Zeitzeugen berichten

Willy Brandt Politiker (SPD); 1969-1974 Bundeskanzler

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Themen

Widerstand gegen das NS-Regime

Signatur
tobre 186-187
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Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Heike Bretschneider)

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Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Willy Brandt vom 16.09.1991 über Julius Leber und sein Engagement als Widerstandsaktivist gegen das NS-Regime (nur Ton).

Biogramm

1913 als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren, wächst bei seinem Großvater, einem Arbeiter und SPD-Mitglied, auf. 1929 Aktive Mitarbeit in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Lübeck. 1930 Mitglied der SPD, enge Kontakte zu Julius Leber. 1931 Übertritt zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) und Vorsitzender des Lübecker Jugendverbandes der SAP. 1932 Abitur, Volontariat bei einer Lübecker Schiffsmaklerei. 1933 Flucht vor NS-Verfolgung nach Norwegen, Namensänderung in Willy Brandt. Geschichtsstudium in Oslo. Journalistische Tätigkeit und beteiligt an Exilarbeit der SAP. 1936 Übersiedlung nach Berlin, getarnt als norwegischer Student, Reorganisation der illegalen SAP in der Stadt. 1937 Berichterstatter auf Seiten der Republikaner über den Spanischen Bürgerkrieg. 1938 Ausbürgerung durch das NS-Regime. 1940 Flucht aus deutscher Kriegsgefangenschaft nach Stockholm, Tätigkeit als Journalist. 1941 Heirat mit Norwegerin Carlota Thorkildsen, Geburt der Tochter. 1942-1945 Engagement in der „Kleinen Internationale“ und Wiedereintritt in die SPD. 1944 Mitglied der „Landesgruppe Deutscher Sozialdemokraten“ in Schweden. 1945-1946 Korrespondent skandinavischer Zeitungen in Deutschland, Berichterstatterüber Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. 1947 Presseattaché der norwegischen Militärmission in Berlin. 1948 Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft unter Beibehaltung des Pseudonyms Brandt als amtlicher Name. Vertreter des SPD-Parteivorstandes in Berlin. Nach Scheidung Heirat mit Norwegerin Rut Hansen, drei Söhne (Peter, Lars, Mathias). 1949-1957 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1955-1957 Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. 1957-1966 Regierender Bürgermeister von Berlin. 1957/58 Vorsitzender des Bundesrats. 1958 Wahl zum Landesvorsitzenden der Berliner SPD und Mitglied des Bundesvorstands der SPD. 1961 SPD-Kanzlerkandidat gegen Konrad Adenauer. 1961-1963 „Politik der kleinen Schritte“ und „Wandel durch Annäherung“ als Grundlagen seiner späteren Neuen Ostpolitik veröffentlicht (mit Egon Bahr). 1964-1987 SPD-Bundesvorsitzender. 1965-1992 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1965 SPD-Kanzlerkandidat gegen Ludwig Erhard. 1966-1969 Außenminister und Vizekanzler unter BundeskanzlerKurt Georg Kiesinger (CDU). 1969-1974 Bundeskanzler einer sozialliberalen Koalition. 1970 Kniefall vor dem Ehrenmal des jüdischen Ghettos in Warschau 1971 Friedensnobelpreis. 1972 Konstruktives Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Brandt scheitert im Bundestag. SPD stärkste Kraft bei Bundestagswahlen. Brandt bleibt Kanzler. 06.05.1974 Rücktritt Brandts als Bundeskanzler nach der Agentenaffäre um den DDR-Spion Günter Guillaume. 1976-1992 Präsident der Sozialistischen Internationale (SI). 1979-1983 Mitglied des Europäischen Parlaments. 1980 Scheidung. 1983 heirat mit langjähriger Assistentin Brigitte Seebacher. 1987 Rücktritt als SPD-Bundesvorsitzender. Wahl zum Ehrenvorsitzenden der Partei. 1991 Auf Antrag Brandts spricht sich der Bundestag für Berlin als neuen Regierungssitz aus. 1992 Willy Brandt stirbt in Unkel bei Bonn.

GND: 11851444X

Inhalte

tobre Nr. 186: Willy Brandt hat als junger Genosse Julius Leber in Lübeck erlebt und schildert dessen kraftvolle und mutige Persönlichkeit. Er spricht über das Vertrauen, das Leber in der Lübecker Arbeiterschaft besaß, bewundert wurde auch Lebers persönlicher Mut bei den Saalschlachten mit den Nationalsozialisten. Der erfahrene Redakteur Leber gab dem jungen Journalisten Brandt hilfreiche Ratschläge. Willy Brandt gehörte Anfang der Dreißiger Jahre zum linken Flügel der SPD, der von der Partei ausgeschlossen wurde und 1932 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) gründete. Obwohl Leber in der SPD damals dem „rechten Flügel“ angehörte sagt Brandt im Gespräch: „In Wirklichkeit war man vom aktivistischen, kämpferischen Impuls her näher beieinander als es damals den Anschein hatte.“ Ausführungen Willy Brandts zu Lebers Schrift die „Todesursachen der deutschen Sozialdemokratie“. tobre Nr.187: Theodor Stelzer hatte als Chef der Transportagentur Oslo Kontakte zum norwegischen und schwedischen Widerstand. Er traf Willy Brandt 1943 in Schweden und berichtete ihm, dass Julius Leber beim Kreisauer Kreis mitarbeiten würde. Drei Wochen vor dem Attentat des 20. Juli 1944 traf Adam von Trott Willy Brandt in Schweden. Dieser informierte ihn über den geplanten Staatsstreich und über einen möglichen Friedensschluss mit den Alliierten. Trott bestellte Grüße von Leber und sprach über dessen politische Vorstellungen. Leber wollte nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ nicht zum alten Parteisystem zurückzukehren und hielt eine künftige einheitliche Gewerkschaftsbewegung für notwendig. Willy Brandt spricht über politische Prinzipien, wie z.B. den Europa-Gedanken, die ihn mit Leber verbanden.

Daten

Art:
Thematisches Interview (nur Ton)
Dauer:
ca. 1:00 h
Aufnahmedatum:
16.09.1991
Sprache:
deutsch