Zeitzeugen berichten

Tamara Wassiltschenko Zwangsarbeiterin

Themen

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg

Zwangsarbeit

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-0495.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Im hier gezeigten Ausschnitt erzählt Tamara Wassiltschenko, wie sie während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Soldaten verschleppt wurde.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Tamara Wassiltschenko (Ukraine), der Schwester von Ewgenija Michajlowna Grigorjewa, geführt am 11.10.1997, über den Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Ukraine, ihre Deportation nach Deutschland, die Zwangsarbeit in Linz und München, ihre Rückkehr in die Heimat und die psychischen Probleme bei der Verarbeitung des Erlebten.

Biogramm

Tamara Wassiltschenko wurde 1927 in Kujbyschewo im Gebiet Saporoshje geboren. Später wohnte sie in Slawinsk. Von hier wurde sie nach Österreich verschleppt. Sie landete zunächst von ihrer Familie getrennt in Zell bei Linz. Dort arbeitete auf dem Bauernhof bei einer fürsorglichen Familie ohne Kinder. Ein paar Monate später wurde sie in Linz von einer Deutschen abgeholt und nach München gebracht. Hier traf sie ihre Schwester wieder und musste zusammen mit ihr im Krankenhaus in Schwabing arbeiten. 1945 wurden sie von den Amerikanern befreit und gelangten wieder in die Ukraine, wo man ihnen mit Verachtung begegnete. Sie arbeitete nach dem Krieg zunächst als Krankenschwester, beendete ihre Schulausbildung an einer Abendschule und fand eine Anstellung in einer Fabrik, in der auch ihre Schwester arbeitete. Ihre Zeit als Zwangsarbeiterin in Deutschland hatte sie jahrzehntelang verschwiegen.

Inhalte

1927 in Kujbyschewo geboren – Kriegsausbruch – Einmarsch der Deutschen – Schicksal der Juden in Slawinsk – Verschleppung der Schwester – eigene Gefangennahme und Abtransport durch deutsche Soldaten – Kollaborateure – Ungewissheit beim Abtransport – Schicksal des Vaters und der Schwester, Stalingrad – Erwartungen – Bedingungen des Transports nach Österreich – Fluchtmöglichkeiten, Hoffnung auf Rückkehr – keine Verpflegung während der Fahrt – Bauern suchten sich Zwangsarbeiter aus – Arbeitstag auf dem Bauernhof – Unterkunft – Möglichkeit, Briefe zu schreiben – Wiedersehen mit der Schwester in München – Arbeit im Krankenhaus in München-Schwabing – Bombardierung Münchens – Überwachung und Einsperrung im Krankenhaus – Ereignisse im Krankenhaus gegen Kriegsende 1945 – Regeln im Krankenhaus – keine körperliche Bestrafung – kein Ausgang außerhalb des Krankenhausgeländes – Freundschaft unter den Zwangsarbeiterinnen – Ernährung – Kleidung – Freigang gegen Kriegsende Sonntagnachmittags – Verachtung seitens der Bevölkerung, Achtung seitens der Mitarbeiter – Informationen über den Kriegsverlauf – Befreiung durch schwarze Amerikaner, erster Kontakt zu einem Schwarzen – Selbstständigkeit unter den Amerikanern – Heimfahrt in überfülltem Zug – Rückkehr nach Mariupol, Heimat des Vaters – von den eigenen Landsleuten verachtet – Schweigen über die Zeit in Deutschland – Tötung eines Mädchens aus ihrer Straße durch die Deutschen – ein Deutscher hätte sie beinahe erschossen – Verachtung nach dem Krieg – Befragungen durch den KGB – bleibende psychische Probleme, Armut, Hunger – Diskriminierung anderer Zwangsarbeiter bei der Arbeitssuche nach dem Krieg – Anstellung in einer Fabrik – Einstellung zu den Deutschen während der Zwangsarbeit – München gegen Ende des Krieges – Eindrücke vom Krankenhausbesuch am Vortag des Interviews – Rente – Entschädigung – Rückkehr nach dem Krieg – Wiedersehen mit den Eltern.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:00 h
Aufnahmedatum:
11.10.1997
Sprache:
deutsch