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Würzburg, Schottenkloster


 

GESCHICHTE

Das Würzburger Schottenkloster – Die Landsleute des heiligen Kilian

Das Bistum Würzburg verdankt seine ältesten Wurzeln der iroschottischen Mission im 7. Jahrhundert. Der irische Wanderbischof Kilian, der Priester Kolonat und der Diakon Totnan wirkten in Würzburg, bis sie dort im Jahr 689 ermordet wurden. Der hl. Burkard, aus England stammender und erster päpstlich ordinierter Bischof der Diözese Würzburg, erhob im Jahr 752 die Reliquien des Märtyrers Kilian und seiner Gefährten zur Ehre der Altäre.

Im Hochmittelalter machten Wallfahrten zur Verehrung des hl. Kilian die Bischofsstadt Würzburg zum Ziel auch für zahlreiche Pilger aus Irland, die man damals als „Schotten“ bezeichnete. Zu ihrer geistlichen und leiblichen Versorgung entstand um 1134 in Würzburg eine eigene Herberge. Initiator hierfür war wohl das von irischen Benediktinern bewohnte „Schottenkloster“ St. Jakob zu Regensburg. Irische Mönche unter dem Abt Makarius bezogen ihr neues Kloster St. Jakob am westlichen Mainufer. Bischof Embricho von Würzburg bestätigte die Gründung. 1138 wurde eine erste Jakobskapelle geweiht und 1156 war die große Abteikirche vollendet. Neben dem Hospiz unterhielten die „Schotten“ eine produktive Schreibwerkstatt.

Das Jakobskloster unterstand zunächst der Oberaufsicht des Regensburger Schottenklosters. Seinen Nachwuchs rekrutierte der Würzburger Konvent über viele Generationen hinweg ausschließlich in Irland. Er verfügte sogar über ein irisches Filialkloster, das Priorat Roscabery (Ross) in der Grafschaft Cork. So hatte St. Jakob große Eigenständigkeit in der geistlichen Landschaft Würzburgs. Erst 1268 gaben Abt Johann II. und seine acht Mönche dem Würzburger Bischof das Visitationsrecht im Kloster. Während des Würzburger Bürgeraufstands von 1398 wurde die Abtei geplündert und in Brand gesteckt. Die Bauschäden blieben fast über ein Jahrhundert ohne Reparatur. 1417 verpflichtete das Generalkapitel der Benediktiner das Schottenkloster in Würzburg zur Aufnahme auch nicht-irischer Novizen. Doch beim Tod von Abt Edmund im Jahr 1497 lebte kein weiterer Mönch mehr in der fast zur Ruine zerfallenen Abtei.

Mit päpstlichem Auftrag besetzte das Bistum Würzburg das Kloster nun mit deutschen Benediktinern aus der Abtei St. Stephan. Zu kurzer Blüte führte das Schottenkloster der 1506 zum Abt berufene Johannes Trithemius. Er verschaffte dem Konvent einen guten Ruf als Hort der Gelehrsamkeit. Der Tod dieses tatkräftigen Abts 1516 und die Verheerungen des Bauernkriegs von 1525 führten erneut zum Niedergang. Bereits 1547 war das Schottenkloster wieder erloschen. Seine Güter dienten als Einkünfte für die Weihbischöfe der Diözese.

Den dritten Anlauf zur Neugründung des Konvents unternahm Fürstbischof Julius Echter. Er bat 1595 den Regensburger Schottenkonvent um eine Neubesiedlung von St. Jakob. Als nach dem Sieg der Reformation in England zahlreiche Ordensleute als Emigranten ins Reich kamen, wurden wieder Mönche von der Insel in Würzburg ansässig. Als eine Lehre aus dem Dreißigjährigen Krieg integrierte man die Klosteranlage 1664 in den neuen Festigungsring der Stadt. Im Schottenkloster selbst hielt die Architektur der Barockzeit unter Abt Maurus II. Strachan ihren Einzug. Er ließ bis 1719 die vielfach nur notdürftig ausgebesserte romanische Basilika von Grund auf renovieren.

Pater Placidus Hamilton, der letzte Abt von St. Jakob, war mehr auf Reisen unterwegs als zu Hause im Konvent. So kehrte er trotz seiner Wahl 1763 nicht mehr nach Würzburg zurück und lebte lieber als Privatmann in London. Bei der Aufhebung des Schottenklosters im Jahr 1803 durch das Kurfürstentum Bayern waren die zuletzt acht Mönche und zwei Missionare ohne Abt.

Das säkularisierte Kloster diente fortan bis zum Zweiten Weltkrieg militärischen Zwecken. Bereits ab 1760 bestanden im Kloster Vorratsmagazine für die fürstbischöflichen Truppen in Würzburg. 1805 war im Kloster eine Munitionsfabrik untergebracht. 1813 wurden die Konventgebäude dauerhaft zum Garnisonslazarett umgebaut. Die Abteikirche war von 1813 an eine Lagerhalle, in deren Chor jedoch ab 1819 wieder Gottesdienst gehalten werden durfte. 1904 wurde die Profanierung der Kirche rückgängig gemacht und sie fungierte als Kirche für die Würzburger Garnison.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das bombenzerstörte Areal des ehemaligen Schottenklosters - der „Schottenanger“ - der Orden der Salesianer Don Boscos. Dies war eine Wiedergutmachung für den von der Gestapo enteigneten und durch Bomben zerstörten Burkardushof der Salesinaner. Seit 1951 wurden auf dem Gelände errichtet: ein Jugendheim, eine Sonderberufschule und ein Berufsbildungswerk. Die Jakobskirche wurde bis 1956 als „Don-Bosco-Kirche“ wieder aufgebaut und 1989 renoviert.

( Markus Schütz / Christian Lankes )



 

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