Zeitzeugen berichten

Josef Krumbachner Kriegsgefangener, kath. Pfarrer

Themen

Zweiter Weltkrieg

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-0789.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1944

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Josef Krumbachner über den Schock, dass das Kriegsgefangenenlager Como mit Duldung der Amerikaner von deutschen Offizieren "im nationalsozialistischen Geist" geführt wurde.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Josef Krumbachner, geführt am 09.10.2002, über seine katholische Erziehung in Burghausen und Passau, den Reichsarbeitsdienst in Moosburg, die Einberufung zur Wehrmacht und den Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg sowie seine Erlebnisse im Kriegsgefangenenlager im amerikanischen Como/Mississippi.

Biogramm

1919 geboren, Knabenseminar in Burghausen, Reichsarbeitsdienst (RAD), Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, Einsatz an der Ostfront, Einsatz in der Normandie 1944, amerikanische Kriegsgefangenschaft Como/Mississippi, Reeducation, Heimkehr 1946, Theologiestudium in Passau, Priesterweihe 1950, seit 1969 Pfarrer in St. Anton/Passau, 2011 in Passau verstorben.

GND: 1026038812

Inhalte

Bauernfamilie, sieben Geschwister, Vater verwahrte Antinazipropaganda im „Giftschrank“, Bericht von Gritschneder, „Brief eines rheinischen Katholiken“, katholische bayerische Familie, 1931 Gymnasium in Burghausen, Salesianer Don Boscos, klare christliche Ausrichtung, Franz Treber, Wallfahrt nach Altötting, Jugendorganisation: Kreuzerritter, schwarze Hosen, weiße Hemden, Kreisleiter Malkomes, nicht bei der Hitlerjugend (HJ), 1937 humanistisches Gymnasium in Passau, Knabenseminar St. Valentin, Schulgeld, oppositionelle Haltung, Aufmarsch der HJ, Verehrung für Bischöfe, Michael Kardinal Faulhaber, trotzdem nationale Begeisterung, Anschluss Österreichs 1938, Diskussion mit Präfekten, Begeisterung für Sport, Interesse für Politik, Sturz des Reichskanzlers Brünings, Max Schmeling, „Der gerade Weg“, Fritz Gerlich, Sakristei von Halsbach, Ermordung von Fritz Gerlich im Rahmen des Röhm-Putsches am 30.6.1934, Tod von Adalbert Probst, Abitur 1939, Reichsarbeitsdienst, Lager in Minbach/Oberpfalz, Exerzieren mit dem Spaten, landwirtschaftliche Hilfskräfte gesucht, Möglichkeit zur zivilen Ableistung des Arbeitsdienstes, Hof in der Nähe von Moosburg, Ende des Arbeitsdienstes im Oktober 1939, Meldung zur philosophisch-theologischen Hochschule in Eichstätt, Einberufung zum Militär 6 Wochen später, Schwere-Reiter-Kaserne in München, Beobachtungsabteilung 7, Funkausbildung, Entlassung, nach einigen Wochen wieder eingezogen, Kückhofen an der holländischen Grenze, Fronteinsatz, 10.5.1940 Einmarsch in Holland, Belgien, Frankreich, Winterquartier, Vorbereitung auf Aktion „Seelöwe“, gutes Verhältnis zu den Franzosen, Frühjahr 1941 Verlegung nach Polen, 22.6.1941 Beginn des Russlandfeldzuges, technische Einheit im Hintergrund, Oberstleutnant Kränzle, Beförderung zum Unteroffizier, Eisernes Kreuz zweiter Klasse, Waffenschule in Jüterbog, nach 5 Monaten Leutnant, Rückkehr zur Einheit, Winter 1941/42, Bruder schwer verwundet in Breslau, Neuausrüstung in Dame bei Berlin, Stalingrad-Front, Verwundung am 22.11.1942, danach ausgeflogen worden, verschiedene Lazarette, München, Kurier in Berlin, Bendlerstraße, Luftangriffe, Wohnung neben Mutter von Joseph Goebbels, November 1943 Schwere-Reiter-Kaserne in München, Abordnung an die Westfront, Ausbildung für Ortungsgerät: Donaumesszüge, Wärmepeilgerät, Alliierte Invasion, Cherbourg, amerikanische Kriegsgefangenschaft, Konktakte zu anders Denkenden, Hören von ausländischen Sendern, Führungsgruppe des Donaumessgerätes, vier Messstellen, Anhöhe, Besuch von Generalität und Admiralität, Kriegsgefangenschaft, vorher Sprengung der Geräte und Waffen, den Amerikanern unbewaffnet entgegen gegangen, viele deutsche Kriegsgefangene an der Küste, Care-Pakete, Verhör durch amerikanischen Offizier, keine Auskünfte gegeben, Sammelstelle an der Küste, Zigaretten, Überfahrt nach England mit Landungsbooten, überwältigt von der amerikanischen Organisation, Logistik, Masse, Lager in Südengland, gut von den Amerikanern versorgt, Tagebuch abgenommen, nach dem Krieg wieder erhalten, den Briten übergeben und nach Schottland gebracht, schlechtere Versorgung, in Glasgow wieder den Amerikanern übergeben, Handtuch und Schokolade und Zahnputzzeug bekommen, auf Passagierschiff gebracht, hervorragende Behandlung, Offiziere im Speisesaal versorgt, Deckaufenthalt erlaubt, Nachricht von Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, Freiheitsstatue in New York, Entlausung, mit Personenzug nach Como/Mississippi, Offiziersgefangenenlager, Rede von Hauptmann Hiltmann, „hier herrscht nationalsozialistischer Geist“, Josef Stettmeier, Exerzieren, gute Verpflegung, Apelle, Baracken, 2.000 deutsche Offiziere, darunter 200 SS-Offiziere, Dr. Hallstein, Orchester, Bücher, Lageruniversität aufgebaut, Juristen, Historiker, Dr. Albert Mirgeler, reges Lagerleben, Kollegheft über europäische Geschichte, Sprachkurse Spanisch, Arabisch, Englisch, Nazis hatten die Lagerführung, Gottesdienste, SS-Mann Werner Schlepper, Verfahren gegen Dr. Poppelbaum, Akten sollten nach dem „Endsieg“ einem ordentlichen deutschen Gericht übergeben werden, Poppelbaum verließ das Lager, lebendiges, geistiges Leben, katholischer Pfarrer, evangelischer Pfarrer, Paul Schmid, Lagerführer Oberstleutnant Seiderer, Rede zu Weihnachten 1944, Ardennenoffensive, viele Nazis planten Fluchtversuche, gescheiterte Fluchtversuche, täglich die New York Times erhalten, Rundfunk, umfangreiche Information über den Kriegsverlauf, freie Presse in Amerika, Nazis hielten Nachrichten für Propaganda, Beerdigung von General Franz Schubert, Möglichkeit sich eine Uniform schneidern zu lassen, 20 Dollar Lagergeld, Friedhof für deutsche Kriegsgefangene, Salut durch G.I.s, Hakenkreuzfahne auf dem Sarg, Meinungsumschwung in Amerika nach Bekanntwerden der Greuel in den Konzentrationslagern, amerikanische Gutmütigkeit schlug um in Aggression, Essensrationierung, Verwunderung über langsame Verbreitung der Greueltaten, „Mund zu Mund“, nach der Kapitulation: Reeducation, Filme, Presse, tragische Haltung vieler, Juristen, Todesurteile, Feier nach dem Selbstmord Hitlers, Demokratiezirkel, Wunsch heimzukehren, Arbeitsangebot, Arbeit in Winston, Salem, Camel Fabrik, Beichtstuhl, verzögerte Heimkehr, alles zurück erhalten, Bücher und Zigaretten mit nach Deutschland gebracht, mit Liberty-Schiff nach Frankreich gebracht, stürmische See, seekrank, Auffanglager, Hunger, Heimkehr an Christi Himmelfahrt 1946, Zerstörungen, amerikanische Zone, General Lucius D. Clay, Briefwechsel mit den Brüdern, ältester in Frankreich vermisst, jüngster 1944 gefallen, Kontakt im Lager meist zu Rheinländern, Bayern, Österreichern, Hadamovski, Briefwechsel mit der Heimat, Rassentrennung in Amerika, Arbeit in der Zigarettenfabrik von Camel: Tabakbündel, Tabakstaub, Duschen, Reader's Digest, geistige Führung im Lager übernommen, Lagerfunk: Verlautbarungen von Papst Pius XII., Sunday Visitor, Angst vor Morgenthau-Plan, einzelne Gruppen im Lager stark getrennt, politische Diskussionen, Literatur, Thomas Mann, einige aus dem Lager zum Englischunterricht geschickt, Hallstein, viel Menschenkenntnis im Lager erworben, Dr. Mirgeler, außer bei der Arbeit kaum Kontakte zu Amerikanern, englischer Sprachkurs, schwarzer Amerikaner in der Tabakfabrik.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
09.10.2002
Sprache:
deutsch