Dinkelsbühl, Kapuzinerkloster


 

GESCHICHTE

Die Kapuziner in Dinkelsbühl

Die einstige Reichsstadt Dinkelsbühl hat ihre Wurzeln in einem Königshof des frühen Mittelalters an einer Furt der Wörnitz. Im Dunkel der Geschichte bleibt strittig, ob der Stadtname von einem Gutsverwalter Thingolt oder vom Getreide, dem Dinkel, herrührt. Zur Zeit Kaiser Friedrichs I. Barbarossa wird Dinkelsbühl im Jahr 1188 als Besitz der Staufer erwähnt. Von der Blüte der Stadt im 13. Jahrhundert zeugen die um 1220 errichtete Kirche St.Bartholomäus (heute: St. Georg) und das ab 1282 entstandene Spital. Auch das Kloster derKarmeliten datiert noch in das 13. Jahrhundert. Später erhielt auch der Deutsche Orden eine Niederlassung in Dinkelsbühl.

Bei einem Rundgang um die Stadtmauer von Dinkelsbühl stößt man auf dem Russelberg auf das ehemalige Kapuzinerkloster St. Franziskus. Erst im Zuge der Gegenreformation ergänzte der Orden der Kapuziner die älteren geistlichen Institutionen in der Reichsstadt. Die Bettelmönche errichteten ab 1622 ihr Kloster mit einem Garten direkt an der Stadtmauer. Der Abbruch der Friedhofskapelle St. Veit lieferte einen Teil des Baumaterials.

Die kleine Klosterkirche, geweiht 1628, und spätere Anbauten, wie die freskengeschmückte Kreuzkapelle von 1729, blieben in jenem bescheidenen Rahmen, wie er für die Kapuziner charakteristisch ist.

Ihre mönchische Genügsamkeit rettete die Kapuziner in Dinkelsbühl im Jahr 1802 jedoch nicht vor der Säkularisation. Nach wechselnden Nutzungen, etwa als Erholungsheim der Armen Schulschwestern (ab 1908), fand nach dem Zweiten Weltkrieg in der Klostergasse die Berufsfachschule für Musik ihr Domizil. Die Klosterkirche blieb für den Gottesdienst erhalten und wurde 1959 neu gestaltet als Wallfahrtskirche für Heimatvertriebene aus dem Egerland.

Das bauliche Erbe der Dinkelsbühler Kapuziner erfüllt so weiterhin eine Funktion als Ort gesellschaftlichen und religiösen Engagements in einem der dichtesten spätmittelalterlichen Stadtgefüge in Deutschland.

(Markus Schütz)



 

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