Zeitzeugen berichten

Susanne Thiemann Flechtwerkgestalterin

Themen

Handwerk

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-2049.02
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1981

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Susanne Thiemann über ihre ersten Flechtversuche bei der Beschäftigungstherapie während eines Entzugs von ihrer Drogensucht, die beruhigende Wirkung des Flechtens, den Beginn ihrer Ausbildung zur Korbflechterin bei Johann Bachinger in Rosenheim 1981 sowie über die besondere Atmosphäre im Lehrbetrieb.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Susanne Thiemann, aufgenommen am 26.09.2020 in München, über ihre Kindheit und Jugendzeit, die Aktivität in linkspolitischen Kreisen im Teenageralter, ihre Zeit in der Hippie- und Drogenszene, die ersten Anfänge mit der Korbflechterei bei der Beschäftigungstherapie während des Entzugs, ihre Ausbildung zur Korbflechterin ab 1981, die Einrichtung ihrer eigenen Werkstatt in München 1987, das Handwerk des Flechtens sowie über ihre künstlerische Tätigkeit.

Biogramm

Susanne Thiemann wurde 1955 in Kiel geboren und fand bei einem Drogenentzug im Alter von 21 Jahren zum Handwerk des Korbflechtens. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels sowie bei Johann Bachinger in Rosenheim und baute sich ab 1987 eine eigene Werkstatt in München auf. Neben typischen Korbwaren und Restaurierungsarbeiten gestaltet Susanne Thiemann auch spezielle Skulpturen aus bunten Elektrokabeln, dünnen Plastikschläuchen in monochromen Farben sowie neuwertigen Restbeständen von im Überfluss hergestellten, schwer verrottbaren Produkten. Sie arbeitet mit einfachen, allgemein verfügbaren Materialien und benutzt dazu eine der ältesten Techniken der Menschheit – Flechten und Verknoten. Die Kombination der Materialien gibt den Plastiken Beweglichkeit und verleiht ihnen ein Eigenleben. Ihre Skulpturen beziehen sich aufeinander und auch auf den Raum, der sie umgibt.

Inhalte

Geboren 1955 – Kindheit und Jugendzeit in Kiel – Schwierige Schulzeit – Aktivität in linksradikalen Kreisen und Schülergruppen im Teenageralter – Druck in politischen Gruppierungen – Faszination für die Hippiebewegung – Stellenwert des Drogenkonsums in der Hippieszene – Wohnsituation während der Hippiezeit – Abstieg von der linken Szene in die Hippie- bzw. Drogenszene – Beginn mit der Korbflechterei bei der Beschäftigungstherapie während des Entzugs – Ausbildung zur Korbflechterin bei Johann Bachinger in Rosenheim ab 1981 – Diversität der Mitarbeiter im Ausbildungsbetrieb – Blockunterricht in der Berufsfachschule in Lichtenfels – Kennenlernen der anderen Korbmacherauszubildenden – Umzug nach München 1983 – Meisterprüfung in Lichtenfels 1986 – Weg zur Selbstständigkeit – Schwierigkeiten bei der Werkstattsuche in München – Finanzielle Unterstützung durch den Vater – Einrichtung der Werkstatt – Werkzeuge – Herkömmliche Materialien – Vorbereitungen für das Flechten – Restaurierung verschiedener Stühle – Positive Kundenkontakte – Weiterbildung durch eigene Erfahrungen nach der Ausbildung – Gründe für das Verschwinden des Korbmacherhandwerks – Neues Interesse am Handwerk im Zuge der „alternativen Welle“ – Gleichbleibende Nachfrage nach Flechtarbeiten – Aufnahme der Korbflechterei in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes – Präsenz des Handwerks auf Märkten – Erste künstlerische Tätigkeiten – Kunst als Rückbesinnung auf die Kindheit – Herstellungsprozess einer Stele – Herstellungsdauer einer Stele – Bedeutung der Kunstwerke – Emotionen beim Flechten – Ideen für zukünftige Arbeiten – Bewegung zwischen Handwerk und angewandter Kunst – Rolle des Vaters für das künstlerische Wirken – Künstlerische Weiterbildung – Knüpfen von Kontakten bei Workshopbesuchen in Salzburg zwischen 2002 und 2007 – Aufenthalte in New York 2007 und 2008 – Stipendiatin des International Studio and Curatorial Program 2008 – Überlegungen hinter den Kunstwerken – Spiel mit Formen der Weiblichkeit – Einbezug architektonischer Elemente – Arbeiten mit Möbeln – Entstehungsgeschichte und Bedeutung des im Haus der Kunst ausgestellten Werks „Won’t let you down“ – Ergänzung von Kunst und existenzsichernder handwerklicher Arbeit – Zukunftspläne.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
26.09.2020
Sprache:
deutsch