Zeitzeugen berichten

Prof. Dr. h.c. Horst Teltschik 1983-1991 Vize-Kanzleramtschef, 1999-2008 Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz

Themen

Flucht und Vertreibung

Zeiträume

Nachkriegszeit (1945 - 1949)

Signatur
zz-1427.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Horst Teltschik über die Schwierigkeiten, mit denen seine Familie bei der Integration als "Flüchtlinge" im Tegernseer Tal zu kämpfen hatte.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Prof. Dr. h.c. Horst Teltschik, aufgenommen am 28.09.2011 in München, über seine Kindheit und Jugend als "Flüchtling" im Tegernseer Tal, seine Sicht auf die "68er" während des Studiums, seinen Weg in die Politik, die deutsche Wiedervereinigung 1989/90 aus der Perspektive des Vizekanzleramtschefs unter Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Aufgabe als Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.

Biogramm

Horst Teltschik wurde 1940 in Klantendorf im Sudetenland geboren. Am Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete Teltschiks Familie nach Bayern, wo sein Vater in Tegernsee eine Stellung als Arbeiter fand. Horst Teltschik, der sich aktiv in der katholischen Jugendbewegung betätigte, besuchte das Gymnasium in Tegernsee. Nach seinem Abitur 1960 und seinem Wehrdienst studierte er an der Freien Universität Berlin von 1962 bis 1967 Politikwissenschaft, Neuere Geschichte sowie Völkerrecht. Während seines Studiums war er RCDS-Vorsitzender an der FU Berlin und später Landesvorsitzender des RCDS in Berlin. Horst Teltschik wandte sich nach einer kurzen akademischen Karriere als Hochschulassistent am Otto-Suhr-Institut bei Richard Löwenthal (1968-1970) hauptberuflich der Politik zu. 1970 war er Leiter der Abteilung für Deutschlandpolitik der CDU-Bundesgeschäftsstelle in Bonn. 1972 gewann ihn der damalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Helmut Kohl, als Referent für die Staatskanzlei in Mainz. Seitdem zählte Teltschik zum engsten Beraterkreis von Kohl. 1977 wurde er Leiter des Büros des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und dann schließlich ab 1983 Vize-Kanzleramtschef. Er war maßgeblich an den deutsch-deutschen Verhandlungen während des deutschen Einigungsprozesses 1989/90 beteiligt. Von 1991 bis 1992 war er Geschäftsführer der Bertelsmann Stiftung und von 1993 bis 2000 Vorstandsmitglied der BMW AG für das Ressort Wirtschaft und Politik. Von 1993 bis Ende 2003 amtierte er als Vorsitzender der firmeneigenen Herbert Quandt Stiftung. 2003 bis 2006 hatte er die Aufgabe eines „President Boeing Deutschland“ bei dem amerikanischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern übernommen und war bei BMW im Bereich Marketing tätig. Mitte 2003 wurde ihm eine Honorarprofessur an der neuen Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München übertragen. Prof. Horst Teltschik leitete von 1999 bis 2008 die Münchener Sicherheitskonferenz.
GND: 119025574

Inhalte

Geboren 1940 im Sudetenland – Flucht aus der Heimat an den Tegernsee 1945 – zwangsweise Einquartierung bei Einheimischen – Besuch der Volksschule und des Gymnasiums – Schwierigkeiten bei der Bildung, z.B. durch fehlende Bücher - Schwierigkeiten der Integration und Akzeptanz durch Einheimische – Identität als Flüchtling – gute Anpassung, auch im Dialekt – Wehrdienst, dabei Auseinandersetzung mit „Drittem Reich“ – Studium der Politikwissenschaft bei Richard Löwenthal – Widerstand gegen radikale Studentenbewegung 1968 – intensive Beschäftigung mit „linken Gedanken“ – Beginn einer Doktorarbeit, dann aber Übernahme von politischen Aufgaben im Bereich der Außen-, Sicherheits- und Deutschlandpolitik für die CDU – als außenpolitischer Experte in Rheinland-Pfalz erstmals Zusammenarbeit mit Helmut Kohl 1972 – Redenschreiber für Kohl – 1976 Büroleiter von Helmut Kohl in Bonn – Vertrauensperson für jüngere CDU-Bundestagsabgeordnete – Abteilungsleiter Außenpolitik im Kanzleramt unter Bundeskanzler Helmut Kohl – Vorbereitung der ersten Regierungserklärung Kohls – Konflikte mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Kompetenzstreitigkeiten mit dem Auswärtigen Amt – Verhältnis Helmut Kohls zum Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß (CSU) – Konflikt über Trennungsbeschluss der CSU 1976 – persönliche Angriffe von Strauß gegen Kohl – permanentes Konkurrenzverhältnis – Strauß setzte sich als Kanzlerkandidat 1980 durch – Außenpolitik auf der Höhe des Kalten Krieges – Bedrohung durch sowjetische Raketen – Nato-Doppelbeschluss 1979 – Wiederaufnahme der Gespräche – Bürgerrechtsbewegung in Polen, Grenzöffnung in Ungarn 1989 – Entspannungspolitik Michail Gorbatschows – Erleben des Mauerfalls 1989 – Emotionale Momente im Angesicht des Mauerfalls – Der Weg vom Mauerfall zur Wiedervereinigung 1989/90 – auch Sowjetunion wollte Chaos verhindern – Zehn-Punkte-Programm Kohls als Bekenntnis zur Wiedervereinigung – Kontakt zu Staatschefs der Siegermächte – freundschaftliche Haltung Francois Mitterands – Menschen in der DDR als treibende Kraft – Gorbatschow stimmte einer Vereinigung bei einem persönlichen Treffen in Moskau zu – deutsche Wirtschaftshilfen für Sowjetunion, um Gorbatschow zu stützen – Wirtschafts- und Währungsunion am 01.07.1990 – DDR-Regierung unter Lothar de Maizière – Umtauschkurs – Zustand der Unternehmen in der DDR – Verhältnis Kohl-Gorbatschow – Persönliches Vertrauen – Zusammenarbeit mit Helmut Kohl – „Blühende Landschaften“ – Tätigkeiten in der Wirtschaft, z.B. bei BMW als Vorstand für die Märkte in Asien und Osteuropa – Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz von 1999 bis 2008 – Bedeutung der Sicherheitskonferenz – Auseinandersetzung mit den Gegnern der Konferenz – Bayern als Heimat.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
2:30 h
Aufnahmedatum:
28.09.2011
Sprache:
deutsch