsburg

"Ansicht des Königl. Baier. Mauth Hall-Gebäudes zu Augsburg", Radierung von Franz Thomas Weber, 1819

Bayern baute 1807 eine Mauthalle (links) in den ehemaligen Klostergarten und erschloss das Gelände durch das neue Halltor. Das Hallamt, das den Zoll der nach Augsburg einreisenden Kaufleute erhob, residierte im Konvent (rechts).





Ulrike Staudacher-Danner,
Augsburg / Stadtarchiv Augsburg

Die Klosterfassade zur Hallstraße vor und nach dem Umbau 1835

Dem spätmittelalterlichen Klosterbau wurde 1835 eine repräsentative klassizistische Fassade vorgesetzt.





Stadtarchiv Augsburg

Protokoll der Säkularisierungskommission,
9. Dezember 1802

ei dem löblichen Gotteshaus zu St. Catharina dahier, ist dato Nachmittags ebenfalls die Praeliminar- Untersuchung des Vermögens- Standes, in Gegenwart der Frau Schaffnerin, weil die Frau Priorin kränklich und bettlägerig sich befunden, gemeinschaftlich vorgenommen, und dem vorgestandenen Herrn Ober Amtmann Lct. Schger die behörige Weisung der Rechnungen und den Etat des gesamten Vermögens vorschriftlich zu formieren, und mit dem 30.ten Nbr. zu beschließen, sonach prima Dezembris, als dem Tag des neuen Besitzstandes, die fließenden Einnahmen und äußerende Auslagen besonders zu entwerfen und fortzusetzen, gegeben; worauf, weil der baar Cassa-Rest bloß in fl 353.- bestanden, ihnen solcher überlassen, dagegen aber das Archiv und die Getreid-Kästen im vorderen und hinteren Hof unter Obsignation gebracht worden sind.

T. Lct. Lipp, Reichs-Stadtamtsschreiber





Stadtarchiv Augsburg

"Auszug des Pensions und Depositen Genusses Betrags für Kloster Individuen zu St. Katharina in Augsburg", 17. Dezember 1803

Die Pension der Nonnen setzte sich zusammen aus einem Festbetrag und einem so genannten Depositum. Dessen Höhe hing davon ab, wie viel Vermögen beim Eintritt ins Kloster mitgebracht wurde. Das Depositum ist ein fiktiver Ertrag von ca. 2 Promille dieses eingebrachten Vermögens.