Neustadt a.d. Aisch


 

GESCHICHTE

Neustadt a. d. Aisch ? volksnahe Seelsorger für die Abtrünnigen

Nachdem der hussitische Wanderprediger Friedrich Müller 1446/47 viele Anhänger in Neustadt und Umgebung für sich hatte gewinnen können, beschlossen die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann und Albrecht von Brandenburg, hier ein Kloster zu errichten. Es sollte mit Ordensleuten besetzt werden, die fähig waren, religiöse Spaltungen zu verhindern und Abtrünnige für die katholische Kirche zurückzugewinnen. Ihre Wahl fiel auf die Franziskaner der strengen Observanz, besser bekannt als ?Barfüßer?, die sich vor allem der Volkspredigt widmeten. Als Klostersitz wurde ein Gelände rund um den alten Kirchenbau St. Wolfgang im Ortsteil Riedfeld vor den Toren der Stadt bestimmt. Die Verhandlungen mit dem Vikar Hans Lör von der Straßburger Provinz der Franziskaner begannen bereits 1456 in Bamberg. Doch ging der Bau aufgrund der Kriegswirren 1460/61, die um Neustadt tobten, nur langsam voran. Auch die Geldmittel waren knapp geworden. Erst als eine Gönnerin des Ordens, die Witwe Usmer in Nürnberg, 600 Gulden beisteuerte, konnte der Konventbau zum Abschluss gebracht werden. 1462 zogen die aus dem Nürnberger Barfüßerkloster kommenden Brüder ein.

Das kirchliche Leben in Neustadt nahm durch die Franziskaner schon bald einen beträchtlichen Aufschwung. Sie übernahmen die Seelsorge in Riedfeld, Diebach und Hanbach, nach 1490 vertretungsweise in Diespeck. Man vertraute ihnen auch die Erziehung der Jugend an; ab 1477 ist ein Pater als Knabenlehrer nachweisbar. Trotz der unvollendeten Kirche war wohl im Kloster genügend Platz, denn bereits 1463 wurde das Kapitel der Straßburger Provinz in Riedfeld abgehalten. Ab 1483 existierte ein Noviziat im Kloster. Der Konvent war in den 1480er-Jahren auf rund zehn Mönche angewachsen. 1484 fand die Weihung der Kirche St. Wolfgang durch den Würzburger Weihbischof statt. Die Brüder pflegten auch die Wissenschaft; einige waren schriftstellerisch tätig. Schenkungen und Erwerbungen führten zum Aufbau einer ansehnlichen Bibliothek im Riedfelder Kloster. 1513 tagte abermals das Kapitel der Straßburger Franziskanerprovinz in Riedfeld. Ein Jahr später hielt sich der bekannte franziskanische Humanist Pellikanus eine Zeitlang im Kloster auf, um hier die hebräische Schrift zu studieren.

Im Bauernkrieg 1525 versammelten sich über 3000 Aufständische in Neustadt, das ihr Hauptquartier wurde. Die Bauern zogen plündernd und mordend umher und setzten Schlösser und Klöster in Brand. Auch das Franziskanerkloster Riedfeld wurde überfallen. Die Brüder waren jedoch nicht unvorbereitet und konnten mit Kirchengeräten und Reliquien entkommen. Einen Teil der Klosterbibliothek versteckten sie in Neustadt. Diese Riedfelder Bestände bildeten später den Grundstock für die bedeutende Neustädter Kirchenbibliothek. Über das weitere Schicksal der Riedfelder Franziskaner ist nichts bekannt. Vermutlich waren sie nach Bamberg und Würzburg geflohen. Der Orden gab 1528 das Kloster endgültig auf. Die zerstörten Gebäude wurden nicht mehr wiedererrichtet. Auf dem Platz an der Kirche legte die lutherisch gewordene Stadt 1584 einen neuen Friedhof an. Nur der Chor der ehemaligen Franziskanerkirche ist erhalten. Zusammen mit dem 1725 neu erbauten Langhaus dient er heute als evangelische Friedhofskirche. Die wenigen zum Kloster gehörenden Grundstücke fielen an die markgräflichen Kastenämter Neustadt und Birkenfeld.

Christine Riedl-Valder



 

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