Zeitzeugen berichten

Dr. med. Günter I. Diez Arzt, Sanitätssoldat im Zweiten Weltkrieg

Themen

Zweiter Weltkrieg

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-0622
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1942

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Günter I. Diez über die Probleme der medizinischen Versorgung der deutschen Truppen vor Stalingrad 1942.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Dr. med. Günter I. Diez, geführt am 23.01.2001 im Rahmen des Projekts Bayern und Ungarn, über seine Jugend, sein Medizinstudium, die Teilnahme am Russlandfeldzug, Stalingrad, die Kriegsgefangenschaft und die Rückkehr nach Deutschland 1949.

Biogramm

1911 in Stuttgart geboren, Medizinstudium in Tübingen, Italien, Königsberg und München, ab 1939 Teilnahme am Zweiten Weltkrieg in einer Lazaretteinheit, Russlandfeldzug, in Stalingrad als Teil der 6. Armee, in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, 1949 Rückkehr nach Deutschland.

Inhalte

Studium und Einsatz in der Sanitätskompanie: 1911 in Stuttgart/Bad Cannstatt geboren, Schule, Gymnasium, Abitur, Medizinstudium, Tübingen 5 Semester, Studenten-SA, Bologna, Rom, Königsberg, Staatsexamen in München, Assistenzarzt im Krankenhaus in Cannstadt, Militär: Lazarett in Stuttgart, Baden-Baden, Royan (Fr), Sanitätskompanie, Charkow-Kessel, bespannte Sanitätskompanie (Pferde), Chef war Internist, drei Chirurgen, innerhalb von drei Stunden Lazarett eingerichtet - Vormarsch auf Stalingrad, ganze Division blieb aus Benzinmangel liegen am Don, Rumänen erzwangen Übergang über den Don, Vormarsch über den Don, Versorgungsprobleme, Eisenbahnanschluss, Rinok, Unternehmen "Blau", 28.06.1942, keine Straßen, Rollbahnen, Vormarsch nach Stalingrad, Verwundete auch Russen, Wolgadeutsche, Selektion der Verwundeten nach Grad der Verwundung, teilweise Tag und Nacht gearbeitet, drei Steyer-Krankenwagen, um Verwundete abzutransportieren, 17.11.1942 Verbandsmaterial ging aus, Flug nach Kiew, Verbandsmaterial im Depot besorgt, Flugzeug für den Rückflug, Flugplatz Pitomnik - Aussortieren der Verwundeten, Russen schlossen den Kessel in einem 60km-Umkreis, Rumänen schlecht ausgerüstet, Panzer zur Unterstützung blieben aus Kraftstoffmangel liegen, 6 russische Armeen - Kessel von Stalingrad, Stimmung am Anfang noch hoffnungsvoll, bessere Ausrüstung, personelle Unterlegenheit, Einzelne schafften des Ausbruch, immer größere Probleme mit dem Abtransport der Verwundeten, Briefe über bekannte Piloten ausgeflogen, Panzerfahrer mit guten Funkverbindungen, Reduzierung der Essensrationen von 50g Brot Mitte November auf nahe Null an Weihnachten, immer mehr Verwundete, Luftbrücke nicht leistungsfähig genug, Hitler, Göring, zu wenige Flugzeuge, Panzerarmee Hoth, 40km südlich des Kessels - Der geplante Ausbruch, mangelnde Kommunikation, fehlende Winterausrüstung, Mangel an Munition, Übergeben der Pistolen - Besuch von SS-Arzt Brand - von den Russen aus den Häusern vertrieben, vier Wochen frei laufen gelassen, Ungarn, Rumänen, Italiener, auf Toten geschlafen, Truppenzusammenhalt, gute Moral der Ungarn und Kroaten, ungarische Juden, Akademiker - Das Ende der Kesselschlacht, Januar 1943 totale Überforderung der Lazaretteinheit, Ende der Kampfmoral, keine Nachrichten mehr von außerhalb des Kessels, Ablehnung der Kapitulation, Paulus, Hitler, Hunger, Kanibalismus, Verwundete wurden zurückgelassen, Zerstörung des Flughafens, "Versorgungsbomben", Karton Kondome, Bücher "Mein Kampf", Großteil der Truppe durch Hunger und Kälte kampfunfähig, Brotabwürfe ins Niemandsland, Gebäude, Kirchen, Rotes Kreuz, keine Infektionskrankheiten, Übergabe an die Russen, Pistolen abgegeben, Cola-Dallmann, Wodka, am 03.02.1943 gefangen genommen worden - Gefangenschaft: am Anfang frei herumgelaufen, Essen bei den Toten gesucht, am 5. Tag verhaftet, russischer General verteilte Kaviar, Kosake steckte Brot zu, nach zwei Wochen Abmarsch der Gehfähigen an den Don, Pekitovka, viele starben, mit der Bahn nach Ilmenje gebracht, Erdhütten, deutsche Bomber, Oktober 1943 Verlegung nach Pekitovka - Lager Ilmenje: Ärger wegen der Versorgung, Diät für Kranke gefordert, Herd und Geschirr requiriert, Absinken der Sterbequote von 100 am Tag auf 8, Entlausungszug - Pekitovka: regelmäßige Essenstransporte, 12 Arbeitslager um Stalingrad, Wiederaufbau der Stadt, im Frühjahr tauchten die Leichen wieder unter dem Schnee auf, noch heute viele nicht beerdigt, Paradeplatz in Sewastopol gebaut - Die Arbeit in der Sanitätskompanie: die Situation am Flughafen, Versuche sich an Flugzeuge zu hängen, EInzelne schafften den Ausbruch nach Osten bis in die Türkei, Bevorzugung von Bauchverletzungen, Amputationen, wegen der Essensrationen viele zurück zur Truppe, Schädelverletzungen, Befehlsverweigerungen, Schreiben verboten, Briefe an die Frau, Funkkontakt mit Panzerverbänden außerhalb des Kessels, an Silvester noch Funkkontakt mit Deutschland, Verbände, Selbstmorde unter Offizieren, chaotische Verhältnisse, Behandlung aller Verwundeten egal welcher Nationalität, allerdings Vorrang für Deutsche, in der Gefangenschaft Selektion der Wolga-Deutschen durch die Russen.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
23.01.2001
Sprache:
deutsch