Zeitzeugen berichten

Theo Fellheimer Gärtner, Emigrant

Themen

Glaube, Religionen und kirchliches Leben

Jüdisches Leben

Zeiträume

Weimarer Republik (1919 - 1933)

Signatur
zz-0317.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Theo Fellheimer über das jüdische Leben in Ichenhausen vor 1933.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Theo Fellheimer im Rahmen des Projekts Geschichte und Kultur der Juden in Bayern - Jüdische Zeitzeugen, aufgenommen in München am 11.12.1987, über die Geschichte seiner jüdischen Familie, Kindheit und Jugend in Ichenhausen und Würzburg, den bereits in den 1920er Jahren wachsenden Antisemitismus, die Situation nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933, die Emigration nach Palästina 1935 und in die USA 1945.

Biogramm

Theo Fellheimer wurde 1916 in Ichenhausen geboren. Er erlebte die gesellschaftlichen Verhältnisse in der bayerischen Gemeinde mit dem höchsten Prozentsatz jüdischer Einwohner während der 1920er-Jahre. Zu dieser Zeit befand sich das Verhältnis der fast vollständig eigenständig lebenden Gemeinde zu anderen gesellschaftlichen Gruppen in einem Stadium, das als "Gleichwertigkeit" beschrieben werden kann. Dies änderte sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Theo Fellheimer emigrierte 1934 nach Palästina, wo er Arbeit in seinem erlernten Beruf als Gärtner fand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wanderte Theo Fellheimer in die USA aus, wo er sich einer jüdischen Gemeinde in New York anschloss. Mehrere Besuche in seiner alten Heimat boten Theo Fellheimer Anlass, sich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten und dem Schicksal seiner eigenen Familie auseinanderzusetzen.

Inhalte

In Ichenhausen geboren, jüdisches Leben vor Ort, gegenseitiger Respekt von Christen und Juden, Religionsunterricht, Rabbiner, Volksschule, wechselseitige Geschäftsbeziehungen, Textilgeschäft Sulzer, Ichenhausen als jüdisches Zentrum in Bayern, Gotesdienst, koschere Metzger, Viehhändler, Bezirk des Vaters: Neu-Offingen, Gundremmingen, Eislingen, Urgroßvater war Bäcker in Ichenhausen, Judengasse, keine Anfeindungen, Vater im Ersten Weltkrieg in russischer Gefangenschaft, überzeugter Deutscher, jüdische Gefallene, aufkommender Antisemitismus, in Nürnberg Aufmarsch der Rechten 1922 ("Deutscher Tag"), 1929 jüdische Präparandenschule in Würzburg erste Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten, in Ichenhausen zurückhaltend, Prügelei in Würzburg, Gespräch mit Pfarrer, Entschluss zu praktischer Lehre, 1930 Gärtnerlehre, in Arbeitskleidung in die Synagoge, Vorwürfe, Gärtner Haug, Prüfung in Augsburg, vorlaut, kein Stipendium, Gesellenbrief, Arbeit als Geselle, Beleidigung von Herrn Trautwein "Saujud", Cavo di Castellina, Hascherazentrum, Entschluss zur Emigration nach Palästina, um Eltern zu ernähren, 1935 Emigration, in Haifa an Land gegangen, in Tel Aviv am Strand geschlafen, Mesracha-Organisation, Kibbuz, 1936 angeschossen worden, Hadassa-Hospital in Tel Aviv, Arbeit in den Orange-Groves, Gärtnerei in Haifa, Kibbuz im Jordantal, wegen Verletzung nach Jerusalem, Arbeit als Fahrradbote und in Ziergärtnerei, Briefkontakt bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, Gerüchte über Lager, Briefe über Schweizer Diplomaten Pauch, Information über den Kriegsverlauf, Angst vor Vorstoß des deutschen Afrikakorps, Information über Konzentrationslager durch Familie Gradmann, illegal emigriert, Flüchtlingsschiff von Briten zurückgeschickt, nach Kriegsende 1945 in die Vereinigten Staaten emigriert, New York, kleine Gemeinden deutscher Juden, Rückkehr nach Ichenhausen, Elternhaus, persönliche Gegenstände, Bürgermeister Demharter, Schlüssel für den jüdischen Friedhof, Haug, Ensler, Eltern und kleiner Bruder im April 1942 in die Vernichtungslager Auschwitz oder Majdanek deportiert, in Mainz: Max Einstein, Tochter Liane, Rachegefühle im Alter gelegt, Diskussionen im Gasthaus, Renovierung der Synagoge, Gottesdienst.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
0:30 h
Aufnahmedatum:
11.12.1987
Sprache:
deutsch