Gars, Redemptoristen


 

GESCHICHTE

Gars am Inn, Redemptoristenkloster – Seelsorger und Lehrer

 

Im 19. Jahrhundert unternahmen die Redemptoristen vielfältige Versuche, um in Bayern Fuß zu fassen. In Adelskreisen konnten sie viele Anhänger gewinnen. Als 1855 ein Großteil der Gebäude des 1803 aufgehobenen ehemaligen Augustinerchorherrenstifts in Gars zum Verkauf standen, ermöglichten Fürstin Leopoldine von Löwenstein-Wertheim, Heinrich Ritter von Smetana und viele andere wohlgesonnene Gläubige den Kauf durch großzügige Spenden. 1858 erfolgte die feierliche Eröffnung des Klosters. Die Redemptoristen etablierten hier ihr Noviziat. 1873 wurde jedoch durch Ministerialbeschluss die Aufhebung der Redemptoristen-Klöster in Bayern verfügt, da dieser Orden vom Reichstag als „jesuitenverwandt“ und damit als schädlich für die angestrebte liberale Politik eingestuft worden war. Die Tätigkeit der Patres in Kirche und Schule wurde verboten. Ein Großteil des Ordens wanderte daraufhin nach Österreich, Holland und Amerika aus. Als rechtlicher Besitzer des Anwesens durfte der ehemalige Provinzial mit drei Patres und den Brüdern in Gars, dem nun letzten Standbein der Redemptoristen, wohnhaft bleiben.

Die bayerische Mystikerin Louise Beck (1822–1879), die bis zu ihrem Tod hier lebte, beherrschte damals das Kloster. Mit ihren „Weisungen aus dem Jenseits“ übte sie erheblichen Einfluss auf einige Ordensobere und hohe Würdenträger der katholischen Kirche in Bayern aus. Sie selbst stand unter der Leitung ihres Seelenführers Pater Carl Ehrhard Schmoeger, der nach Gars versetzt worden war. Ab 1862 wohnte sie mit ihren beiden Begleiterinnen und Sponsorinnen, Bertha von Pranckh und der Fürstin Leopoldine von und zu Löwenstein, in einem Flügel des Klosters Gars am Inn.

1894 revidierte der Reichstag sein Urteil über die Redemptoristen und erlaubte die Tätigkeit der Patres im Deutschen Reich. Der Konvent in Gars feierte diese Entscheidung am 5. August mit einem Dankgottesdienst und konnte nun zukünftige Aktivitäten und weitere Niederlassungen planen. Im gleichen Jahr brachen 60 Patres zur Mission nach Brasilien auf. 1899 entstand in Gars ein großer Neubau für das Seminar mit Progymnasium. Zum Direktor der Bildungsstätte wurde der erst 28-jährige Pater Kaspar Stanggassinger, dem man einen heiligmäßigen Lebenswandel nachsagte, ernannt. Er starb kurze Zeit später (1988 durch Papst Johannes II. seliggesprochen). Von 1907 bis 1971 war in Gars die Philosophisch-Theologische Hochschule für die Redemptoristen der Münchner Ordensprovinz untergebracht. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erleben Kloster und Provinz eine erste Blütezeit. In Gars wirkte bis zu seinem Tod 1930 der bekannte Künstler Max Schmalzl (geb. 1850 in Falkenstein, Oberpfalz). Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule in München trat er 1871 in das Kloster Gars ein und lebte hier als Frater. Er war ein gefragter, weltweit tätiger Kirchenmaler und schuf seine zahlreichen Bilder und Mosaike im – damals schon antiquierten – Stil der Nazarener und der Beuroner Schule. Daher wurde er als „letzter Nazarener“ und auch in Anlehnung an den mittelalterlichen Malermönch als „bayerischer Fra Angelico“ bezeichnet. Das Kloster in Gars beherbergte bis 1932 auch die Provinzverwaltung des Ordens, bis dieser aufgrund der Raumknappheit nach München umsiedelte.

Unter dem NS-Regime ereilte die Redemptoristen das gleiche Schicksal wie die anderen Orden. Ihre Schulen wurden geschlossen, die Gebäude beschlagnahmt. Ab 1939 dienten Teile des Klosters der Kinderlandverschickung. 500 Schüler aus Gelsenkirchen und Emden zogen mit ihren Lehrern ein. Später wurden die Räume zum Lazarett umfunktioniert. Viele junge Ordensleute ließen auf den Schlachtfeldern ihr Leben oder kehrten schwerkrank aus dem Krieg zurück. In der Nachkriegszeit kam der Studienbetrieb in Gars langsam wieder in Gang. 1953 erhielten die ersten Missionare, die nach Japan reisten, in der Klosterkirche den Segen. Ab 1964 unterstützten die Garser Patres eine Gemeinschaft junger Frauen maßgeblich beim Aufbau ihrer Kongregation „Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser“, die sich dann in Unterreit ansiedelte. 1968 beging das Kloster feierlich sein 1200-jähriges Bestehen. Die Trägerschaft des Ordensgymnasiums, zu dem auch ein Internat und Tagesheim gehörte, ging 1972 an den bayerischen Staat über. In die Räume der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Redemptoristen, die sich heute in der Kölner Provinz des Ordens befindet, zog 1973 das Institut für Lehrerfortbildung ein. Im Auftrag der Staatsregierung und der Deutschen Bischofskonferenz erfolgt hier seitdem unter der Leitung der Redemptoristen die theologische und religionspädagogische Schulung von Lehrkräften aller Bildungsarten, die Religionsunterricht anbieten. Rund 1000 Lehrerinnen und Lehrer besuchen jährlich die Seminare. Zum Garser Konvent gehörten 2015 16 Brüder und 13 Patres. Sie engagieren sich in der Organisation, im Haushalt und in den Betrieben des Klosters als Bäcker, Metzger, Gärtner, Schreiner, Schlosser oder Schneider. Dreimal am Tag trifft sich die Hausgemeinde zum gemeinsamen Gebet. Die Patres arbeiten als Seelsorger des Pfarrverbandes Gars und in umliegenden Gemeinden, im Institut für Lehrerfortbildung und als Missionare.

 

(Christine Riedl-Valder)

 

Link:

 

http://www.klostergars.de 



 

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