Zeitzeugen berichten

Prof. Dr. Karl Bosl Historiker; Universitätsprofessor

Themen

Studentenproteste 1968

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-0419.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg [WRNE]
Jahr
1968

Im hier gezeigten Ausschnitt schildert Prof. Dr. Karl Bosl seine Eindrücke von und seinen Umgang mit den Studentenunruhen 1968. Radikale Studenten durften in seinen Vorlesungen reden, wenn sie auch seine Meinung anhörten.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Prof. Dr. Karl Bosl, aufgenommen in München am 11.07.1990, über seine akademische Karriere.

Biogramm

Karl Bosl wurde 1908 in Cham geboren. Er studierte in München Geschichte, Germanistik, Klassische Sprachen und Mittellateinische Philologie. Ab 1932 war er zunächst im Schuldienst tätig. Nach der „Machtergreifung“ (Machtübernahme durch die Nationalsozialisten) trat Bosl im Mai 1933 in die NSDAP ein und war Mitglied des NS-Lehrerbunds. 1938 promovierte er in München. Während seiner Tätigkeit als Studienrat in Ansbach habilitierte sich Bosl 1944 an der Universität München. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war er Privatdozent in München und als Beauftragter des Kultusministeriums am Wiederaufbau des bayerischen Schulwesens beteiligt. Er war 1949 Mitbegründer des Bayerischen Philologenverbands und bis 1954 dessen 1. Vorsitzender. 1953 wurde er als Lehrstuhlinhaber für mittlere und neuere Geschichte an die Universität Würzburg berufen. Als Nachfolger von Max Spindler übernahm Bosl von 1960 bis 1977 am Institut für Bayerische Geschichte an der Universität München den Lehrstuhl für Bayerische Geschichte. Karl Bosl starb 1993 in München.

GND: 118662090

Inhalte

Geboren 1908 in Cham, Bedeutung der Herkunft aus der Oberpfalz, Elternhaus: Vater: städtischer Musikdirektor, "Bosl-Musi", Großeltern Bauern, Umbruch 1918, Vater auch beim Militär als Musiker, Prinzregentenzeit, Lehrer in der Volksschule: Pater Angelus Sturm, Gymnasium Kloster Metten, politisch aktiv bei den Reichspräsidentenwahlen 1925 für Wilhelm Marx, Studium in München 1927-1931: Breit angelegt: Geschichte, Germanistik, Philosophie, klassische Sprachen, berühmte Lehrer: Doeberl, Onken, Max Weber, Volkskonservative Partei, ASTA, politische Ausrichtung der Studentenschaft, Referendariat am Maximilians-Gymnasium, erst 1941 verbeamtet, "Wanderjahre" als Gymnasialassessor: Dillingen, Neuburg/Donau, Weiden, Cham, Windsheim, Ansbach, Doktorarbeit bei Karl Alexander von Müller, 1938 promoviert, dann Habilitation, 1937-1945: Lehrer am Gymnasium in Ansbach, Robert Limpert, Flugblätter verteilt gegen die NS-Diktatur, 1944 habilitiert, erst nach dem Krieg Privatdozent geworden, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands nach dem Krieg, Einsatz für den Erhalt des Gymnasiums, nach 1945 in München: Gymnasiallehrer am Maximiliansgymnasium, Rektor Andreas Schwerdt, Philologenverband, Schulreform, Ausrichtung von Volksschule und Gymnasium, Änderung der Inhalte, Ausrichtung auf die Gesellschaft, Schulbücher geschrieben, akademische Ausbildung der Volksschullehrer, Kultusminister Alois Hundhammer (CSU), Angebot des Amts des Kultusministers durch Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) 1954 abgelehnt, Fortbestand des Gymnasiums, Viererkoalition, Akademische Karriere: Stipendiat am Campo Santo Teutonico in Rom, Geschichtsverständnis und Publikationen: Wechsel von der Politik- und Personengeschichte zur Struktur- und Gesellschaftsgeschichte, "Die mittelalterlichen Grundlagen der modernen deutschen Gesellschaft", "Der Aufbruch Europas - Europa vom 10. bis zum 14. Jahrhundert", Beitrag zum "Gebhardt´schen Handbuch", 1960 Ordinarius am Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte, Collegium Carolinum, Historie zwischen Empirie und Theorie, Studentenunruhen 1968, gutes Verhältnis zu den Studenten, Universitätsreform, 1977 Emeritus, Auszeichnungen, Carl-Schurz-Professur, Vorlesungsreisen in Japan, Amerika, Europa, Einfluss der Vertriebenenverbände, Politiker, Bayerischer Rundfunk, Mitglied im Rundfunkrat seit 1971, Selbstverständnis Karl Bosl: freies Wissen und Gewissen, Ausgeglichenheit und Offenheit.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
01:51 h
Aufnahmedatum:
11.07.1990
Sprache:
deutsch