Zeitzeugen berichten

Migration Lydia Pasternak // Altenpflegerin; aus Russland stammende Bundesbürgerin

Signatur: zz-1984.06
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Lydia Pasternak, aufgenommen am 11.10.2019 in München, über ihre Kindheit als Tochter einer russlanddeutschen Familie, die Vertreibung ihrer Familie aus der Nähe des Schwarzen Meers während des Zweiten Weltkriegs, die Deportation vieler Russlanddeutscher nach Sibirien, die dortigen Lebensumstände, ihre Entscheidung mit ihrer Familie nach Deutschland auszusiedeln, den Ablauf der Umsiedlung, ihren Neuanfang in Bayern, ihr Engagement für andere Migranten sowie über die Bedeutung der Familie für eine gelungene Integration.  

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Lydia Pasternak über ihre Taufe in Schwabach und die gelungene Integration über die Kirche.

Biogramm

Lydia Pasternak wurde 1942 in der Ukraine geboren und lebte in der deutschen Kolonie Kandel in der Nähe des Schwarzen Meers. 1945 floh sie mit den Eltern nach Ost-Deutschland und wurde im gleichen Jahr von sowjetischen Truppen wieder nach Südsibirien deportiert, wo der Vater verhungerte. Nach Stalins Tod 1953 arbeitete Lydia Pasternak in Russland zuerst als Kranführerin und später als Deutschlehrerin. Ihre Mutter stellte viele Ausreiseanträge, schließlich konnte Lydia Pasternak 1994 nach Deutschland aussiedeln und vorübergehend in einem Übergangswohnheim in Schwabach unterkommen. Ihr Ehemann kam 1995 nach, ist aber bereits im gleichen Jahr verstorben. Sie erhielt eine Umschulung zur Altenpflegerin, arbeitete in diesem Beruf zehn Jahre und gab Sprachunterricht für Landsleute im „Haus der Heimat“ in Nürnberg. Das Haus der Heimat dient der Pflege von Kultur, Tradition und Brauchtum der Landsmannschaften aus dem ehemaligen Osten Deutschlands sowie aus den Siedlungsgebieten Deutscher in Mittel- und Osteuropa.
GND:

Inhalt

Geboren 1942 – Kindheit in der deutschen Kolonie Kandel in der Nähe des Schwarezn Meers ("Schwarzmeerdeutsche") – Flucht der Familie nach Westen 1944 – Ankunft in Halle a.d.Saale – Rücktransport der Russlanddeutschen nach Sibirien durch sowjetische Streitkräfte 1945 – Tod des Vaters – Schulausbildung  in einem Dorf bei Tscheljabinsk – Umzug nach Tscheljabinsk 1961 – Ausbildung zur Kranführerin – Fernstudium für das Lehramt – Umzug der Mutter nach Taschkent – Tätigkeit als Deutschlehrerin – Situation der deutschen Minderheit in Sibirien nach 1945 – Politisches und kulturelles Leben der Russlanddeutschen in Tscheljabinsk – Liberalisierungstendenzen während der 1980er-Jahre – Erstmaliger Antrag auf Ausreise 1956 – Wunsch in die Bundesrepublik auszusiedeln – Ziele der Gesellschaft Wiedergeburt – Bild von Deutschland vor der Umsiedlung – Ausreise 1994 – Attraktivität Bayerns – Ablauf des Aufnahmeverfahrens in Deutschland – Ablauf der Umsiedlung – Unterbringung in einem Übergangswohnheim in Schwabach – Lebensumstände innerhalb des Wohnheims – Anfängliche Enttäuschung über die Situation in Deutschland – Verweigerte Anerkennung der Diplome für das Lehramt – Umschulung zur Altenpflegerin beim Bayerischen Roten Kreuz – Bezug einer eigenen Wohnung – Vorurteile gegenüber den Russlanddeutschen – Berufliche Entwicklung der Kinder und Enkelkinder – Integration der Kinder – Selbst- und Fremdwahrnehmung – Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung in die neuen Lebensumstände – Bedeutung des Familienlebens – Beschreibung der Familie – Stärke des Familienzusammenhalts – Lebensweg der Kinder – Sehnsucht nach der alten Heimat – Kultureller Austausch unter den Russlanddeutschen – Ehrenamtliches Engagement im Haus der Heimat – Angebot von Sprachkursen für Russlanddeutsche – Bereitschaft der russischstämmigen Migranten Deutsch zu lernen – Tendenzen der Milieubildung unter den Russlanddeutschen – Beschreibung der Tätigkeit beim Roten Kreuz – Verhältnis zu den Pflegebedürftigen – Integrationsförderndes Potenzial der Arbeit – Wahrnehmung der bayerischen Mentalität – Persönliche Bedeutung der Religion – Politisches Engagement bei der Union der Vertriebenen und in der CSU – Teilnahme an den Veranstaltungen der Landsmannschaft – Mangelndes Wissen der Deutschen um das Schicksal der vertriebenen deutschen Aussiedler – Verwurzelung in der neuen Heimat – Interesse der Kinder an ihrer Geschichte.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1 h
Aufnahmedatum:
11. Okt 2019
Sprache:
deutsch