Frauenroth


 

GESCHICHTE
Frauenroth ? Stiftung eines Minnesängers

Unweit von Bad Kissingen in der bayerischen Rhön finden sich auf der Gemarkung von Burkardroth in einem stillen Seitental des Flüsschens Aschach die Überreste des Zisterzienserinnenklosters Frauenroth. Der Minnesänger Graf Otto von Botenlauben und seine Gemahlin Beatrix von Cortenay gründeten das Kloster im Jahr 1231. Sie nannten es ?Novalis Sanctae Mariae?, Rodung für die heilige Maria, also: Frauenroth. Wie in Kitzingen ist auch hier eine Schleier-Legende überliefert: Danach soll der Wind der auf dem Söller ihrer Burg stehenden Beatrix den Schleier vom Kopf geweht haben. Den Fundort bestimmte man als gottgewollten Platz des Klosters. Bis heute wird der legendäre Schleier in Frauenroth aufbewahrt.

In einer Urkunde von 1234 übertrugen die Stifter ihren ganzen Besitz einschließlich der Burg Botenlauben dem neuen Kloster. Dafür nahm der Würzburger Bischof die Gründung unter seinen Schutz. Trotzdem regte sich Widerstand gegen die Stiftung. Deshalb beauftragte Papst Gregor IX. im gleichen Jahr den Mainzer Erzbischof mit der Klärung. Die Anfeindungen bleiben undurchsichtig und es scheint, dass Otto von Botenlauben sein Anliegen sogar mit Waffengewalt durchgesetzt hat. Jedenfalls gewährte der Papst dem Kloster Frauenroth im Jahr 1234 in einem Schutzprivileg alle Freiheiten und Immunitäten des Zisterzienserordens. 1255 erneuerte Papst Alexander IV. dieses Ordensprivileg. Rund 50 Jahre nach der Gründung war das Frauenkloster dem Abt von Maria Bildhausen unterstellt. Es genoss damit, obwohl nie formell dem Orden inkorporiert, alle Rechte und Pflichten der Zisterzienser.

Das Gründerpaar hatte Frauenroth bereits reich ausgestattet. Adelsgeschlechter, wie die in der Region mächtigen Grafen von Henneberg mehrten den Besitz und fanden in der Kirche zeitweilig ihre Grablege. In seiner Blütezeit verfügte das Kloster in mehr als 80 Orten über Einkünfte und Rechte. Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts wissen wir von 25 Schlafstellen, was Rückschlüsse auf die damalige Größe des Konvents ermöglicht.

Im Bauernkrieg von 1525 wurde Frauenroth geplündert und teilweise zerstört. Die Nonnen flüchteten nach Würzburg. Die klösterliche Gemeinschaft scheint danach aber noch intakt gewesen zu sein. 1550 wurde Amalia von Rumrod zur Äbtissin gewählt. Trotzdem verpfändete Fürstbischof Melchior Zobel von Giebelstadt (reg. 1544?1558) im Jahr 1557 das Kloster. 1558 starb die Äbtissin und das in Auflösung geratene Frauenroth wurde später von der bischöflichen Kammer verwaltet. 1640 wurde das Kloster im Dreißigjährigen Krieg verwüstet. Nur der Chor der Kirche mit dem Stiftergrab blieb erhalten. Bis 1651 notdürftig wieder aufgebaut, wurden die Güter im Jahr 1691 an sieben Bauern aus Burkardroth und Wollbach verkauft, die den Ort Frauenroth gründeten.

Originale Reste der ursprünglichen Anlage finden sich nur noch im Chor der Kirche. Ihre romanische Baugestalt konnte im Rahmen von Grabungen bzw. Restaurierungen in den Jahren 1913 bzw. 1970/72 rekonstruiert werden. Danach war die Kirche eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querhaus und drei Apsiden, wobei die Hauptapsis um ein Chorjoch nach Osten erweitert war. Lediglich das Chorjoch hat ein originales Kreuzrippengewölbe. Bauzeitlich ist ferner das rund geschlossene Westportal mit einem schönen, dreistufigen Gewände und Rundstabprofilen an den Gelenken. Das Fenster darüber mit seinem Vierpassmaßwerk diente ehemals zur Belichtung der Nonnenempore im vollkommen veränderten Westteil der Kirche. Kunstgeschichtlich repräsentiert Frauenroth den Übergang von basikalen Formen zu der für Zisterzienser typischen Hallenkirche.

Bedeutendstes Denkmal in Frauenroth sind die Grabplatten mit den als Hochreliefs ausgeformten lebensgroßen Ganzfigurenbildnissen der Stifter Otto und Beatrix von Botenlauben. An durch Grabungsbefunde abgesicherter Stelle dienen sie heute als Deckplatten eines in vereinfachten Formen rekonstruierten Hochgrabs. Es handelt sich dabei um Hauptwerke mittelalterlicher Steinskulptur, die in die Zeit um 1270/80 zu datieren sind, wobei man annimmt, dass die Figur der Beatrix etwas später als die Ottos entstanden ist. Man muss ferner davon ausgehen, dass die Gesichter beider Figuren überarbeitet sind. Einem Wort Georg Dehios folgend sind die Stifterfiguren von Frauenroth ?in der poetischen Idealisierung höfischer Vornehmheit unerreicht?. Die Kunstgeschichte ist sich jedoch vor allem in der Frage der stilistischen Herkunft des Stiftergrabmals uneinig. Sie will entweder einen Zusammenhang mit den Werken im Naumburger Dom sehen oder plädiert für eine Herkunft aus Straßburg. Ferner zu erwähnen ist eine aus demselben Stein gearbeitete Madonna im wenige Kilometer entfernten Dörfchen Lauter. Von ihr wird vermutet, dass sie ebenfalls in die Kirche von Frauenroth gehört hat.

(Erich Schneider)



 

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