Zeitzeugen berichten

Hugo Höllenreiner KZ-Überlebender

Themen

Kriegsende 1945

Verfolgung der Sinti und Roma

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-1460.03
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1945

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Hugo Höllenreiner über die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen durch britische Soldaten 1945.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Hugo Höllenreiner, aufgenommen am 20.05.2012 in Ingolstadt über seine Jugend- und Schulzeit, die Deportation ins KZ Auschwitz, den Krankenbau des Lagerarztes Dr. Josef Mengele, die Befreiung des Lagers und seinen Kampf um Anerkennung als Sinto in der Bundesrepublik.

Biogramm

Hugo Höllenreiner wurde 1933 als Sohn eines Pferdehändlers und Fuhrunternehmers in München-Giesing in eine Sinti-Familie geboren. Er erlebte seine Jugend mit seinen vier Geschwistern in München und Lenggries. Nach der Entlassung seines Vaters 1941 aus der Wehrmacht wurde die Familie 1943 über das Münchner Polizeipräsidium an der Ettstraße ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Die Familie musste die Grausamkeiten des Lagerlebens über sich ergehen lassen, so versuchte etwa der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele, Hugo Höllenreiner zu sterilisieren, was ihm jedoch nicht gelang. Mit dem Vorrücken der Ostfront nach Westen wurde die Familie zuerst ins KZ Ravensbrück, dann nach Mauthausen und schließlich ins KZ Bergen-Belsen deportiert. Dort erlebte Hugo Höllenreiner die Befreiung. Wie durch ein Wunder überlebte Höllenreiners Familie den Holocaust, 36 Verwandte wurden jedoch ermordet. Nach der Rückkehr nach München gelang es der Familie, ihr Haus wieder zu beziehen. Hugo Höllenreiner sorgte mit für ihren Unterhalt, indem er Bürsten verkaufte. Später gründete er eine eigene Familie und zog nach Ingolstadt. Über die Erlebnisse in Auschwitz schwieg er lange. Erst 1993 äußerte er sich erstmals öffentlich. In der Folge kämpfte Hugo Höllenreiner unablässig für die Rechte der Sinti und Roma und gab als Zeitzeuge in unzähligen Gesprächsrunden Auskunft über die Grauen des Holocaust. 2013 wurde Höllenreiner mit dem Austrian Memorial Holocaust Award geehrt, 2014 erhielt der die Medaille "München leuchtet". Hugo Höllenreiner litt bis zu seinem Tod 2015 an den Folgen der KZ-Haft.

GND: 130499269

Inhalte

Normale Jugend – Vater war Pilot beim Militär – Stallungen mit bis zu 12 Pferden – fünf Geschwister – Entlassung des Vaters aus dem Militär – Zigeunerzentrale in München – Umzug nach Lenggries, dann wieder nach München – Diskriminierung und Ausgrenzung durch Freunde – Diskriminierung durch Lehrer, Schläge – Deportation nach Auschwitz – Versammlung mit anderen Sinti – Transport in Viehwaggons – Überfüllung – sehr schlechte Bedingungen auf der Fahrt – keine Toilette, keine Pausen – Ankunft in Auschwitz – Erschießungen – Tätowierung der Lagernummer – Vater war im Außenkommando – brutale Blockführer – Vater wurde zusammengeschlagen – schlechte Ernährung – Läuse – Vergasungen – keine Ärzte – ständige Angst – Erschießung eines Freundes – Arbeit an der „Rampe“ – Krankenbau vom Lagerarzt Dr. Josef Mengele – Misshandlungen durch Mengele – Halt durch die Familie – „Sinti-Kapelle“ – Selbstmorde – Meldung des Vaters zum Fronteinsatz – Transport ins KZ Ravensbrück, dann nach Mauthausen – Ankunft im KZ Bergen-Belsen – unbeerdigte Leichen – ständiger Hunger, Kälte – Hoffnung durch Gerüchte über baldige Befreiung – Befreiung des Lagers durch englische Soldaten – Rückkehr nach München – drei Wochen Fußmarsch – Treffen mit einem Cousin – altes Haus war besetzt – gleichgültige Behörden – Wohnen im Stall – Rückkehr des Vaters – verjagte die Bewohner ihres Hauses – Schule – Feldarbeit – Verkauf von Bürsten – Vater arbeitete als Umzugshelfer – auch nach dem Krieg Vorurteile gegen Sinti und Roma – Diskriminierung in der Schule – Respekt durch Prügeleien – geringe Entschädigung – Kauf eines Hauses – Aufbau eines Gemischtwarenhandels – Vater als Pferdehändler tätig – psychische Folgen – Schwierigkeiten beim Erzählen seiner Geschichte – Abnehmen der Vorurteile – Integration der Kinder in die Gesellschaft – bleibende Schäden beim Bruder – Tod vieler Familienangehöriger – kaum Gespräche mit den Eltern über die Geschichte – Sterilisation der übrigen Familie im KZ – große Transporte nach Auschwitz – Grausamkeiten durch SS-Leute – Frauen in den Konzentrationslagern – Informationen über den Krieg im KZ – der Begriff „Zigeuner“ – eigene Sprache, Romanes – Botschaft an die junge Generation – Bild von Bayern – bayerische Mentalität – Klischees von Bayern.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
20.05.2012
Sprache:
deutsch