Taxa


 

GESCHICHTE

Augustinerbarfüßer in Taxa ? Wallfahrt zu einem wunderseltsamen Ei

Gänzlich vom Erdboden verschwunden ist die einst stattliche barocke Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Maria Stern zu Taxa. Auch von dem ausgedehnten Klosterkomplex der Augustinerbarfüßer fehlt heute jede Spur. Der kurfürstliche Kommissar Heydolph hatte dafür gesorgt, dass, nach der am 25. April 1802 erfolgten Aufhebung des Klosters, dort kein Stein auf dem anderen blieb. Denn Taxa galt für die Aufklärer als eine ?Brutstätte des Aberglaubens?. Heute erinnert ein Holzkreuz über der ehemaligen Klostergruft, unweit einer 1848/49 errichteten Kapelle, an die hier bestatteten Mönche.

Ein Huhn auf dem Gutshof des Herrn von Hundt, der in Taxa ein Schloss besaß, legte 1618 ein Ei. Auf diesem Hühnerei glaubten die Gutsbewohner in einem Strahlenkranz den Kopf Marias erblickt zu haben. Um die Besonderheit gleich sichtbar werden zu lassen, habe die Hundtsche Henne ? so später Abraham a Sancta Clara ? dieses Ei auch nicht in einem gewöhnlichen Nest oder Körbchen gelegt, sondern ?auff einen nagel-neuen Zigel-Stain?. Johann Baptist von Hundt ließ zur Aufbewahrung des wundersamen Eis eine Kapelle errichten. Für die anwachsenden Pilgerströme wurde die Kapelle bald zu klein. Man entschloss sich eine Kirche zu bauen. 1654 wurde diese neue Wallfahrtskirche geweiht und dem Orden der Augustinerbarfüßer übergeben, der 1660 mit der Errichtung eines Klosters begann.

Für die Augustinerbarfüßer blieb Taxa die einzige Niederlassung in Bayern. Das Kloster war der österreichischen Ordensprovinz zugeordnet. Der Orden der Rekollekten oder Augustinerbarfüßer war nach dem Konzil von Trient als eine Reformkongregation der Augustinereremiten entstanden. Aus Spanien kam der Gründungsimpuls, hier war der Orden auch am stärksten. Bis 1622 ein eigener Generalvikar eingesetzt wurde, unterstanden die Barfüßer-Orden einem Ordensgeneral. Gleichzeitig erlangten Teile des Ordens, so auch die österreichische Provinz mit Taxa, die vollständige Unabhängigkeit.

Der Prediger und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara stammte aus Kreenheinstetten im Schwäbischen Jura. Seine Ausbildung genoss er in Ingolstadt und Salzburg. 1662 trat Abraham a Sancta Clara in das Augustinerbarfüßerkloster Maria-Brunn nahe Wien ein und empfing dort sechs Jahre später die Priesterweihe. Von 1670 bis 1672 war Pater Abraham in Taxa als Wallfahrtsprediger tätig. So verwundert es nicht, dass er sich in seinem 1683 erstmals erschienenen Werk ?Gack, Gack, Gack, Gack à Ga. Einer wunderseltzamen Henne in dem Herzogthumb Bayrn. Das ist eine ausführliche und umbständliche Beschreibung der berühmbten Wallfahrt Maria Stern in Taxa? intensiv mit der Wallfahrt zu Taxa beschäftigte. In welche literarische Schublade man das ?Gack, Gack, Gack à Ga? steckt ? sei dem Leser überlassen. Nach seinem Aufenthalt in Taxa kehrte Abraham a Sancta Clara als Prediger an die Augustinerkirche nach Wien zurück und stieg 1677 zum kaiserlichen Prediger auf. Mehrere Jahre verbrachte er in Graz, hielt sich auch in Rom auf (1686, 1689, 1692), wurde 1689 Provinzial der deutsch-böhmischen Ordensprovinz, schließlich 1692 Definitor proviniciae. Abraham a Sancta Clara starb 1709 in Wien.

Nicht zuletzt aufgrund der oben erwähnten Schrift Sancta Claras erwuchs in Taxa aus dem Pilgerstrom auch ein Geldstrom. 184 Tagwerk Wald und 19.400 Gulden Kapital zählten zum Besitz des Klosters. Im Jahr 1740 lebten 24 Religiosen in Taxa; im Aufhebungsjahr 1802 waren es 17 Patres und sechs Brüder. Die Kleidung der Mönche bestand aus einem schwarzen Habit mit kleiner Kapuze. Noch bevor Aufhebungskommissar Heydolph 1802 das Kloster demolieren ließ, flüchteten die Konventsmitglieder nach Österreich. Dieser Rückzug war nachhaltig, bis heute hat der Orden in Deutschland keine Niederlassung mehr.

(Laura Scherr)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Ansicht des ehem. Augustinereremitenklosters Taxa bei Odelzhausen, Gemälde, 1618, Friedberg, Städtisches Heimatmuseum.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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