Zeitzeugen berichten

Otto Schwerdt KZ-Überlebender, Emigrant

Themen

Holocaust / Shoah

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-0285.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1943

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Otto Schwerdt, wie er im KZ Auschwitz im Herbst 1943 vom Lagerältesten ausgepeitscht wurde.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Otto Schwerdt, geführt am 02.09.1996, über sein Elternhaus, das Leben im Ghetto, die Internierung im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, den Todesmarsch und die Befreiung 1945.

Biogramm

Otto Schwerdt wurde 1923 in Braunschweig geboren und musste aufgrund seiner jüdischen Abstammung in den 1930er Jahren mit seiner Familie nach Kattowitz umsiedeln. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen lebte er zunächst in verschiedenen Ghettos, bis er 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Zusammen mit seinem Vater gelang es ihm, in das Zwangsarbeitslager Fünfteichen bei Stieglitz überstellt zu werden. Nach dem Todesmarsch nach Groß-Rosen gelangte er über Leitmeritz ins KZ Theresienstadt, wo er die Befreiung erlebte.

GND: 120202492

Inhalte

1923 in Braunschweig geboren, Riemannstraße 3b, Vater: Textilhandel, Sozialdemokrat, traditionell jüdisches Elternhaus, koscheres Essen, Feiertage, hebräische Schule, Synagoge, Veränderung der politischen Stimmung in Braunschweig, Rathenaustraße, Fackelzug der Nationalsozialisten, Umzug nach Berlin 1933, Judenboykott, Übergriffe, 1936 nach Polen gezogen, Kattowitz (Katowice), Umzug nach Dombrowa, Vater sprach kein Polnisch nur Deutsch und Jiddisch, polnische Schule, Lehre in Malerbetrieb in Kattowitz, Straßenbahn von Dombrowna nach Kattowitz, Deutscher Einmarsch in Polen, Verhaftungen, Ghetto in Dombrowna gebildet, Bearbeitung eines landwirtschaftlichen Betriebs in Szczmiesce, Hoffnung auf Ausreise nach Israel, Freund Hennik Matzner, Lastwagen mit SS-Mann Knorr, mitgenommen ins Zwangsarbeitslager Großmasslewitz, Flöhe, Flugzeughallen gebaut, Organisation Todt, Bewachung durch Polizei, 1941, nach drei Monaten ins Ghetto zurückgeholt, Arbeit für Bauunternehmen, Arbeit im "arischen Teil" als Maler, Sossnowitz, Judenrat in Dombrowna, Herr Merin, Flüchtling aus Majdanek, Beginn der Selektionen, Bestrafte, Alte, Kinder, 1943, immer mehr zusammengepfercht, schlechte Verpflegung, Hungertote, Vorbereitung auf Aussiedlung, in den Kellern zweite Wände eingezogen um sich dahinter zu verstecken, Ahnung was mit den Deportierten passiert, 1.9.1943 Aussiedlung, Lautsprecherdurchsage, Polizei, SS und Wehrmacht trieben die Leute aus den Häusern, Waggons, Rampe in Auschwitz, Selektion der Arbeitsfähigen, Konzentrationslager (KZ) Auschwitz-Birkenau, Blocks, Vater wieder getroffen, Mutter und Schwester sterben in Auschwitz, Leute essen Kartoffelschalen, Überlebenswille, Ganzkörperrasur, der Würde beraubt, Kapos, SS, Löcher geschaufelt und wieder zugeschüttet, Baracke, Blockführer mit abgetrenntem Abteil, Pritschen, in Birkenau von der Welt abgeschottet, brutale Kapos, Rapport, Jiddisch, Prügelstrafe wegen Diebstahl von Trockengemüse, Hoffnung auf Transport, Arbeit in der Kartoffelschälküche, Freund Islamek Metz, Kartoffeln gestohlen für Freunde und Vater, freie Bewegung im Lager möglich, Hilfe von SS-Mann Helmut Lange beim Todesmarsch, Buch "Der Untertan" von Heinrich Mann, abgestumpft, Arbeit im Revier in Fünfteichen (MiÅ‚oszyce), Toten die Nummer auf die Brust geschrieben, alles musste schnell passieren, in Fünfteichen Arbeit bei Krupp, Organisation Todt, Essen von Zivilisten bekommen, Zeitgefühl, Verbindung mit Tschechen, Informationen über den Kriegsverlauf, Arbeit als Schreiber - Transport nach Fünfteichen, zusammen mit dem Vater, neues Lager, Arbeitslager holten sich Leute aus Auschwitz, Misshandlungen, Lagerältester mit der Peitsche, Geruch der Krematorien, Gruppe "Kanada", Suche nach Wertsachen im Gepäck der ankommenden Häftlinge, nichtpassende Kleidung bekommen, die meisten hatten an der Rampe ihre Familie verloren, Frauenlager, in Fünfkirchen, Kennzeichnung durch Winkel, Ende 1943 nach Fünfteichen gekommen, deutsche politische Häftlinge und Kriminelle als Funktionshäftlinge, neues Lager, Krupp-Berta-Werk, Vater wurde Schreiber, S. Schreiber bei Krupp, Beherrschung der deutschen Sprache, Kontrolle der Häftlinge, privilegierte Arbeit, trotzdem Appelle, Schläge der Kapos, Emil Schiedler, Pakete für Polen, Krawczik, Lewandowski, SS-Mann Kritzer und Lagerältester Jussek töten Mann im Waschraum, Kontakt zu SS durch Arbeit, Lagerkommandant in Leitmeritz, keine Veränderung der Behandlung durch SS, von einem Zivilarbeiter von der Landung der Alliierten erfahren 1944, Todesmarsch nach Groß-Rosen, SS mit Hunden als Wachen, die Zurückbleibenden wurden erschossen, SS-Oberscharführer Helmut Langer hilft dem Vater, Januar 1945 Ankunft in Groß-Rosen, Halle, Dreck, kaum zu Essen bekommen, Arbeit in der Schreibstube, in Zug nach Leitmeritz verfrachtet, 25 Leute auf die Rampe gesetzt, Hundeführer versucht diese mit einem Schuss zu töten, Kaserne, Lokführer einer kleinen Lok mit Loren, Werk für Panzermotoren im Berg, Befehl die Lager aus den Loks auszubauen, Befehl "Alle Juden raus!", versteckt, Angebot an deutsche Häftlinge in die SS einzutreten, Transport nach Theresienstadt, im zweiten Transport nach Theresienstadt gekommen, dort lebten noch jüdische Frauen und Kinder, zu weinen begonnen, Hamburger Kaserne, Typhuserkrankung, Befreiung, russische Majorin am Bett, Tote durch zu schnelle Ernährung, einen Monat dort geblieben, UNRRA, nach Kattowitz zurückgekehrt, Onkel wieder getroffen, Bekannte und Wohnraum in Regensburg, Plan auszuwandern, Vater heiratet erneut, Abitur in Weiden als Gastschüler gemacht, Studium an der Regensburger theologisch-philosophischen Hochschule, Vater eröffnet Schrotthandel, 1948 nach Israel gegangen, dort einige Jahre Soldat, wegen Krankheit des Vaters nach Deutschland zurückgekommen, Sohn hatte Polio, Geschäft des Vaters übernommen, mit der Stiefmutter bis 1992 weitergeführt - schlimmste Zeit in Auschwitz-Birkenau, Viehwaggons, Überlebenskampf, Denken der Kinder über die Shoah, sind in Deutschland aufgewachsen, Kollektivschulvorwürfe bringen nichts, Antisemitismus, Kirchen hätten vielleicht etwas bewegen können, zu wenige Mahner, Spätfolgen, Alpträume, gesundheitliche und seelische Folgen, Zeitzeugengespräche mit jungen Leuten, Verführung der Jugend im Dritten Reich, Hoffnung, dass man etwas aus dem Krieg gelernt hat, Toleranz und Respekt - Vater war in Auschwitz bereits zur Vergasung aussortiert, hat noch ein Stück Brot und gibt es dem Bruder in anderer Gruppe, geht nicht zurück in die andere Gruppe, so wird er gerettet, Bruder arbeitet als Maurer, stirbt im Lager, Freund namens Berliner geht mit seinem Sohn in den Tod, Gespräch durch den Zaun mit Leuten aus dem Zwangsarbeitslager Annaberg, SS-Mann gibt S. Schlag auf den Kopf, frägt ihn wo S. her kommt, lässt ihn dann in Ruhe, auf dem Marsch nach Groß-Rosen Jackett von politischem Häftling bekommen, keine Vorteile für deutsche Juden, kein Überblick über das Lager in Auschwitz-Birkenau, Zigeuner, Gedanken nur an Essen und Überleben.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:00 h
Aufnahmedatum:
02.09.1996
Sprache:
deutsch