Zeitzeugen berichten

Joseph R. Hausner KZ-Überlebender

Themen

Judenverfolgung

Jüdisches Leben

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-0898
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1938

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Joseph Hauser vom Anstieg des Antisemitismus in Ungarn (1936-1938). Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich nahm der Judenhass zu. Die nazistisch orientierten Parteien gewannen an Einfluss.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Joseph Hausner, geführt am 08.06.1999, im Rahmen des Projekts Überlebende des KZ Dachau, über seine Kindheit und Jugend in Ungarn, den wachsenden Antisemitismus, seine Deportation 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz, die Überstellung ins Außenlager Kaufering des KZ Dachau, den Lageralltag, die Befreiung durch US-Truppen 1945, den Aufenthalt im DP-Lager Kempten und seine Emigration nach Chile

Biogramm

Joseph Hausner wurde 1926 in Ungarn als Sohn jüdischer Eltern geboren. 1944 machte er in Pecs Abitur. Wenig später wurde er ins Lager Barcs deportiert, später ins KZ Auschwitz. Nach Überstellung ins Außenlager Kaufering des KZ Dachau war er in verschiedenen Arbeitskommandos eingesetzt. Joseph Hausner überlebte den Krieg und wanderte nach einem vorübergehenden Aufenthalt im DP-Lager Kempten 1947 nach Chile aus, wo er nach drei Jahren als Automechaniker bei einer Unternehmensberatung tätig wurde.

Inhalte

Jugendzeit in Ungarn: am 12.12.1926 in Nagyatad geboren, Vater Arthur Hausner, Schuhmacher, jüdische Familie, Ansiedlung nach den Türkenkriegen, Maria Theresia, Königlich ungarische israelitische Volksschule, Realgymnasium in Pecs (Fünfkirchen) 1936-1944, Anwachsen des Antisemitismus in Ungarn, latenter Antisemitismus in der Verwaltung, ab 1939/40 Zwangsarbeit statt Wehrdienst für Juden, Abitur am 26.4.1944 in Pecs, vermeintliches Telegramm der Stiefmutter von der Gendarmerie, in Nagyatad verhaftet, in Ziegelöfen eingesperrt - Deportation nach Barcs, Internierungslager, Säle mit Strohsäcken, an die 2.000 Menschen, drei bis vier Wochen dort bis zum 27.5.1944, Versuch der ungarischen Armee, möglichst viele Juden mit Hilfe der Wehrpflicht vor ihrem Schicksal zu bewahren - Deportation ins KZ Auschwitz, Zug über Nagyastad, Ödenburg, Wien, Mährisch-Ostrau (Morawska-Ostrawa), dort Verschiebebahnhof, umgeladen, Selektion durch zwei SS-Männer, Lagerarzt Josef Mengele, Ausziehen, Brausebad, Haare geschoren, Quarantänelager, Baracken total überfüllt, Morgenapppell, Tote der Nacht, Kapo erschlug Epileptiker, Schornsteine, 17./18. Juni 1944 Laib Brot, Güterwaggon, über Oberschlesien, Gleiwitz, Kattowitz, durch Tschechien nach Wien, Bewachung durch Wehrmachtssoldaten, Luftangriff auf Wien, über Linz nach Salzburg, Verschiebebahnhof bei München, Zug geteilt, kleiner Bahnhof, 1km Fußmarsch - Ankunft in Kaufering, kleines Lager, "gute" Bedingungen, zweistöckige Armeebetten, Registrierung mit Vergabe der Häftlingsnummer - Arbeitseinsatz in Kaufering, Nachtschicht im "Moll-Kommando", Leonhard Moll AG, Karl Stöhr AG, Rudolf/Philipp Holzmann, Bau einer Montagehalle für Me 262, Schleppen von Zementsäcken, Organisation Todt, 12 Stunden-Schicht, Fliegerangriffe, Lagerarbeiten, Hilfsarbeiten, in Nagel getreten, andere Arbeit: Kippe, Vorarbeiter ein Sadist, beim Äste schneiden von SS-Mann verprügelt, in Landsberg Luftschutzbunker gebaut, gute Arbeit, Blutvergiftung, Moslem ("Muselmann"), Krankenlager, Lagerältester Viktor, Eingliederung in Krankentransport, Lagerschreiber Dr. Josef Weiss strich Hausners Nummer von der Liste, Rettung vor dem Vernichtungstransport - Verletzung beim Arbeitseinsatz am 17.11.1944, Fuß von Lore überfahren, Lazarett, Überführung nach Hurlach - Aufenthalt im Krankenlager Hurlach, dort 5 Monate, viele Typhuskranke, Erdbunker, Ärzte, Läuse, Fleckfieber (Typhus), abgemagert, Taubheit, Gesang als Zeitvertreib, Vorträge, Informationen über Kriegsverlauf - Arbeit als Kartoffelschäler, nicht mehr gehungert, Hilfe für Vetter Ladislaus Deutsch, Dr. Ludwig Spieler, wegen Kartoffelklaus aus der Küche geworfen - Evakuierung, in Züge verladen, Fliegerangriff, am Bein getroffen, Tote, aus dem Zug geflüchtet, im Wald von SS aufgegriffen, nach Landsberg gebracht, SS-Wachen flohen, Lager am Morgen verlassen, Straße von Landsberg nach Kaufbeuren - Befreiung, Amerikaner, Lebensmittel, Zigaretten, Übelkeit vom vielen Essen, Kriegslazarett in Bad Wörishofen, gewaschen - Aufenthalt im DP-Lager Kempten, Arbeit für die US-Armee als Hilfsarbeiter, dann UNRRA als Auswanderungs-Administrations-Offizier bis 1947, über Frankreich nach Chile ausgewandert, drei Jahre Automechaniker, Anderson Consulting, 1985 Pension - Reise zu den Orten des Leidens - Psychische und physische Folgen.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
08.06.1999
Sprache:
deutsch