Zeitzeugen berichten

Peter Blau DDR-Flüchtling, Unternehmer

Themen

Flucht aus der DDR

Franken

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-1382
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1989

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Peter Blau über seine Flucht aus der DDR nach Unterfranken am 06.06.1989.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Peter Blau, aufgezeichnet am 04.11.2010 in Herbstadt im Rahmen des Projekts Innerdeutsche Grenze / Eiserner Vorhang, über seine Kindheit und Jugend in der DDR, einen prägenden Besuch im Westen 1987, seine Flucht aus der DDR 1989 und den Neubeginn in Unterfranken.

Biogramm

Peter Blau wurde 1963 in Milz/Thüringen geboren und verbrachte seine Jugend in der DDR. 1987 hatte er die Möglichkeit, seinen Onkel in Essen zu besuchen. Durch das Kennenlernen der Arbeitsmöglichkeiten im Westen beschloss er, aus der DDR zu flüchten. Nach intensiven Vorbereitungen überwand er zusammen mit seiner Frau, seinem Sohn und einem befreundeten Ehepaar am 6. Juni 1989 die Grenzanlagen bei Milz/Eicha. Peter Blau betrieb nach der Flucht ein Unternehmen im Bereich Veranstaltungstechnik.

GND: 1066925267

Inhalte

1963 geboren in Milz/DDR in der Sperrzone – 600 Meter Entfernung zur Grenze – Realschule – Mitglied bei den Jungpionieren, dann Freie Deutsche Jugend (FDJ) – Westfernsehen: Sportschau – generell kein großes Interesse am Westen als Kind und Jugendlicher – unerfüllter Berufswunsch im Elektronik-Bereich – Ausbildung zum Schreiner – Hobbies: Musik und Sport – Mitglied in einer Band und einem Blasorchester – seit 1981 mit seiner Frau liiert – 1984 Geburt des Sohnes – Studium der Frau – Urlaub in der Tschechoslowakei und Ungarn: Aufkeimen des Bedürfnisses nach Freiheit – dennoch schöne Zeit – 1987 Hochzeit – gemeinsame Wohnung in Eicha direkt an der Grenze – Schwierigkeiten des Lebens in der Sperrzone: bewaffnete Kontrollen, Schlagbäume, Schikanen – 1987 genehmigter Besuch der Verwandten in Essen – Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher: Reiseerleichterungen für DDR-Bürger – prägendes Erlebnis in der BRD: Besuch auf dem Arbeitsamt – Entschluss zum Verlassen der DDR – Rückkehr in die DDR nur aus Pflichtgefühl gegenüber der Familie – Flucht am 06.06.1989 nach langer Vorbereitung – Gespräch über eine geplante Flucht mit der Ehefrau, Vorbehalte ihrerseits – konkrete Pläne zur Flucht in den Westen zusammen mit einem befreundeten Ehepaar – Auslöser: Flucht einer gemeinsamen Bekannten – Ausspionieren der Wachzeiten und Abläufe an der Grenze per Fernglas von einem Hochsitz aus – Problem Signalzaun: Höhe 2,25 m, Breite 1,5 m, Auslösen eines Alarmsignals bei Berührung – Entfernung der Minen im Grenzgebiet 1983 durch die NVA – Idee: Podest auf dem Autodach – Flucht gemeinsam mit dem befreundeten Ehepaar – Abbruch des ersten Fluchtversuchs wegen Änderungen im Wachablauf der DDR-Grenzsoldaten: Risiko zu groß - zweiter Anlauf am 06.06.1989 – Überwinden des Signalzauns mit Hilfe des Podestes – Entdeckung des modifizierten Autos durch einen Grenzsoldaten – Überwinden des zweiten Zauns mit Hilfe einer Leiter – erfolgreiche Flucht trotz ausgelösten Alarms – Flucht ins nah gelegene Breitensee – Familie Bötsch – Abholung durch die bayerische Polizei – Verhör – Unterbringung im Notaufnahmelager Gießen – Umzug nach Würzburg zu einer Bekannten – später eigene Wohnung 30 km südlich von Würzburg – neue Arbeitsstelle – nette Nachbarn – 1995 Rückkehr in die alte Heimat – Geburt des zweiten Sohnes – Stärkung des familiären Zusammenhalts durch die Flucht – Abschied von den Schwiegereltern durch einen Brief – zwei Stunden nach der Flucht Gewissheit der Stasi über die Identität der Geflüchteten – Verhör von Familie und Bekannten – Anruf bei den Eltern – Briefe an Familie und Bekannte im Osten: Öffnung und Kopie durch die Stasi – Stasiakte – Anstellung bei einem Akkustikbauer – nach der Flucht Tausch von 40.000 Ostmark gegen 3.700 D-Mark – 300 Mark von den Behörden erhalten – nach der Flucht nur Geld und Papiere als Besitztümer – nach der Wende Besuch der Schwiegereltern – Vorurteile – höheres Konkurrenzdenken und weniger Zusammengehörigkeitsgefühl im Westen – Anlage der Stasiakte nach der Flucht – seit der Jugend Tagesschau als Informationsquelle – Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986: keine Erwähnung im Ostfernsehen – Reise in den Westen 1987 als prägender Punkt.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
01:00 h
Aufnahmedatum:
04.11.2010
Sprache:
deutsch