Zeitzeugen berichten

Bier in Bayern Konrad Numberger // Braumeister, Brauereibesitzer

Signatur: zz-1328.01
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Konrad Numberger, geführt am 17.6.2010, über seine Tätigkeit auf dem elterlichen Bauernhof, seine Ausbildung zum Braumeister, die von ihm entwickelten Verfahren bei der Bierherstellung und den Niedergang der eigenen Brauerei in den 1960er Jahren.

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Konrad Numberger über ein von ihm entwickeltes und patentiertes Kühlverfahren beim Bierbrauen.

Biogramm

1932 geboren, auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, Kleinbrauerei als Nebenerwerb zur Landwirtschaft seit 1928 durch seinen Vater betrieben und unter Mithilfe der Söhne, 1957 Übernahme und Modernisierung des Betriebs, in den 1960er Jahren Bau und Betrieb einer Mälzerei, überstieg das wirtschaftliche Leistungsvermögen, 1968 Aufgabe der Brauerei.  Konrad Numberger starb am 04.04.2018.
GND: 1067338330

Inhalt

Geboren 1932, drittes von sechs Kindern, Vater Gastwirtund Landwirt, 1938-1946 Volksschule St. Wolfgang, später Landwirtschaftsschule, 1957 Braumeisterschule, ab 1948 hohe Schulden der Familie durch Brand nach dem Krieg, kein durchgängiger Schulbesuch, sondern Mitarbeit im elterlichen Betrieb, Eicher-Bulldog, Tagesablauf als Kind: Aufstehen, zu Fuß in die Schule, Hitlerjugend, Berufswunsch Techniker, 1928 Eröffnung einer kleinen Hausbrauerei des Vaters, Kauf einer Schrotmühle, später Gaststube mit Kegelbahn, Finanzierung mit Hilfe der Raiffeisenkasse, Rohstoffe: Gerste aus der Umgebung, Hopfen aus der Hallertau, „Hopfenjud“, Verbot der Lieferung an Privatkunden in den 1940er und 1950er Jahren, Mühlberger, nach dem Krieg Hefe vom Augustinerbräu, Hofbräuhaus und Moy, Brauverbot im Krieg wegen Benötigung der Braugerste für Brot, keine großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten während des Krieges, Vater Bürgermeister, während des Krieges Beschäftigung von vier französischen Kriegsgefangenen, Vater seit 1934/35 Mitglied der NSDAP, aber während des Krieges keine Sympathie mehr für Partei und Führer, Anbau von Mais, Karotten und Kartoffeln, Krauss Maffei, Einquartierung von Flüchtlingen und Soldaten, nach dem Krieg Brand, aber keine Beschädigung von Gärkeller, Eiskeller, Lagerkeller und Sudhaus, Sicherung des Lebensunterhalts durch Sondergenehmigung zum Brauen von höherprozentigem Bier, Währungsreform 1948, Winterschule, Mitarbeit im elterlichen Betrieb: Pferde putzen, Bier brauen, Anschaffungen nach dem Krieg: 1948/49 Bierfilter, Lagertanks, 1956/57 neues Sudhaus, Aluminiumgärbottiche, Lutzfüller, bürstenlose Flaschenwaschmaschine, 1954 Mälzerei, Altlehrling in Gars, Finanzierung durch Versicherungssumme und Raiffeisenkasse, ständige Verpfändung des Bauernhofes, Arbeitsteilung innerhalb der Familie, Vertrieb des Bieres durch Belieferung mit Pferdewagen, dann Bulldog, dann Lastwagen, Wachsen der Stammkundschaft durch Mundpropaganda, teilweise Konkurrenz zu anderen Kleinbrauerein, 1956 Kauf der Bahnhofsgaststätte in Pyramoos, Beschreibung des Zweimaischverfahrens, Geschmack des Bieres bestimmt durch gutes Wasser, gutes Malz und gute Hefe, Abfüllung nur in Flaschen, Herstellung von Hellem, Dunklem, Maibock, kein Problem mit hohem Wasserverbrauch durch Installierung einer hydraulischen Pumpe zur Nutzung zweier Quellen, 1967 Übernahme des Betriebes mit dem Bruder, nach der Braumeisterprüfung 1957 faktische Leitung der Brauerei -  Patent: Setzbottich, Anschaffungen: Kupferschlangen, Plattenkühler, Membrankompressor, Seitz-Luftfilter, Plattenfilter, Problem: Abfüllen, Bau einer Mälzerei und Silos, Tausch mit den Landwirten: Gerste gegen Bier, 1960 Einstellung des Braumeisters Josef Miksch, steigende Anforderung an die Qualität des Bieres durch höhere Ansprüche der Kunden, Beschreibung des Alltags in der Brauerei, Haustrunk, Lohnmälzen - 1968 Lohnmälzer-Vertrag mit der Brauerei Hacker, später dann Paulaner,  Betrieb der Mälzerei bis 1992/93, EWG: billigeres französisches Malz als Konkurrenz, Herstellung von 3 bis 3,5 Tausend Hektoliter Bier pro Jahr, Verhältnis zu den Großbrauereien: keine Probleme, 1968 Niedergang vieler kleiner Brauereien, Vergrößerung der Mälzerei Mitte der 1960er Jahre als Fehlinvestition: Aufgabe der Brauerei und Konzentration auf das Malzgeschäft zur Minderung des finanziellen Risikos, ab 1960 beim Brauerstammtisch in Freising, Bügelverschluss, Geselligkeit im Wirtshaus: Veränderung in negativer Hinsicht vor allem durch Fernsehen, Vorschriften im Straßenverkehr, Reinheitsgebot, Nach Schließung der Brauerei: Mälzerei und nebenbei Betrieb einer Werkstatt, Veränderungen des Biermarktes: heute Vermischung von Biersorten aus sämtlichen Regionen, Bier als „Gewöhnungssache“, Bier als „Kulturgut“, Bier als gesundes Lebensmittel, Rückgang des Bierkonsums durch Vorschriften im Straßenverkehr und Gegenkampagnen, Bier als „Grundnahrungsmittel“, Unterschied der Vermarktungsstrategie heute zu früher.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
01:30 h
Aufnahmedatum:
17. Jun 2010
Sprache:
deutsch