Zeitzeugen berichten

Hermann Huber 1988/89 Deutscher Botschafter in Prag

Themen

Flucht aus der DDR

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-1457.04
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1989

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Hermann Huber über seine Weigerung, die Prager Botschaft zu schließen und seine Hoffnung, durch die unhaltbaren Zustände auf dem Botschaftsgelände die Dringlichkeit der deutschen Frage zu verdeutlichen.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Hermann Huber, aufgenommen am 20.03.2012 in Grafing, über seine Tätigkeiten im diplomatischen Dienst in Moskau und Prag bis zum Fall der Mauer. Der Schwerpunkt des Interviews liegt auf der Schilderung der Ereignisse in der Prager Botschaft 1989. Tausende von DDR-Flüchtlingen mussten bis zu ihrer Ausreise in die Bundesrepublik notdürftig versorgt werden.

Biogramm

Hermann Huber wurde 1930 in Grafing geboren und studierte nach dem Abitur Jura in Passau und München. 1955 bewarb er sich an der Diplomatenschule in Bonn. Seine ersten Stationen in seiner Diplomatenlaufbahn führten ihn 1957 nach Reikjavik (Island) und dann nach Rom sowie 1960 an die deutsche Botschaft in Leopoldville (Kongo). 1968 war Hermann Huber Mitarbeiter bei der deutschen Handelsvertretung in der ČSSR und erlebte die Besetzung Prags durch sowjetische Truppen und damit das Ende des „Prager Frühlings“. Als Gesandter wurde Hermann Huber 1980 nach Moskau versetzt, wo er die damals führenden Politiker der Sowjetunion kennenlernte. Seine wichtigste Station war 1988/89 die Tätigkeit als deutscher Botschafter in Prag. Ab August 1989 drangen immer mehr DDR-Flüchtlinge auf das Gelände der Botschaft vor, die damit im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit stand. Die politischen Maßnahmen gipfelten schließlich im Besuch des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, der am 30.09.1989 vom Balkon der Botschaft die Ausreise der Flüchtlinge bekannt gab. Diese Ereignisse trugen nicht unerheblich zum Fall der Mauer am 09.11.1989 bei. Hermann Huber ist 2018 in Grafing verstorben.

GND: 1060147890

Inhalte

Geboren 1930 in München – aufgewachsen in Grafing – 1948 Abitur – Abbruch des naturwissenschaftlichen Studiums zugunsten eines Rechtswissenschaftsstudiums – erst Studium in Erlangen, dann in Lausanne – Kennenlernen seiner späteren Frau im Studium – nach dem Studium Bewerbung beim Auswärtigen Amt – Ausbildung im Auswärtigen Amt, erst im Russland-Referat, dann im Saar-Referat – Versetzung ans Generalkonsulat in Zürich – nach der Ausbildung Arbeit in Rom – fünf Jahre Tätigkeit im Generalkonsulat im Kongo – ab 1968 Arbeit bei der neu gegründeten Handelsvertretung in Prag – Aufbau der Vertretung im Hotel Jalta – "Prager Frühling" und Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei – gesamte Familie in Prag – persönliches Erleben des Einmarsches – 1970 Abberufung nach Bonn als Pressesprecher – 1980 Versetzung als Gesandter nach Moskau – Zusammentreffen mit sowjetischen Politikern wie Außenminister Andrej Gromyko oder Leonid Breschnew – ständige Beobachtung durch sowjetischen Geheimdienst KGB – 1984 Übernahme der Unterabteilung Personal in Bonn – 1988 Entsendung als Botschafter nach Prag – intensive Vorbereitung, insbesondere auf den Umgang mit Flüchtlingen – Anfang 1989 erste DDR-Flüchtlinge in der Botschaft, ab August 1989 große Zunahme der Flüchtlingszahl – Verlagerung der konsularischen Tätigkeit ins Hotel Jalta, Öffnung der Botschaft nur für Flüchtlinge – Aufbau einer Zeltstadt – Verschärfung der Situation ab September 1989 – Unterstützung durch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Weiden mit Lebensmitteln – Anstieg der Flüchtlingszahl auf über 1.000 – nach informellen Gesprächen von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) mit sowjetischen Diplomaten am Rande einer Vollversammlung der Vereinten Nationen Genehmigung der Ausreise am 30.9.1989 per Zug über die DDR nach Hof – Ansprache Genschers auf dem Botschaftsbalkon – kein Ende des Flüchtlingsstroms, am 03.10.1989 bereits wieder über 3.000 Menschen im Park der Botschaft – erneuter Transfer mit Zügen nach Hof – Bewertung der Ereignisse: Flüchtlingsdrama hatte Prestige der DDR großen Schaden zugefügt – Charakterisierung des Mauerfalls – Bedeutung Bayern für Deutschland.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
3:00 h
Aufnahmedatum:
20.03.2012
Sprache:
deutsch