Zeitzeugen berichten

Wirtschaft in Bayern Prof. Dr. Hermann Linde // Physiker, Unternehmer, Vorstandsmitglied (Linde AG)

Signatur: zz-0881
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Prof. Dr. Hermann Linde, geführt am 21.02.2001 in Pullach, über seine Kriegserlebnisse, seine Ausbildung als Physiker, seine Karriere und die Entwicklung der Linde AG.

Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Hermann Linde über die Bedeutung der Kältetechnik im Haushaltsbereich. 

Biogramm

12.11.1917 Geburt in München als vierter Sohn des Dr. Ing. Richard Linde und seiner Ehefrau Julie Linde, geb. Hingkeldey, 1924-1928 Volksschule Solln, 1928-1937 Gymnasiast am humanistischen Theresiengymnasium in München, 1937 Reichsarbeitsdienst in Bruchweiler bei Dahn (Rheinpfalz), 1937‑1941Wehrdienst in Freising, Landshut, Polen und Frankreich, Juni 1940 Verwundung in St. Valery sur Somme, anschließend Lazarettzeit in Köln und München. Entlassung aus der Wehrmacht als Oberleutnant der Res. (1941), 1941‑1945 Studium an der Technischen Hochschule München. Abschluss 1945 als Diplom‑Physiker, anschließend Promotionsarbeit zum Dr. rer. nat. an der Technischen Hochschule München (1948), 1949 Eintritt bei der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, Höllriegelskreuth, Tätigkeit als Verfahrenstechniker (ab ca. 1958 als Prokurist), 1961‑1976 Mitglied des Vorstands der Linde AG, ab 1973 Sprecher des Vorstands (Pension ab 1976), 1977‑1982 Lehrauftrag für "Großtechnische Prozesse bei tiefen Temperaturen", ab 1981 als Honorarprofessor. Am 31.8.2015 verstarb Prof. Dr. Hermann Linde.
GND: 1060150891

Inhalt

Porträt: Carl von Linde, geboren 1842 in Berndorf/Oberfranken, Jugend in Kempten, Sohn eines Pfarrers, Studium an der ETH Zürich, ohne Abschluss wegen Studentenunruhen, Borsig, Krauss-Maffei, Lehrauftrag an der TH München 1968, Entwicklung von Kältemaschinen, 1879 Lindes Eismaschinen in Wiesbaden gegründet, 1895 industrielle Herstellung flüssiger Luft, Wissenstransfer - Die Entwicklung des Unternehmens Linde AG, 1902 in Höllriegelskreuth Niederlassung B "Technische Gase" gegründet, dritter Zweig Flurförderfahrzeuge, ursprünglich Güldnermotoren und Ackerschlepper 1965 eingestellt, vier Säulen: Anlagenbau, Förderzeuge, Technische Gase, Kältetechnik, Weg von Haushaltskühlschränken hin zu Kühlmöbeln in Supermärkten, Stromkapazität verantwortlich für die Ansiedlung in Höllriegelskreuth, Bedeutung von Industriegasen, BASF, Düngemittelfabriken, billige Sauerstoffherstellung in den 1920er und 1930er Jahren, Kohlevergaser, künstliches Benzin, Leuna, Brüx, Auschwitz, 1944 amerikanische Luftangriffe auf Benzinproduktion, Sauerstoff als Raketentreibstoff, Peenemünde, Zerstörung des Werks in Höllriegelskreuth durch einen alliierten Luftangriff am 19. Juli 1944, französische Konkurrenz George Claude, Patentaustausch, Amerikaner nahmen als Sieger Patente und Pläne mit, in der Folge Konkurrenz aus den USA, 1906 Linde Airproducts Company, Zweigwerk in Schalchen bei Trostberg konnte nach 1945 weiterproduzieren, 1949 nach einigen Jahren als Hilfskraft an der TU, bei Linde in Höllriegelskreuth, Großsauerstoffanlagen für Holländische Staatsminen, Gelen, Stahlerzeugung Linz-Donauwitz-Verfahren, Erdöl, Raffinerien, Ammoniak-Fabriken, Ethylen-Anlagen, "Schedl"-Stätte bei Ingolstadt, Methanverflüssigung Technische Werke Stuttgart, Erdgastransport, Wasserstoff, Elektrolyse, Hochtemperatur-Supraleiter, Wirtschaftsminister Otto Schedl, Staatssekretär Carsten Rohwedder, Hermes-Kredit-Versicherung, Gewerkschaften, wenige Streiktage in Deutschland, Schedl-Anfrage wegen Pipeline aus Algerien, Erdgas - Die Geschäftsbeziehungen zum ehemaligen Ostblock, Russland Ethylenanlagen, Name Linde war attraktiv, Chemieminister Kostandow, ungarischer "Gulasch-Kommunismus", gute Beziehung zu Kostandow, Projekt Chemiefabrik, Hinweise, gute Erfahrungen im Ostgeschäft, Amerikaner nur preisorientiert - Die wirtschaftlichen Beziehungen mit Japan und China, 1961 Umstellung der japanischen Stahlproduktion auf Sauerstoffbasen, Bedarf an Anlagen, Yawata-Steelworks, Kyushu, Kopie von Sauerstoffanlagen, Patentgesetz, Lizenzverträge, Währungsreform - 1917 geboren, Theresien-Gymnasium bis 1937, Hausmusik, 1937 Arbeitsdienst, 1939 mit Kriegsausbruch Soldat, Kritische Einstellung des Vaters zu den Nationalsozialisten, Rundbriefe, Familiengeschichte im "Dritten Reich", in den 1920ern Mitglied eines Jugendbundes, der 1933/34 verboten wurde, Einmarsch in Österreich, Zuckmayer, 1938 Sudetenland, 1939 Polen, Frankreich, Verwundung bei Saint Valerie sur Somme, Artillerie-Verbindungsoffizier, verletzt durch Granatsplitter, Nervenlähmung, Studium bis Kriegsende, Doktorarbeit im Bereich der Technischen Physik, 1949 in Höllriegelskreuth eingetreten - Neubeginn 1945, Leitung des Anlagenbaus, Ingenieursstab - Forschung und Entwicklung, Herr Jakob Erfinder der Schneekanone, Schweres Wasser als Moderator in Kernkraftwerken, Hoechst, Nangal Indien, Leitung des Anlagenbaus - Ehrenamtliche Tätigkeiten, bis 1985 Vorstand des TÜV Bayern, Kerntechnik, VDI Verein deutscher Ingenieure, Vorsitz im Bezirksverein München, Ober- und Niederbayern, sechs Jahre im Präsidium in Düsseldorf, Geschichte des TÜV, Dampfkessel, Musikgemeinde Pullach, Stiftung für junge Streicher - Familientradition, mit 60 in den Ruhestand, Dozent an der TU München, Buch über Kältetechnik.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
21. Feb 2001
Sprache:
deutsch