Zeitzeugen berichten

Benjamin Braun 1952-1956 Bewohner des DP-Lagers Föhrenwald; Unternehmer

Themen

Displaced Persons (DP)

Jüdisches Leben

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-1823.06
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Sybille Kraft)

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Benjamin Braun über seine Hochzeit im Lager Föhrenwald, das Kennenlernen seiner späteren Frau und deren familiären Hintergrund sowie über die jüdische Tradition des Besuchs eines Badehauses im Vorfeld der Hochzeit.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Benjamin Braun, aufgenommen am 25.10.2017 in Icking, über die Flucht seiner Familie aus Polen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, die anschließenden Aufenthalte in Russland, Israel und Frankreich, die Ankunft in einem Lager für „Displaced Persons“ in Föhrenwald, die Gestaltung des Lager und den dortigen Alltag, seine Hochzeit, den Umgang mit dem Holocaust innerhalb des Lagers, die Schließung des Lagers Föhrenwald, seine Auswanderung in die USA sowie über seine Rückkehr nach Deutschland.

Biogramm

Benjamin Braun wurde 1931 in Bielsko-BiaÅ‚a in Polen geboren. Da seine Familie jüdischen Glaubens war, musste Benjamin bereits im Alter von 8 Jahren zum ersten Mal flüchten, als die Deutschen seine Heimatstadt bombardierten. Die Familie kam in ein sibirisches Lager, das sie 1941 wieder verlassen durften. Die Kriegsjahre verbrachte Braun in der kasachischen Provinz. 1946 kehrte die Familie erstmals wieder in ihre Heimatstadt zurück. Aufgrund der Verfolgung durch das kommunistische Regime zogen die Brauns 1951 nach Israel, kehrten aber wegen einer Erkrankung der Mutter bereits ein Jahr später nach Europa zurück. Nach Scheitern ihres kanadischen Auswanderungsverfahrens kam die Familie 1952 in das DP-Lager Föhrenwald bei München. Benjamin Braun verbrachte einige – nach seiner Beschreibung sehr glückliche – Jahre in diesem „letzten jiddischen Schtetl in Europa“. Er absolvierte dort eine Ausbildung als Radiotechniker und lernte seine zukünftige Frau Chana Golump kennen. Aufgrund antisemitischer Äußerungen während seiner Arbeitssuche in Deutschland emigrierte er 1956 mit seiner Ehefrau Chana in die USA. Als Benjamin Braun dort seinen Arbeitsplatz verlor, kehrte er mit seiner jungen Familie 1963 nach München zurück. Er stieg in das Textil- und Jeansgeschäft seiner Verwandten ein und lebte mit seiner Familie in München. Benjamin Braun verstarb im Jahr 2019.

Inhalte

Geboren 1931 – Beruf der Eltern – Verhältnis zwischen Juden und Polen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs – Flucht aus dem Heimatort nach dem Überfall auf Polen 1939 – Veränderung der Lebensumstände in Polen nach dem deutschen Einmarsch – Verhaftung des Vaters – Flucht des Vaters über die sowjetische Grenze – Nachfolgen der Mutter mit den Kindern – Verhaftung der Familie durch die sowjetische Geheimpolizei – Verbringung nach Sibirien 1941 – 1946 Rückkehr nach Polen – Reaktion der Polen auf die zurückkehrenden Juden – 1951 Auswanderung nach Israel – Erkrankung der Mutter – Deportation von 4 Tanten nach Auschwitz während des Zweiten Weltkriegs – Reise von Israel nach Paris – Scheitern des Versuchs der Auswanderung nach Kanada – Entscheidung der Eltern nach München weiterzureisen – Ankunft in einem Lager für „Displaced Persons“ in Föhrenwald 1952 – Ausbildung zum Radio-Fernseh-Techniker – Beschreibung und Funktion des örtlichen Badehauses – Gestaltung des Lagers – Sicherheitsmaßnahmen innerhalb des Lagers – Beschreibung der Unterbringung – Lieblingsplatz in Föhrenwald – Sportangebote vor Ort – Abendliche Vorführung von Kinofilmen – Besuch von Tanzbällen – Kennenlernen der späteren Ehefrau – Ausstattung der örtlichen Bibliothek – Innerhalb des Lagers gesprochene Sprachen – Religiosität in der Familie – Thematisierung der Schoah in der Lagergesellschaft – Existenz und Bedeutung des Lagerschwarzmarktes – Versorgung mit Essen und Kleidung durch die Amerikaner – Beschreibung der Synagoge – Festtage in Föhrenwald – Verhältnis zwischen Juden und Deutschen – Feiern religiöser Feste – Ablauf der eigenen Hochzeit – Umzug der restlichen Familie nach München – Verkauf des Lagers an die katholische Kirche – Zuteilung von Sozialwohnungen an die Juden, die das Lager verlassen mussten – Auswanderung in die USA 1956 – Anstellung als Radio- und Fernsehtechniker in Brooklyn – Ansteigen der Kriminalität in den 1960er-Jahren – Einbruch in die eigene Wohnung – 1963 Entscheidung, zurück nach Deutschland zu ziehen – Eröffnung eines Textilgeschäftes – Gespräche über den Holocaust innerhalb der Familie – Einrichtung des Erinnerungsortes im Badehaus des ehemaligen Lagers Föhrenwald – Bedeutung der Erinnerung an das Vergangene.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1:22 h
Aufnahmedatum:
25.10.2017
Sprache:
deutsch