Grönenbach


 

GESCHICHTE

Grönenbach ? Lobgesang für den Herrn und die Stifterfamilie

Der Ritter Ludwig von Rothenstein und seine Gemahlin, eine geborene von Hürnheim, finanzierten im Jahr 1479 in ihrer Herrschaft Grönenbach ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Dekan. Mit dieser guten Tat sicherten sie sich neben dem Seelenheil auch eine Familiengrablege und ein beständiges, festliches Totengedenken für sich und verstorbene Angehörige.

Der Stiftsdekan hatte die Einhaltung der vom Augsburger Bischof festgelegten Statuten zu überwachen. Zugleich übte er das Amt des Ortspfarrers aus. Die Güter der Pfarrei und des neuen Stifts wurden zusammengelegt. In der über dem romanischen Vorgängerbau 1445 errichteten gotischen Hallenkirche, die den Heiligen Philipp und Jakob geweiht ist, beteten und sangen die Chorherren nun zum Lob des Herrn und der Stifterfamilie. Außer den gemeinsamen Offizien sollten sie täglich zwei Ämter und sechs heilige Messen abhalten, dazu jeden Montag ein Requiem singen. Die Betreuung der nahegelegenen Pfarrei Zell gehörte ebenfalls zu ihren Pflichten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stiften dieser Art wohnten die Kanoniker von Grönenbach gemeinsam in einem nördlich der Kirche gelegenen Haus und nahmen auch die Mahlzeiten zusammen ein. Die Stifter waren zugleich Schutzvögte des Stifts. 1482 erbten die Marschälle von Pappenheim die Vogtei. Als das Territorium der Pappenheimer 1559 zum Teil protestantisch wurde, gab es ständig Streit wegen der Religion. Doch das Stift blieb katholisch. Das aus dem Gründungsjahr stammende Stiftsgebäude wurde nach einem Brand 1573?1577 sogar von den Pappenheimern erneuert. Im 17. Jahrhundert beanspruchten die Kalvinisten die Mitbenutzung der Stiftskirche. Von 1612 bis 1695 befand sich Grönenbach im Besitz der Fugger, danach gehörte das Stift zur Fürstabtei Kempten, die alle Güter einziehen wollte. Das Stift rettete seine Existenz damals durch den Beitritt zum Institut des Bartholomäus Holzhauser.

Die finanziellen Mittel erlaubten manche Modernisierungen, aber keine prunkvollen Neubauten. Um 1663 war die Stiftskirche renoviert worden. Im Jahr 1713 stellte man im südlichen Seitenschiff einen neuen Nothelferaltar auf: einen prächtigen Akanthusaltar mit reich versilbertem und vergoldetem Schnitzdekor. Unter dem Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman (1678?1728) wurde der Kapitelsaal mit Stuckaturen geschmückt und der Kirchturm um das Oktogon mit geschwungener Haube erhöht. Im Jahr 1784 erfolgte ein Sakristeianbau am Chor. Im gleichen Jahr konnte auch der lang andauernde Streit mit Kempten zu den Akten gelegt werden. Die Fürstabtei Kempten erkannte das Kollegiatstift Grönenbach wieder an. Seitdem bestand es personell aus dem Dekan, der zugleich Pfarrer war, und drei Kanonikern.

Das Stift besaß kein eigenes Archiv, keine eigenen Einkünfte oder Wertstücke, auch keine Ökonomie. Trotzdem wurde es am 14. Mai 1804 aufgehoben. Die spätgotische Stiftskirche diente seitdem nur noch als Pfarrkirche. 1884 erwarb die Pfarrei das stattliche dreigeschossige Stiftsgebäude mit der wertvollen Bibliothek, das heute als Pfarrhaus dient. 1887 wurde die Kirche St. Philipp und Jakob im Zeitgeschmack mit einem neugotischen Netzgewölbe und Dekorationsmalereien an der Chordecke umgestaltet. Unter dem Chor hat sich die von 1479 bis 1804 als Begräbnisstätte und Gruftkapelle der Chorherrn genutzte Krypta erhalten, deren Bausubstanz zum Teil noch von der romanischen, 1136 geweihten Kirche stammt. Neben der Krypta erinnern bedeutende mittelalterliche Grabdenkmäler, darunter Epitaphen des Stifters Ludwig von Rothenstein (gest. 1482) und der Grafenfamilie von Pappenheim (16. Jahrhundert) sowie die gemalten Wappen der Rothenstein und Pappenheim an der Turmnordwand an das ehemalige Kollegiatstift.

Christine Riedl-Valder



 

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