Zeitzeugen berichten

Kerstin Blau DDR-Flüchtling, Verwaltungsangestellte

Themen

Flucht aus der DDR

Franken

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-1392
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1989

Im hier gezeigten Ausschnitt erzählt Kerstin Blau von ihren Ängsten und Sorgen bei der Vorbereitung ihrer Flucht aus der DDR nach Unterfranken am 06.06.1989.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Kerstin Blau, aufgenommen am 04.11.2010 in Herbstadt im Rahmen des Projekts "Innerdeutsche Grenze / Eiserner Vorhang" über ihre Kindheit, Jugend und Studium in der DDR, ihre Flucht in den Westen, den Mauerfall 1989 und ihr Leben in der Bundesrepublik.

Biogramm

Kerstin Blau, geb. 1962, wuchs in der DDR auf und absolvierte ein Studium der Betriebswirtschaft. Sie heiratete und gründete mit ihrem Ehemann Peter eine Familie. Sowohl Peter als auch Kerstin Blau hatten bereits vor dem Mauerfall die Möglichkeit, Verwandte in der Bundesrepublik zu besuchen, daher wuchs der Wunsch, aus der DDR auszureisen. Da dies auf legalem Wege nicht möglich war, planten sie gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar die Flucht, die am 6. Juni 1989 bei Milz/Eicha gelang. Kerstin Blau baute sich mit ihrer Familie in Unterfranken eine neue Existenz auf und arbeitete als Verwaltungsangestellte.

GND: 1066924619

Inhalte

Geboren 1962 in der DDR – Kinderkrippe, Kindergarten, Schule – Mitglied bei den Jungpionieren, Thälmann-Pionieren, FDJ – Schule: Polytechnische Oberschule (POS), ab 8. Klasse Erweiterte Oberschule (EOS) – aufgewachsen in Eicha: Entfernung zur bayerischen Grenze 800 m – Studium der Sozialistischen Betriebswirtschaftslehre an der Ingenieurshochschule in Zwickau – später keine Anerkennung des Studiums in der BRD – Arbeitsstelle bei der Fa. Landtechnischer Anlagenbau – Geburt des Sohnes während des Studiums – Westfernsehen weckte Wünsche – politisches System als Tabuthema in der Familie: keine Identifizierung mit dem System – Staatsbürgerkunde in der Schule – christlich-evangelische Erziehung durch die Mutter – Abitur trotz Konfirmation – Wohnung im Haus der Eltern mit Mann und Sohn – Urlaub in der Tschechoslowakei und Ungarn – Reise nach Essen: Wunsch nach einem Leben im Westen wurde stärker – Kritik und Zweifel am System – Flucht einer Bekannten in den Westen – Plan zur Flucht in den Westen zusammen mit einem befreundeten Ehepaar – Angst vor der Entdeckung – Wohnen in der Sperrzone begünstigte die Vorbereitung der Flucht – Überwindung des Signalzauns als größtes Hindernis – Abschied von der Mutter – Umbau des Trabis zum „Fluchtauto“: Podest auf dem Dach – Flucht: Sprung über den Signalzaun vom Podest aus, Überwinden des zweiten Zauns mit einer mitgeführten Leiter - Gelingen der Flucht trotz Entdeckung – Ankunft in Breitensee und Verpflegung durch gastfreundliche Bewohner – Verhör durch den Bundesgrenzschutz – einzige Besitztümer: Bargeld, Papiere und Zeugnisse – Verstecken der persönlichen Habseligkeiten im Haus der Mutter – Kleiderkammer der Caritas – übergangsweise Unterbringung im Aufnahmelager in Gießen – Umzug nach Würzburg und später ins Umland von Würzburg – eigene Wohnung und Arbeit für den Ehemann – kaufmännische Ausbildung – gute Integration im Dorf – Fall der Mauer 1989 kurz nach der Flucht – positive Erinnerungen an die DDR: besseres Bildungssystem als im Westen, schöne Jugendzeit – negative Erinnerungen an die DDR: Überwachungssystem, Parteizugehörigkeit als Voraussetzung für die berufliche Karriere – Eintritt in die Ost-CDU – nach der Wende Einsicht in die Stasi-Akte – keine Vorurteile durch ihren Dialekt im Westen – froh über die Flucht – größere Selbstständigkeit durch die Flucht.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
01:00 h
Aufnahmedatum:
04.11.2010
Sprache:
deutsch