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Pielenhofen


 

GESCHICHTE

Pielenhofen - Zisterze im Naabtal 

Pielenhofen war, nach der heute noch bestehenden Abtei Seligenthal bei Landshut, das zweitälteste Kloster der Zisterzienserinnen im Bistum Regensburg. Der früheste Beleg für seine Existenz datiert auf den 27. Januar 1237, als Papst Gregor IX. das Kloster Porta Sanctae Mariae ("Marienpforten") unter seinen besonderen Schutz nahm. Im Jahr 1239 wurde es vom Generalkapitel des Ordens in Cîteaux dem Abt von Kaisheim als "Vaterabt" und Visitator unterstellt. Zur "cura monalium", also der Seelsorge für die Nonnen, und für schwere körperliche Arbeiten stellte die Abtei Kaisheim stets etliche Patres und Laienbrüder. 
Der Standort des Klosters im Tal der Naab scheint nicht von Anbeginn vorgesehen gewesen zu sein. Eine Schenkungsurkunde vom Februar 1237 lässt darauf schließen, dass es im einige Kilometer entfernten Pollenried ("Pulnriuth") auf der Hochfläche des Oberpfälzer Jura hätte entstehen sollen. Dort war bereits 1224 durch die Herren von Hohenfels ein, möglicherweise von Dominikanern betreutes, Spital gegründet worden. Die Gründe für eine Verlegung sind unbekannt, doch suchte der Zisterzienserorden grundsätzlich die Nähe von Tälern und Wasserläufen. Ungewiss sind die eigentlichen Stifter von Pielenhofen. Jedenfalls verdankt das Kloster seinen ersten Besitz den adligen Familien der Hohenfelser und der Ehrenfelser. Diese Ministerialen des Bischofs von Regensburg wurden noch im 16. Jahrhundert "fautores nec non quasi fundatores" ("Gönner und gewissermaßen Gründer") genannt.
Im Lauf des 13. und 14. Jahrhunderts erwarb das stets relativ arme Kloster doch einigen Grundbesitz. Er konzentrierte sich um die Abtei selbst und umfasste im frühen 16. Jahrhundert zudem über sechzig Hofstätten in der südlichen und mittleren Oberpfalz. Das landsässige Kloster verfügte über eine Hofmark als eigenen Niedergerichtsbezirk.
1317 wurde Pielenhofen durch Kaiser Ludwig den Bayern aus der weltlichen Gerichtsbarkeit gelöst und 1318 vorübergehend unter den Schutz des Reichs gestellt. Überhaupt erfreute sich die Zisterze der Förderung durch die Wittelsbacher: Sie gewährten 1318 Freiheit von Zoll und Maut für zwei Salzwagen jährlich nach Hall und zurück, gestatteten 1370 das Sammeln von Almosen zur Linderung der wirtschaftlichen Not und befreiten das Kloster 1409 von der "Herzogsgastung", sodass der Landesherr und seine Beamten nicht mehr kostenlos aufgenommen und verpflegt werden mussten.
Die Einführung der Reformation in der Oberpfalz ab 1542 erfasste auch Pielenhofen. 1559 - solange ist eine Äbtissin belegt - kam die Zisterze zusammen mit dem Kloster Adlersberg der Dominikanerinnen in Pettendorf unter die Herrschaft eines weltlichen Propsts. Der Besitz beider Frauenklöster ging auf das landesherrliche Klosteramt Pielenhofen-Pettendorf über. Während Adlersberg (Pettendorf) unterging, wurde den im alten Glauben verbleibenden Zisterzienserinnen in Pielenhofen ein lebenslanges Bleiberecht gewährt. Auch der Besitz und seine Erträge blieben ungeschmälert erhalten, für den Bestand der Klostergebäude sorgte die weltliche Herrschaft. Im frühen 17. Jahrhundert lebten vermutlich keine Zisterzienserinnen mehr. Auch nach der Rekatholisierung der Oberpfalz blieb Pielenhofen noch lange unter landesherrlicher Verwaltung. 
Am 8. September 1655 zog in der ehemaligen Abtei wieder monastisches Leben ein, nachdem sie das Zisterzienserkloster Kaisheim für 18.000 Gulden gekauft hatte. Anstelle von Nonnen bestand nun ein Mönchskonvent. Das im Fürstentum Pfalz-Neuburg landsässige Kloster Pielenhofen stand zunächst unter der Aufsicht eines Administrators, später erhielt es den Rang eines Superiorats des Reichsstifts Kaisheim. 1676 erwarb Pielenhofen das ehemalige Klostergut Pettendorf-Adlersberg und blieb mit diesem bis zur Säkularisation verbunden. 
In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts entstanden die Konventbauten und die Klosterkirche völlig neu im Stil des Barock. Die um 1721 fertig gestellte Marienkirche zeigt die Handschrift des Vorarlberger Baumeisters Franz II. Beer und des Konstanzer Malers Karl Stauder. 
Nach der zweiten Aufhebung in ihrer Geschichte wurde die Klosteranlage im Jahr 1803 aufgeteilt und an vierzehn verschiedene Interessenten verkauft; alle Teile wurden als Wohnhäuser verwendet. 1806 wurde der Komplex jedoch als Aussterbekloster für die Karmelitinnen der säkularisierten Klöster von München und Neuburg an der Donau bestimmt. Aus dem alten Münchner Karmel gelangte so das als Gnadenbild verehrte "Antlitz des weinenden Christus" nach Pielenhofen. Die ehemalige Klosterkirche Zu unser Lieben Frau kam in den Besitz der örtlichen Pfarrgemeinde. 
1838 übernahm die zu diesem Zeitpunkt verwahrlosten ehemaligen Konventgebäude der Orden der Salesianerinnen und errichtete in Pielenhofen zum dritten Mal ein Kloster. Die Nonnen betreuten zunächst die örtliche Volksschule und gründeten 1912 eine höhere Mädchenschule mit Internat. 1941 musste die Klosterschule einem staatlichen Lager der "Kinderlandverschickung" und einem Lazarett weichen. Von 1946 bis 1980 führten die Ordensfrauen ein Mädchengymnasium mit Internat. 
Seit 1981 ist im Kloster als Stiftung die Internats-Volksschule der Regensburger Domspatzen untergebracht. Sie fördert Buben der Jahrgangsstufen 3. und 4. Grundschule schulisch und musikalisch für den Eintritt in das Musikgymnasium und den Domchor im nahen Regensburg. 

( Peter Morsbach )



 

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