Biografien
Menschen aus Bayern

Felix Freudenberger Buchhändler, SPD-Politiker, Mitglied des Arbeiter- & Soldatenrats

geboren: 08.08.1874, Heidingsfeld b.Würzburg
gestorben: 15.12.1927, Schönberg

Wirkungsort: Würzburg

Felix Freudenberger wirkte als Buchhändler, SPD-Politiker und Kommunalpolitiker in Würzburg. Aufgrund seiner sozialistischen und pazifistischen Einstellung wurde er zur Zielscheibe rechter Hetze. Zudem spielte Freudenbergers Einfluss als Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates eine wichtige Rolle für den weitgehend friedlichen Verlauf der Räterevolution im April 1919 in Würzburg. Nachdem die Revolution niedergeschlagen wurde, mobilisierte Freudenberger gegenrevolutionäre Freikorpskämpfer. Seit 2016 vergibt die SPD-Unterfranken den Felix-Freudenberger-Preis für Kultur, Bildung und Zivilcourage.

Felix Freudenberger wurde am 08. August 1874 in Heidingsfeld bei Würzburg als eines von elf Kindern geboren. Er wuchs als Sohn des Lehrers Jakob Freudenberger (1828-1911) und Sara geb. Bacharach (um 1835-1902) in kleinen Verhältnissen auf und besuchte die Volksschule. Nach seinem Abschluss an der Realschule in Fürth absolvierte er eine Lehre als Buchhandelsgehilfe. Freudenberger heiratete Rosa Frankenfelder (1872-1944), die Tochter eines Metzgers in Würzburg-Heidingsfeld. Im Jahr 1899 eröffnete Freudenberger in Würzburg eine Buch- und Schreibwarenhandlung, die seine Frau nach seinem Tod weiterführte. Rosa Frankenfelder wurde am 23. September 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt und schließlich im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. Die 1901 geborene Tochter Sophie konnte nach England fliehen. 

Im Jahr 1895 trat Freudenberger der SPD bei, für die er als Parteiredner auftrat sowie im Fränkischen Volksfreund schrieb. 1907 wurde er bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer als Kandidat der SPD aufgestellt. Seit 1908 war Felix Freudenberger außerdem SPD-Vertreter im Würzburger Gemeindekollegium, wo er ab 1915 sogar Gemeindebevollmächtigter und nach 1919 auch Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion wurde. Zudem wurde Freudenberger 1914 Mitglied des SPD-Landesvorstands in Bayern. Trotz Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 blieb Freudenberger Pazifist und ließ sich nicht von der Kriegsbegeisterung anstecken. So hielt er beispielsweise beim SPD-Reichsparteitag 1917 in Würzburg eine pazifistische Begrüßungsrede. Im November 1918 wurde in Würzburg ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, dem Freudenberger angehörte und später sogar dessen Vorsitzender wurde. Dieser Rat übernahm am 09. November 1918 für kurze Zeit die Macht in Würzburg. Zudem war er Delegierter beim ersten Reichsrätekongress im Dezember desselben Jahres in Berlin. 1919 kandidierte Freudenberger erfolgreich für den Bayerischen Landtag, dem er schließlich bis zu seinem Tod im Jahr 1927 angehörte. Während der Räterevolution im April 1919 in Würzburg gelang es unter anderem durch Freudenbergers Einfluss, dass diese weitgehend friedlich verlief, er selbst wurde jedoch kurzzeitig von den Revolutionären festgesetzt. Nach der Niederschlagung der Revolution mobilisierte Freudenberger gegenrevolutionäre Freikorpskämpfer. Im Juni 1919 wurde er trotz des antisemitisch motivierten Widerstands aus den bürgerlichen Parteien für eine Legislaturperiode, also bis 1924, zum ehrenamtlichen vierten Bürgermeister für Schule und Kultur in Würzburg gewählt. Während seiner Amtszeit gründete er unter anderem die Volkshochschule. Beim sogenannten "Barmat-Skandal" im Jahr 1925 wurde Freudenberger Zielscheibe der rechtsradikalen Hetze, ohne jedoch gerichtlich belangt werden zu können. 

Felix Freudenberger verstarb am 15. Dezember 1927 in Schönberg in Württemberg während eines Sanatoriumsaufenthalts. Bei seiner Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof in Würzburg in Würzburg sprachen auch die SPD-Politiker Hermann Müller und Hans Vogel. Freudenbergers Großneffe Shraga Har-Gil setzte dem Großonkel in seinem Buch "Alte Liebe rostet nie" (2004) ein literarisches Denkmal. Im Jahr 2008 wurde der Felix-Freudenberger-Platz am Oberen Mainkai in Würzburg nach Freudenberger benannt. Seit 2016 vergibt die SPD-Unterfranken alle zwei Jahre den Felix-Freudenberger-Preis für Kultur, Bildung und Zivilcourage.


(Kea Grimmelt)

Literatur

  • Roland Flade: Die Würzburger Juden von 1919 bis zur Gegenwart. In: Ulrich Wagner: Geschichte der Stadt Würzburg 3,1

GND: 123579953