Landshut, St. Joseph


 

GESCHICHTE
Die Ursulinen in Landshut ? Pionierinnen der Mädchenbildung in Bayern

Der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria folgte mit der Einführung der Ursulinen in Bayern einem Trend seiner Zeit. Nicht allein für die männliche Jugend sondern auch für die Töchter gut situierter Bürger- und Adelsfamilien war nun eine niveauvolle Ausbildung gefragt. Mehrere bayerische Adelsfamilien hatten ihre weibliche Jugend bereits in die Obhut der Ursulinen nach Meßkirch gegeben und sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Jahr 1668 erfolgte durch Vermittlung des kurfürstlichen Beichtvaters Pater Leopold Mancin, eines Landshuters, die Übersiedlung der Ursulinen vom schwäbischen Meßkirch, die dort in sehr bedrängten Verhältnissen lebten, nach Landshut.

Gerne hatte der Konvent das Angebot des Kurfürsten angenommen, der den Schwestern zudem einen jährlichen Unterhalt von 1500 Gulden zusagte. Erster Wohnsitz in Landshut für den Konvent und die Schule war das ehemalige Palais des Landschaftspräsidenten an der ?oberen Länd?. Der Unterricht begann am 1. September 1668; anfangs mit sprachlichen Schwierigkeiten, da die Nonnen aus Frankreich, England und den Niederlanden die deutsche Sprache noch nicht perfekt beherrschten. Zwei Monate später hatten sich schon über 100 Schülerinnen eingeschrieben, sodass das Gebäude zu klein wurde. So kaufte der Kurfürst vier Häuser in der Neustadt, in der Überzeugung ?das sye mit Unterrichtung der Jugent weiblichen Geschlechts in christlichen Tugenten, guetten Sitten und anderer Wissenschaften viel Guettes thuen und würkhen?. 1671 legte der Kurfürst persönlich den Grundstein für das neue Kloster. Aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung fand die Weihe der Kirche St. Josef erst 1679 statt. Das Kloster wurde ein Jahr später bezogen.

In den Folgejahren blühte das Institut auf. Die Erfolge in der Erziehungsarbeit und der gute Ruf des Klosters bewirkten eine rasche Zunahme sowohl der Schülerinnenzahl als auch der Novizinnen. So kam es zu mehreren Neugründungen: 1691 Straubing und Innsbruck, 1719 Landsberg.

Der Ausbau der Bildungsanstalt, einer großen Anlage um zwei Innenhöfe gruppiert, war 1714 vollendet. Im 18. Jahrhundert lebten meist rund 40 Nonnen im Kloster. Auch eine Ökonomie wurde erworben. An der Kirche entstand die Wallfahrt zum Gnadenbild ?Unsere Liebe Frau mit dem geneigten Haupte?, das die Nonnen 1680 von ihrem Beichtvater, dem Kanoniker Schmiedhofer aus dem Martinsstift, geschenkt bekommen hatten. Dem Wunsch gläubiger Landshuter entsprechend, ließ Oberin Maria Viktoria Jäger das Bild 1699 auf dem Hochaltar aufstellen. Es wurde im 18. Jahrhundert zum Mittelpunkt der größten Wallfahrt in Landshut. Weite Verbreitung fanden die kleinen Kupferstiche des Gnadenbildes, die als Andachtsbilder in alle Welt mitgenommen wurden. Zahllose Wallfahrtsbilder, die sich erhalten haben, erinnern noch heute an die einstigen Bittprozessionen.

Aufgrund seines schulischen Wirkens für die Bevölkerung entging der Konvent im Jahr 1803 zunächst der Aufhebung. Er wurde dann 1809 aber doch geschlossen. Man hat die Nonnen nach Straubing in das Zentralkloster umgesiedelt und die Gebäude zum Großteil für das Militär genutzt. Schon 1810 erhielten die Nonnen jedoch die Volksschule zurück. 1815 wurde die Kirche wieder eröffnet.

1826 ließ König Ludwig I. von Bayern das Ursulinenkloster als ?Schulkloster? wieder erstehen. Bereits 1840 erfolgten von Landshut aus die Wiedererrichtung des Ursulinenklosters in Luzern und die Neugründung von Klöstern in Hermannstadt (Siebenbürgen) und St. Louis (USA). Man erwarb ein Ferienheim in Geisenhausen und gründete ein weiteres Haus in Hohenwart (Oberbayern).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte die Erweiterung des Mädchenunterrichts bauliche Vergrößerungen notwendig, 1884 entstand anstelle des Institutsgebäudes von 1730 der Gebäudetrakt am Bischof-Sailer-Platz. Kleinere Ausbauten kamen bis 1914 dazu. 1918 besaßen die Ursulinen in Landshut eine Volks- und Hauptschule mit 13 Klassen, eine Volks-Fortbildungsschule mit sechs Klassen, ein sechsklassiges Mädchenlyzeum (später Gymnasium), ein Lehrerinnenseminar, Institute für Handarbeits- und Wirtschaftslehrerinnen sowie zwei Haushaltungsschulen.

Unter dem NS-Regime wurden die Bildungsanstalten der Ursulinen teilweise geschlossen. 1940 zog ein Lazarett für Kriegsgefangene ein; später diente es deutschen Verwundeten. Ab 1945 begann der Lehrbetrieb erneut. Seit den 1990er-Jahren beherbergt das Landshuter Ursulinenkloster die städtische Grundschule für Knaben und Mädchen und die Ursulinenrealschule.

(Christine Riedl-Valder)



 

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