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Ebrach


 

GESCHICHTE

Ebrach – Vom Garten der Zisterzienser zur Justizvollzugsanstalt

„Zwölf Cistercienser Ordensgeistliche aus der Abtei Morimund in Frankreich kamen dahin und siedelten diesen in der Mitte des Steigerwalds gelegenen Ort stiftungsmäßig an. Sie lebten nach der Regel des heiligen Benedikt und ihres Ordens Satzungen, lagen dem Gebet und Gottesdienst ob und brachten außerdem durch Arbeit ihrer Hände und milde Zuflüsse ihre Kolonie zum Wachsthum und die wilde Gegend ihres Besitzes zur Kultur.“ So beschrieb Eugen Montag, der letzte Abt von Ebrach, im Jahr 1786 die Gründung seines Konvents, des ersten Klosters der Zisterzienser östlich des Rheins.

Am 25. Juli 1127 waren die Zisterzienser nach Ebrach gekommen. Der Adlige Berno hattezusammen mit seinem Bruder seinen Besitz zur Gründung eines Klosters zur Verfügung gestellt. 1134 weihte Bischof Embricho von Würzburg die Abteikirche.

Die Michaelskapelle am nördlichen Querhaus der Abteikirche gilt als Musterbeispiel für die Entwicklung der romanischen Bauplastik und zisterziensischen Baukunst aus der Frühzeit der Abtei. Sie ist zugleich der letzte Rest des ersten Sakralbaus. Zwischen 1200 und 1285 entstand im Stil der frühen Gotik die heute noch vorhandene Kirche.

Unter seinem Gründungsabt Adam besiedelte Ebrach bereits sechs Tochterklöster: Rein in der Steiermark (1129), Langheim (1133), Heilsbronn (1133), Pomuk in Böhmen (1145), Aldersbach (1146) und Bildhausen vor der Rhön (1158). Später kamen drei weitere Töchter hinzu: Wilhering bei Linz an der Donau (1185), Eytheren in Holland (1342) und Bronnbach an der Tauber (1573). Zudem oblag Ebrach die Aufsicht über die Zisterzienserinnen in den Klöstern Schönau, Birkenfeld, Himmelspforten und Maidbronn.

Adam, der erste Abt von Ebrach, selbst ein Jerusalempilger, stand während der Kreuzzüge in gutem Kontakt mit den Stauferherrschern Konrad III. und Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1146 wurde Königin Gertrud, die Gemahlin Konrads III., gemäß ihres Wunsches in Ebrach bestattet. Auch ihr Sohn Friedrich von Schwaben fand in der Abteikirche sein Grab.Ungeachtet königlicher Gunst in der Stauferzeit, entsprechender kaiserlicher Schutzbriefe und großen Reichtums erreichte Ebrach nicht sein politisches Ziel der Reichsunmittelbarkeit. Das Fürstbistum Würzburg, in dessen Diözese die Abtei lag, behauptete über Jahrhunderte hinweg erfolgreich seine Rechte als Landesherr. So erhielt das Hochstift Würzburg von den Ebracher Untertanen zahlreiche Abgaben und übte über sie die Gerichtsbarkeit. Als ein Zeichen ihrer Verbundenheit ließen die Würzburger Bischöfe zwischen 1287 und 1573 immer wieder ihre Herzen in der Abgeschiedenheit des Steigerwaldklosters beisetzen.

Die Würzburger Oberhoheit hinderte die Abtei nicht daran, in der Barockzeit neue Gebäude zu errichten, die eines Reichsklosters würdig gewesen wären, so auch der noble Kaisersaal. Die Baupläne stammten von Leonhard Dientzenhofer und Joseph Greising. Allein das Treppenhaus von 1715 zählt zu den prächtigsten in Franken. Mit einer großzügigen Parkanlage und figurengeschmückten Brunnen hatten die Zisterzienser das sumpfige Tal imSteigerwald in einen blühenden Garten verwandelt.

Im späten 18. Jahrhundert versahen die Zisterzienser von Ebrach ihre gotischen Abteikirche mit einer frühklassizistischen Ausstattung, die in diesem Reichtum ihresgleichen sucht. Abt Wilhelm Roßhirt beauftragte damit 1778/91 den Stuckateur Matero Bossi und den Bildhauer Johann Peter Wagner. Die Würzburger Künstler verliehen dem schmalen, dreischiffigen Langhaus zwischen der gotischen Fensterrose im Westen und dem geraden Chorschluss im Osten seine stilreine Geschlossenheit. Die Schnitzereien der Seuffert-Orgel und das ehemalige Chorgitter unterhalb der Empore gehörten ebenfalls zu den Kunstwerken ersten Rangs.

Am Vorabend der Säkularisation sammelte Eugen Montag, der letzte in der Äbtereihe des Klosters, noch immer historische Beweisstücke für die reichsunmittelbare Stellung Ebrachs. Als Ironie der Geschichte endete dieser juristische Kampf: Um es leichter aufheben zu können, erhielt Ebrach im Reichsdeputationshauptschluss der Rang als Reichsabtei. Im Dezember 1802 wurde das Klosterwappen - der Eber mit dem Abtsstab - gegen den weiß-blauen Rautenschild des Kurfürstentums Bayern ausgetauscht.Die Mönchsgemeinschaft leistete den Treueid auf den neuen Landesherrn, doch am 5. Mai 1803 mussten 51 Patres und zehn Laienbrüder die Abtei verlassen.

Rund 7000 Ebracher Untertanen, auf über 300 Ortschaften verteilt, wurden bayerisch. 5000 Hektar Klosterwald kamen in Staatsbesitz. Die hervorragende Ausstattung der Abtei mit Werken der Kunst und der Wissenschaft belegen die im Jahr 1803 vollzogenen Transporte in die Gemäldesammlungen und die Bibliotheken nach Würzburg, Bamberg, München und Wolfenbüttel. Die Archivalien befinden sich heute im Staatsarchiv Würzburg.

Die Klosterkirche wurde bald zur Kirche der Pfarrgemeinde. Diese kam 1808 zur Erzdiözese Bamberg. Die Konventgebäude standen über Jahrzehnte hin leer. Beispielsweise wurde 1831 die Einrichtung einer Irrenanstalt erwogen. Anfang der 1840er-Jahre wollte König Ludwig I. 50.000 Gulden für die Wiedererrichtung Ebrachs als Zisterze stiften, doch fand sich kein Konvent für das Kloster. Seit 1851 dienen die Klostergebäude der bayerischen Justiz als Haftanstalt.

Die ehemalige Prälatur, also die Privaträume des Abtes, beherbergt heute ein kleines Museum zur Klostergeschichte mit kostbaren Sakralgegenständen, Schriften und einem Modell der Klosteranlage um 1555. Eine Spezialität kredenzt die Staatliche Hofkellerei Würzburg im „Abt-Degen-Keller“, benannt nach jenem Ebracher Abt, der anno 1665 die Silvanerrebe aus Siebenbürgen (Transsilvanien) nach Franken gebracht haben soll. Auch die von den Zisterziensern angelegten Karpfenteiche künden heute noch vom kulinarischen Ruhm des Klosters. Die „Ebracher Höfe“, stattliche Häuser in Bamberg, Burgwindheim, Nürnberg und Schweinfurt erinnern an das Netz von Niederlassungen, mit dem die Abtei Ebrach über den mainfränkischen Raum hinaus wirkte.

( Markus Schütz )



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Bildnis des Abtes Heinrich III. Wild (reg. 1437-1447, gest. 1455?), Gemälde, um 1700 (?), Ebrach, St. Maria (ehem. Zisterzienserklosterkirche; Sakristei).
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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