Spalt, Vereinigte Stifte


 

GESCHICHTE

Die Vereinigten Stifte zu Spalt ? Neubeginn im Barockzeitalter

 

Die mittelfränkische Stadt Spalt, seit 1297 unter der Landeshoheit des Bischofs von Eichstätt, verfügte über mehrere Jahrhunderte hinweg über zwei konkurrierende Kollegiatstifte. Das alte, doch ärmere Stift St. Emmeram, hervorgegangen aus einem Urkloster der Karolingerzeit, stand unter der Aufsicht des Bischofs von Regensburg. Das im Jahr 1294 errichtete und recht vermögende Stift St. Nikolaus war hingegen eine Gründung des Bistums Eichstätt.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges verfügte St. Nikolaus nur über sieben Kleriker und St. Emmeram nur über vier Kanoniker. Wenig später wurden die geistlichen Einrichtungen so verwüstet, dass kein einzige Kanonikerstelle mehr besetzt war. Schon 1619 einigten sich die lange um ihre Rechte ringenden Bischöfe von Eichstätt und Regensburg darauf, St. Emmeram und St. Nikolaus zu einem Doppelstift zusammenzulegen. Es wurden jedoch nur die Kapitel vereinigt. Jedes Stift behielt seine eigene Propstwürde, seine eigene Kirche und seine eigene Verwaltung. Bis in die 1680er-Jahre gab es weder einen Dekan noch ein Stiftskapitel. Erst um 1700 waren genügend Kleriker vorhanden, um wieder das Chorgebet abhalten zu können. Ab dem frühen 18. Jahrhundert jedoch wurden in Spalt von den Stiftsherren ganz besonders festliche, nach barockem Zeitgeschmack vielfältig ausgeschmückte Gottesdienste gefeiert. 1745 zählte das Vereinigte Stift zwei Pröpste, einen Dekan, einen Senior und zwölf Kanoniker.

Die romanische Stiftskirche St. Emmeram wurde ab 1691 unter der Leitung des Eichstätter Baumeisters Jakob Engel durchgreifend im Barockstil umgestaltet. Dabei erhielten die alten Seitenschiffe eine Deckenwölbung und Kapellen. Der gesamte Bau wurde mit neuen Altären bestückt. 1703 erfolgte die Neuweihe. Die ursprünglichen Querschiffe hatte man bereits um 1648 deutlich verkleinert und zu Sakristeien umfunktioniert. Die alte Krypta war Mitte des 17. Jahrhunderts bis auf eine kleine Kapelle zugeschüttet. Die beiden romanischen Türme des Westwerks blieben auch nach der Barockisierung erhalten, bis der südliche Turm 1795 wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. Viele erhaltene Epitaphien erinnern noch heute an die Kanoniker des einstigen Kollegiatstifts St. Emmeram.

In der Blütezeit des Doppelstifts entschloss man sich zu einem kompletten Neubau für St. Nikolaus, die zweite Kirche des Vereinigten Stifts. Ab 1767 entstand so nach Plänen des fürstbischöflichen Hofbaumeisters Moritz Pedetti ein prächtiger Sakralbau im Stil des Rokoko, dessen Doppelturmfassade noch heute die Silhouette der Stadt prägt. Szenen aus dem Leben des hl. Nikolaus zeigen die 1769 gefertigten Deckengemälde des Münchner Hofmalers Franz Kürzinger. Das Grabmal der adligen Förderer aus der Gründungszeit von St. Nikolaus, des Nürnberger Burggrafen Konrad aus dem Geschlecht der Hohenzollern und seiner Gemahlin Agnes von Hohenlohe, wurde aus der alten Kirche in den Chor des Neubaus übertragen. Am Außenbau der Kirche erinnern zahlreiche eingemauerte Grabdenkmäler an die Kanoniker des einstigen Nikolausstifts.

Im Zuge der Säkularisation wurden die Vereinigten Stifte 1803 aufgelöst. Alle Liegenschaften wurden verkauft. Die kostbare Stiftsbibliothek ging an die Würzburger Universität. Die Kirche Maria Himmelfahrt und St. Emmeram diente fortan als katholische Stadtpfarrkirche. Die Kirche St. Nikolaus sollte veräußert werden, doch es fand sich kein Kaufinteressent. Deshalb diente sie zeitweise als Lagerhalle, Getreideschuppen und Hopfendörrboden. Erst 1863 gelang es dem Stadtpfarrer Johann Baptist Fuchs die Nikolauskirche dem bayerischen Staat abzukaufen. Die Stadt Spalt übernahm die Baupflicht. Außer den beiden ehemaligen Stiftskirchen erinnern heute noch der Dechanthof und einige Kanonikerhöfe an die beiden Kollegiatstifte St. Emmeram und St. Nikolaus in Spalt.

 

(Christine Riedl-Valder)



 

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