Zeitzeugen berichten

Konstantin Wecker Musiker, Liedermacher, Autor

Themen

Glaube, Religionen und kirchliches Leben

Marke Bayern

Zeiträume

Bayern im vereinten Deutschland (1990 - 2020)

Signatur
zz-1864.02
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte
Jahr
2018

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Konstantin Wecker über die Verbindung Bayerns mit einem Mythos, die spezielle bayerische Frömmigkeit sowie über das Ideal der bedingungslosen Liebe gegenüber den eigenen Kindern.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Konstantin Wecker, aufgenommen am 27.10.2018 in München, über seine Kindheit und Jugend, die politische Einstellung seines Elternhauses, seine ersten Kontakte mit der Musik, den Beginn seiner Karriere als Liedermacher, seine pazifistische Grundhaltung, die Mut machenden Aspekte der Kunst, sein persönliches Bild von Bayern, Entstehung und Ausprägung der "Marke Bayern" sowie über die Gefahren durch den wiedererstarkenden Nationalismus in Europa.

Biogramm

Konstantin Wecker wurde am 01.06.1947 in München geboren. Mit acht Jahren lernte er Geige und mit 14 Jahren Gitarre spielen. Während des Besuchs des Münchner Theresien-Gymnasiums unternahm er immer wieder Ausreißversuche von Zuhause und wollte als „freier Dichter“ leben. Ab 1968 machte er sich in Kleinkunst-Szene einen Namen. Er wurde als Pianist und Sänger bekannt, wirkte jedoch auch als Komponist von Filmmusiken (z.B. Schtonk!) und Musicals sowie als Autor (Lyrik und Prosa). Seine manchmal melancholischen, oft aber auch anklagenden, manchmal vom Blues beeinflussten Lieder erreichen vor allem ein linkes Publikum. Im Jahre 1974 gründete er das Team Musikon, mit dem er bis 1985 seine Platten und Konzerte selbst produzierte. Im Jahre 1980 siedelte er mit Musikern und Freunden in die Toskana über. 1977 gelang ihm mit dem Album „Genug ist nicht genug“ der Durchbruch. Wecker wurde dafür im selben Jahr mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Die auf dieser LP erschienene Ballade an seinen von Rechtsradikalen attackierten Freund Willi wurde Kult. Konstantin Wecker arbeitete mit vielen bekannten deutschen und ausländischen Künstlern zusammen, darunter waren Joan Baez und Mercedes Sosa. Ab dem Jahr 2000 trat Wecker gemeinsam mit Hannes Wader auf. Er komponierte mit Christopher Franke das Musical Ludwig, das 2005 in Füssen uraufgeführt wurde. Im Wintersemester 2007/08 nahm Konstantin Wecker an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg einen offiziellen Lehrauftrag an. In seinem Workshop Songwriting unterrichtet er Komposition und Arrangement. Seit 2018 ist er Gastprofessor an der Universität Koblenz-Landau (Campus Landau).
GND: 118629832

Inhalte

Geboren 1947 – Kindheit und Jugend in München – Ablehnende Einstellung des Elternhauses gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie – Weitergabe der Liebe zur Musik durch den Vater – Humanistische Einstellung der Mutter – Persönlicher Widerstand gegen das Schulsystem in der Jugendzeit – Wiederholtes Ausreißen aus dem Elternhaus aufgrund der Wunschvorstellung als freier Dichter zu leben – Komposition der ersten eigenen Lieder und Gedichte – Beginn der Karriere als Liedermacher – Entwicklung zum politisch orientierten Sänger im Nachgang der 68er-Bewegung – Ablehnung starrer Ideologien – Durchbruch als Musiker mit dem Album „Genug ist nicht genug“ 1977 – Umzug in die Toskana 1979 – Gestaltung des dortigen Zusammenlebens mit Freunden in einer Art Kommune – Facettenreichtum des persönlichen Musikstils – Herausforderungen bei der Kreation von Filmmusik – Herausbildung eines eigenen Stils hinsichtlich des Verfassens von Gedichten – Die Eltern als Vorbild einer pazifistischen Einstellung – Argumente gegen Militarismus und Krieg – Wege zu einer gewaltfreien Gesellschaft – Die Mut machenden Aspekte der Kunst – Ziel der Vertonung von persönlichen Erfahrungen – Charakterformende Effekte persönlicher Rückschläge und Niederlagen – Bedeutung des Begriffs „uferlos“ – Gefahren des Nationalismus – Fehlen einer zeitgemäßen sozialen Protestkultur – Verlust des Gemeinsinns innerhalb der modernen Gesellschaft – Bedeutung des Widerstands gegen die WAA Wackersdorf für Bayern – Persönliches Bild von Bayern – Stellenwert des bayerischen Dialekts – Bayern als Marke – Die Hintergründe des Begriffs „Freistaat“ – Gründe für die vergleichsweise schwache Stellung der SPD in der politischen Landschaft Bayerns – Der fehlende "Mythos Bayern" – Die spezielle bayerische Frömmigkeit – Bayern als Einwanderungsland – Emotionales Verhältnis der meisten Menschen zu ihrer Heimat – Rein ökonomische Betrachtung Bayerns durch manche Politiker – Widerstand gegen bayerische Klischeevorstellungen im Zuge der 68er-Bewegung – Anhaltende Unterschätzung rechtsradikaler Tendenzen in Deutschland – Beitrag von negativ konnotierten Begriffen und Parolen zur Stärkung antidemokratischer Tendenzen – Zunehmende Gefahr der Demokratie durch das Verschwimmen der Grenzen zwischen den einzelnen politischen Lagern – Vernachlässigung des Wertes der Nächstenliebe – Beunruhigung durch den erstarkenden Nationalismus in Europa – Druck des Arbeitsmarktes auf den einzelnen Menschen – Selbstidentifikation der jüngeren Generation über Produkte anstelle politischer Meinungen – Verbindendes Element aller persönlicher Werke.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
27.10.2018
Sprache:
deutsch