Zeitzeugen berichten

Leo Weil KZ-Überlebender, Ingenieur

Themen

Jüdisches Leben

Signatur
zz-0186
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg [WRNE]

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Leo Weil von der ersten Razzia im jüdischen Viertel von Amsterdam, in deren Folge junge Bewohner verhaftet und ins Konzentrationslager verschleppt wurden.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Leo Weil, aufgenommen am 28.07.1995 in München.

Biogramm

Leo Weil wird 1922 in Augsburg / Pfersee geboren und besucht dort die Volksschule und später die städtische höhere Handelsschule. Als Jude wurde seiner Mutter nahegelegt, dass er dort nicht weiter lernen könne, weshalb sie 1936 zu ihrem Onkel in Amsterdam reisen. Dort bleibt er, während seine Familie weiterhin in Augsburg lebt. In Amsterdam absolviert er bis 1941 ein Studium an der Ingenieursschule. Ein Vorstellungstermin bei der Firma Phillips wird ihm aufgrund der Rassengesetze verwehrt. Er knüpft erste Verbindungen zum Widerstand. Er beginnt Ausweise zu stehlen und diese für Juden zu fälschen. Später perfektioniert er dies und gelangt sogar an leere Ausweisdokumente. Diese Tätigkeit bringt ihm die erste von insgesamt vier Verhaftungen ein. 1943 geht er nach Frankreich um die V2 Baustellen im Norden zu sabotieren. Über den Arbeitseinsatz auf der Baustelle gelingt es ihm an Papiere und Stempel zu gelangen, mit denen er fast 100 Menschen die Flucht aus Holland ermöglicht. Er arbeitet mit einer französischen Widerstandsgruppe zusammen, mit der er eine Bank in Paris überfällt und mehrere Leute, die Juden verraten haben, tötet. Die Gruppe wird durch einen Spion verraten. Er wird verhaftet und nach Buchenwald gebracht, wo er im Außenkommando unter anderem in den Gustlow-Werken arbeiten muss. Mit dem Näherrücken der Amerikaner wird Buchenwald von den Deutschen evakuiert. Leo Weil wird nach Theresienstadt verbracht, wo er beinahe an Flecktyphus und Hunger stirbt. Kurz darauf wird Theresienstadt von den Russen befreit und Weil gelangt wieder nach Holland, wo er als Elektriker arbeitet. Über seine eigene Installationsfirma kommt er nach Brasilien, dessen Staatsbürgerschaft er 1956 annimmt. Hier heiratet er seine erste Frau, die kurz nach der Geburt der zwei Kinder an Krebs stirbt.

Inhalte

Beginn der Besetzung Hollands 1940 – Abbruch der Flucht nach England aus Angst vor deutschen Fliegern – erfolgreicher Abschluss des Studium 1941 zurück in Amsterdam – Vorstellungstermin bei Philips in Eindhoven / Absage wegen Rassengesetzen – illegaler Broterwerb als Elektriker / Installation von Verdunklungen – Verbindung mit Widerstandskreisen Sommer 1941 – Razzia im jüdischen Viertel / junge Juden nach Mauthausen – 1942 Meldepflicht für Juden – Organisation jüdischer junger Leute: Ost-Einte dem Kommunismus nahe / Manfred und Marga Grünberg / Max Silver – Adressen zum Untertauchen / Stehlen von Ausweisen / Details zur Ausweisfälschung – Details zur Widerstandsgruppe – Blanko Ausweise vom Befolgungsregister / Einwohnermeldeamt – oberflächliche Ausweiskontrollen der grünen Polizei – professionelles Drucken / Verhaftung durch Gestapo in der Druckerei / erfolglose Flucht aus Polizeirevier – Gestapo-Zentrum Euterpiestraaties 7 / Gefängnis Amselfeldischer Weg / Auffanglager Westerbork – Flucht aus Westerbork / mit Transportzug zurück nach Amsterdam – erneute Verhaftung bei Razzia / Flucht vom Lastwagen – wieder Verhaftung durch Verrat / Euterpiestraße / Massenunterkunft Gymnastiksaal einer Schule – erneute Flucht – zu Freunden in Valeriusstraße – über Belgien nach Frankreich / Amiens / Abbeville / Domlegers od. Domlechai – A. Krötzinger aus Trier – 1943/44 Arbeitseinsatz an V1 / V2 Baustellen zur Sabotage – Schreiben an Kommando Nord-Frankreich in Brüssel / Offizier Lenz / Stehlen von Papieren und Stempeln – Transport von 80 bis 100 Menschen aus Holland nach Abbeville – von Abbeville Flucht einiger Arbeiter nach Frankreich und Spanien / später Transport direkt nach Paris mit gefälschten Papieren - Wiringer Mer / Harscharah – Details zur Fluchthilfe / insgesamt vier Transporte – Kontakt zum französischen Widerstand – erster Auftrag Banküberfall in Paris – nächste Aufträge Liquidierung mehrerer Verräter – Verrat der Gruppe durch einen Spion – Verhaftung von Charel Lazarus – Organisation Todt / Atlantikwall – Verhaftung / Rue de la Pomp – Folter / Tod von Mitkämpfer Chacó – Sicherheitsdienst Kommandant Brunner – Gefängnis Fremme in Paris – Hauptstelle der Gestapo in Paris / Brunner / Verhör mit Schlägen / Gestapo wusste Bescheid / Verräter Kapoll – Erschießungsbefehl Juli 1944 / Evakuierung des Gefängnisses am 17./18. Juli oder August 1944 – Abtransport mit Zug / bombardierte Strecke / Buchenwald – Außenkommando Waggonreparatur in Jena – Kartoffeln von einem Deutschen – Fluchtversuch wird entdeckt – Außenkommando Gustlow-Werke – Produktion von Messern zum Eigenbedarf / Tausch gegen Brot – bewaffnete Widerstandsgruppe in Buchenwald – Bombardierung der Gustlow-Werke – Evakuierung Buchenwald / Abtransport mit Zug / Ernährung während der Fahrt – Ankunft in Theresienstadt / Tschechoslowakei – Fluchtversuch auf der Zugfahrt – Verrat durch Bauern / Wiedereingliederung in den Transport – Flecktyphus / Läuse / Krankenlazarett bei Ankunft in Theresienstadt – Pflege durch russische Schwestern – Pilsen – mit dem Flugzeug nach Eindhoven / Holland – Erhängung von SS Leuten durch die Russen – einige Zeit in Holland dann Frankreich – Einbürgerung in Holland scheitert an Bürokratie / Armee und Einbürgerung in Frankreich wollte er nicht – zurück nach Holland – Wohnung mit Manfred Grünberg und dessen Mutter – Gründung einer Installationsfirma mit einem Holländer später eigenständig – Export zu Firma Husquarna in Schweden – Auto 1946 – Angst wegen Koreakrieg 1949 – mit Makkabiade 1950 nach Tel Aviv – 1951 nach Brasilien / Auswanderung – 1956 brasilianische Staatsbürgerschaft – Heirat einer Brasilianerin / zwei Kinder / zweite Frau Carmen – Augsburger Familie / Jugend / Ausbildung – 1938 Schwester mit Kindertransport in Vorbereitungslager Harscharah – Vater ins Auffanglager Amsterdam – Aufhäuser aus Ichenhausen – Vater und Schwester arbeiten beim Judenrat / vermeintliche Sicherheit durch Sperrstempel – Vater und Schwester sterben in Auschwitz – Großmutter stirbt in Theresienstadt – restliche Verwandtschaft / Überlebende – Widerstand aus Freiheitstrieb – Diebstahl von Pistolen und Lebensmittelmarken von der Wehrmacht für den Widerstand.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
28.07.1995
Sprache:
deutsch