Karlstadt


 

GESCHICHTE

Die Kapuziner in Karlstadt ? Klosterbrand für die Fernsehkamera

1615 holte Fürstbischof Julius Echter die ersten Kapuziner nach Würzburg, die von dort aus auch in Karlstadt wirkten. Stiftungen aus der Bevölkerung ermöglichten zwei Generationen später die Ansiedlung der Patres in Karlstadt; ein Grundstück für das neue Kloster stellte die Stadtgemeinde zur Verfügung. Im Jahr 1670 legte der Würzburger Weihbischof mit den Äbten der Klöster St. Stephan und St. Jakob den Grundstein für das Kapuzinerkloster ?Zum Helfenstein?. Zunächst beherbergte das städtische Armenhaus an der Spitalkirche zum Heiligen Jakobus die Bettelmönche in der rauhen, braunen Kutte. Schon 1671 war der bescheidene Konventbau fertig gestellt und 1674 konnte auch der schlichte Kirchenbau St. Maria ab Angelis eingeweiht werden.

Neben der Stadtpfarrei war das Kapuzinerkloster die einzige geistliche Institution in Karlstadt. Waren es zunächst nur etwa zehn Patres und Laienbrüder, so verdreifachte sich bald ihre Anzahl. Sie übernahmen auch in umliegenden Dörfern die Seelsorge. Da die Kapuziner sich als Beichtväter und Prediger großer Beliebtheit bei der Bevölkerung erfreuten, brach man eigens ein neues Tor in die Stadtmauer, um den Zugang zur Kirche zu erleichtern. Drei Morgen Gärten und Weinberge dienten der Versorgung der Gemeinschaft, die ansonsten durch Spenden ihren Lebensunterhalt bestritt.

Trotz des Rückhalts in der Bevölkerung wurde das Kloster im Jahr 1804 am Festtag des hl. Antonius von Padua (13. Juni) säkularisiert. Die Mönche verteilten sich auf umliegende Orte, an denen zunächst noch Niederlassungen der Kapuziner bestanden. Die Klosterkirche wurde ausgeräumt und als Salzmagazin genutzt.

Während der Zeit des Großherzogtums Würzburg unter Ferdinand von Toscana (1806-1814) wurde auf Bitten der Karlstädter Bürger das Kapuzinerkloster im Jahr 1808 wiederhergestellt und die Kirche neu geweiht. Zum Abschluss der Kirchenrenovierung im Jahr 1811 stiftete Großherzog Ferdinand eine Glocke. Der Konvent hatte bald wieder neun Mitglieder, doch blieben die Zeiten unsicher. Nach dem Übergang des Großherzogtums an das Königreich Bayern blieb das Kloster aber bestehen. Durch die Vereinigung der bayerischen und der fränkischen Provinz des Ordens wurde 1836 die Existenz der Karlstädter Kapuziner sichergestellt, zumal der Orden von König Ludwig I. Unterstützung erhielt.

Mit Ausnahme der Einquartierung preußischer Truppen im Kriegsjahr 1866, der eine Cholera-Epidemie folgte, verliefen die Geschicke des Konvents ruhig. Die Kapuziner versahen zusätzlich zu den Gottesdiensten im Kloster die Seelsorge in den Pfarreien Karlburg, Retzbach, Stetten und Thüngersheim. Die beiden Weltkriege gingen ohne große Schäden über Karlstadt hinweg. Durch das Wachstum der Stadt nach 1945 vermehrten sich die Aufgaben der Kapuziner. 1960 modernisierte man die Innenausstattung der Kirche. So wurde der Altar im Stil der Neoromanik durch ein großes Glasmosaik ersetzt. Ab 1965 betreuten die Patres die neue Stadtpfarrei ?Zur heiligen Familie?.

Da das alte Kloster sehr baufällig geworden war und seine Totalrenovierung die Finanzen des Ordens stark belastet hätte, zogen die Kapuziner im Jahr 1966 in das neu erbaute Gemeindezentrum ?Zur heiligen Familie?, dessen Kirche 1967 geweiht wurde.

Aus Kostengründen beschloss der Orden anschließend den Verkauf und Abriss des alten Klosters ? 1974 stellte man das Areal für eine Fernsehproduktion zur Verfügung und genehmigte einen spektakulären Brand ? was Kriege und Säkularisation nicht zerstört hatten, wurde so in einer Nacht zu einem Raub der Flammen.

Der Kapuzinerkonvent bestand in seinen neuen Gebäuden nur noch wenige Jahre. Am 1. September 1976 schloss der Orden die Niederlassung, der noch drei Patres und ein Bruder angehörten. Die Kirche ?Zur heiligen Familie? wurde zu einer ?normalen? Pfarrei. Am ursprünglichen Ort erinnern nur ein Torbogen des alten Klosters Zum Helfenstein und eine Gedenktafel an die Geschichte der Kapuziner in Karlstadt.

(Markus Schütz)



 

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