Zeitzeugen berichten

Richard Süßmeier Hotelier, Gastronom, 1970-1984 Sprecher der Wiesn-Wirte auf dem Münchner Oktoberfest

Themen

Zweiter Weltkrieg

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-1692.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1945

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Richard Süßmeier über die Situation in der Gastronomie seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs in München bis zum Bombenangriff auf den Straubinger Hof im Februar 1945.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Richard Süßmeier, aufgenommen am 18.06.2016 in Grünwald, über seine Kindheit und Jugend während der Zeit des Nationalsozialismus in München, die Geschichte des Straubinger Hofs, die Auswirkungen der Währungsreform auf den Wirtshausbetrieb, die frühe Übernahme des Wirt-Erbes seines verstorbenen Vaters, die Entwicklung des Armbrustschützenzelts auf der Wiesn, die Atmosphäre auf der Wiesn in den 1950er- und 1960er-Jahren, sein Verhältnis zu Dr. Peter Gauweiler und seine Entlassung als Wiesn-Wirt 1984.

Biogramm

Richard Süßmeier wurde 1930 in München geboren. Seine Eltern waren Wirte und betrieben in München das Wirtshaus Straubinger Hof am Viktualienmarkt, das 1948 von ihm übernommen wurde. Richard Süßmeier besuchte ein Realgymnasium, danach folgte eine Ausbildung in der Hotelfachschule Bad Reichenhall. 1958 erwarb er das damals wirtschaftlich eher unbedeutende Armbrustschützenzelt auf dem Münchner Oktoberfest, das er in wenigen Jahren zu einem Großunternehmen ausbaute. Ab 1970 war Süßmeier Sprecher der Wiesn-Wirte. 1984 verursachte er einen lokalen Politskandal, als er sich über den damaligen Kreisverwaltungsreferenten Dr. Peter Gauweiler öffentlich mokierte. Infolge seiner Aktionen verschärfte die Kreisverwaltung die Kontrollmaßnahmen um seinen Betrieb, was am 30. September 1984 zum Verlust der Wiesn-Konzession und zum Rücktritt als Sprecher der Wiesn-Wirte führte. Richard Süßmeier war Betreiber und Pächter weiterer Gastwirtschaften im Raum München, etwa der Gaststätte Großmarkthalle, des Hotels Amba, des Großrestaurants auf dem Olympiagelände, der Gaststätte Zum Spöckmeier und des Forsthaus Wörnbrunn. 2020 verstarb Richard Süßmeier in Grünwald.

Inhalte

Geboren 1930 – Kindheit und Jugendzeit in München – „Wirtseltern“ – Vater als „Wirts-Metzger“ – 1932 Umzug in die Gaststätte Straubinger Hof – Kindergarten- und Volksschulzeit in München – Politische Einstellung der Lehrer in der Oberschule – Novemberpogrome 1938 in München („Reichskristallnacht“) – Kriegserfahrungen der Eltern im Ersten Weltkrieg – Kriegsbegeisterung im Jungvolk zu Beginn des Zweiten Weltkriegs – Kriegsspielzeug – Gastronomie der Familie im Zweiten Weltkrieg – Lebensmittelmarken in der Gastronomie – Bombentreffer im Straubinger Hof während eines Luftangriffs auf München im Februar 1945 – Flucht zu Verwandten aufs Land – Rückkehr nach München nach Kriegsende – Wideraufbau der Gaststätte Straubinger Hof – Schulunterricht während des Zweiten Weltkriegs – Besuch der Kinovorführungen für verwundete Soldaten in Garmisch-Partenkirchen – Versorgung der Kinderlandverschickungslager – Besuch der Rupprecht-Oberrealschule in Pörnbach gegen Ende des Krieges – Unterbringung in einem Wirtshaus auf dem Land – Wiedereröffnung des Straubinger Hofs im Spätherbst 1945 – Tod des Vaters im Juni 1948 – Konsumverhalten der Bürger nach der Währungsreform am 20.06.1948 – "Wirtschaftswunder" – Schwieriger Antritt des ‚Wirt-Erbes‘ mit 17 Jahren – Aufgabenverteilung im Wirtshaus – „Griaß di Wirtsbua!“ – Aufschwung durch die ‚Auer Dult‘ (Jahrmarktveranstaltung in München) – „Stammlokal des ambulanten Gewerbes“ – Die Aufgabe des Gastwirts – Speiseangebot abhängig von der Metzgerei – Die 1950er-Jahre – Faschingshausball in den Wirtshäusern – Ernennung zum ‚Hofmarschall‘ – Besuch der Hotelfachschule – Wahl zum Vorstand des Vereins der Wirtsmetzger – Bewerbung zum Wirt für die Ochsenbraterei auf der Wiesn (Oktoberfest) 1958 – Vereinigung der Jung-Gastronomen – Netzwerk unter den Wirten – Von der Baracke zum Armbrustschützenzelt auf der Wiesn – Wiesn-Einzug auf Eseln als ‚kleinster‘ Wiesn-Wirt mit Begleitmannschaft – Anfängliche Misserfolge als Wiesn-Wirt – Einheitspreis für halbe Hendl auf der Wiesn 1958 – Namensgeschichte des Armbrustschützenzeltes – Einführung des ‚Prominentenschießen‘ auf der Wiesn – Atmosphäre auf der Wiesn in den 1950er- und 1960er-Jahren – „Ein Fest der bayerischen Stämme“ – Bierpreisentwicklung auf der Wiesn – Bedienungsgeld – „Verein gegen betrügerisches Einschenken“ – Bierpreis unter Oberbürgermeister Thomas Wimmer (SPD) – „Bierpreiskrieg“ – Medieninteresse an der Wiesn in den 1970er-Jahren – Verdienstmöglichkeiten der Wiesn-Wirte – Verhältnis zu Dr. Peter Gauweiler (ab 1982 Kreisverwaltungsreferent) – Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD) und Erich Kiesl (CSU) – Änderungsmaßnahmen durch Gauweiler – Auseinandersetzung mit Gauweiler – Ernennung zum „Napoleon der Wirte“ durch Fritz Wog vom Münchner Merkur – Zuspitzung des Konflikts mit Gauweiler – Plakat-Aktion „Gauweiler is watching you.“ – Rolle der Medien beim „Einschenk-Thema“ – Das Problem des ‚richtigen Einschenkens‘ ab 1984 – Interview durch Moderator Günther Jauch – Kontrollmaßnahmen an den Schänken durch Gauweiler – Pressekonferenz mit dem Wiesn-Bürgermeister Dr. Zehetmair 1984 vor der Bekanntgabe der Entlassung als Wiesn-Wirt – Verkündung der Entlassung als Wiesn-Wirt am Hauptsonntag 1984 – Freispruch im Gerichtsverfahren – Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht – Bilanz zum Verlust der Wiesn-Konzession – Bedeutung des Straubinger Hofs – Aufgabe des Staubinger Hofs – Persönliches Bild von Bayern – Meinung zum Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern heute.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
18.06.2016
Sprache:
deutsch