Münchsteinach


 

GESCHICHTE

Münchsteinach ? ein Adelskloster ringt um Unabhängigkeit

Das Benediktinerkloster Steinach im Steigerwald wurde von den Edlen Adalbero von Steinach und seiner Schwester Adelheid aus dem Geschlecht der Grafen von Rothenburg gegründet. Sie hatten den Entschluss gefasst, der Welt zu entsagen und aus ihrem Erbbesitz eine Zelle zu Ehren Gottes und des heiligen Nikolaus zu machen. 1133 übertrugen sie ihre Besitztümer Steinach, Burleswagen, Simmringen und Burg Gröningen Bischof Embriko von Würzburg. Damit sicherten sie ihrem Kloster den kirchenrechtlichen Schutz. Der Bischof bestätigte die Stiftung, verlieh die freie Vogt- und Abtwahl und gewährte das Predigt-, Tauf- und Begräbnisrecht. Damit war der Konvent des Adelsklosters unabhängig von königlicher Macht. Es durfte sich bei Konflikten direkt an den Papst wenden und dem Schutz des Römischen Stuhls unterstellen. Die ersten Mönche in Münchsteinach kamen vermutlich aus der Abtei Michelsberg in Bamberg. Als erster Abt wird 1139 Hartmann genannt; der 1164 erwähnte Abt Adalbero könnte mit dem Stifter identisch sein. Die dreischiffige romanische Basilika mit kreuzförmigem Grundriss hat man im 12. und 13. Jahrhundert erbaut. Ihr strenger Formenschatz weist auf die Hirsauer Bauschule hin. Wegen der Vogteirechte kam es bald zum Streit zwischen dem Würzburger Bischof und dem Burggrafen, der 1291 schließlich auf seine Rechte verzichtete. 1289 bestätigte Papst Nikolaus IV. dem Kloster alle päpstlichen Freiheiten.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts befand sich das Kloster offensichtlich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Abt Friedrich (1353 gewählt) und der Konvent verpfändeten den gesamten Besitz mit allen Einkünften auf vier Jahre an die Brüder Johann und Albrecht von Vestenberg. 1437 ließ sich die Abtei Münchsteinach vorsorglich auf dem Basler Konzil noch einmal ihre Freiheiten bestätigen. Trotzdem gelang es Burggraf Albrecht Achilles, das Kloster seiner Herrschaft zu unterstellen. Beispielsweise musste sich die Abtei 1475 durch Stellung von Mannschaften am burgundischen Feldzug beteiligen. Außerdem wurde der Abt verpflichtet, am Landtag teilzunehmen. Unter der Regierung des Abtes Wilhelm von Abenberg (1452?1495) wurde die Klosteranlage mit starken Mauern umgeben und die Klosterkirche mit den beiden Osttürmen ausgebaut. Der letzte Abt, Christoph von Hirscheid (1519?1529), belastete um 1520 durch den Bau eines Schlösschens ? ein dreigeschossiger, stattlicher Bau ? die Finanzen des Klosters wiederum schwer.

400 Jahre lang hatte das klösterliche Leben in Münchsteinach Früchte getragen, bis die Abtei 1525 dem Bauernkrieg zum Opfer fiel. Die Aufständischen hielten Abt Christoph fünf Wochen lang gefangen und erpressten harte Kontributionen. Wenig später beschloss die markgräfliche Kirchenvisitation, in Münchsteinach die Reformation einzuführen. Der Abt verließ sein Kloster 1529 und zog sich nach Würzburg zurück, wo er noch im gleichen Jahr starb. Die drei übrigen Mönche wurden mit Renten abgefunden. Die Klosterpfarreien Baudenbach, Gutenstetten und Unterlaimbach erhielten lutherische Prediger zugeteilt. In Münchsteinach zog das markgräfliche Klosteramt ein. Von der beschädigten Abteikirche wurde lediglich der Ostteil als Sakralraum für die nunmehr lutherische Gemeinde wiederhergestellt; den westlichen Teil nutze man als Lagerhaus. Der Dreißigjährige Krieg brachte erneut schwere Verwüstungen für Münchsteinach. Der nördliche Kirchturm stürzte ein und wurde nicht wieder aufgebaut. 1732 verpfändete der Markgraf das Klosteramt an das Bistum Würzburg. Amtshaus und Schlösschen wurden verkauft. Der Ostteil der ehemaligen Klosterkirche wurde bei der 1723/35 erfolgten Barockisierung u. a. durch den Einbau von Emporen zu einem Predigtraum im Sinne einer Markgrafenkirche umgestaltet.

Eine umfassende Restaurierung und Rückgewinnung des romanischen Raumbildes erfolgte 1964?1970. Heute gehört die ehemalige Abteikirche Münchsteinach aufgrund ihrer Architektur und der freigelegten farbigen Fassung sowie der erhaltenen figürlichen Reliefs zu den bedeutendsten romanischen Kirchen Frankens. Von den ehemaligen Klostergebäuden hat nur der Ostflügel die Zeiten überdauert, außerdem das Schlösschen, Teile der Klostermauer mit einem 1491 datierten Wappen sowie die ehemalige Klostermühle, Klosterbräu und Klostergästehaus als Umbauten des 18. Jahrhunderts.

Christine Riedl-Valder



 

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