Zeitzeugen berichten

Kurt Wessner SPD-Politiker, 1972-1996 1. Bürgermeister (Penzberg)

Themen

Bergbau

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-0684.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1966

Im hier gezeigten Ausschnitt beschreibt Kurt Wessner die industriellen Neuanfänge der Stadt Penzberg nach der Schließung des Bergwerks 1966 und der Ansiedlung von MAN durch Vermittlung des bayerischen Wirtschaftsministers Otto Schedl.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Kurt Wessner, geführt am 10.01.2000 im Rahmen des Projekts Bergbau in Penzberg, über seine Kriegserlebnisse, die "Penzberger Mordnacht" 1945, den Zustrom von Heimatvertriebenen, sein Studium (Hoch- und Tiefbau) in München, seine sechsjährige Berufserfahrung in den USA, seine Tätigkeit in der Stadtverwaltung Penzberg seit 1962, seinen Aufstieg zum 2. und 1. Bürgermeister und die strukturellen Veränderungen in Penzberg durch die Schließung des Bergwerks 1966.

Biogramm

Kurt Wessner, geb. 1930, hat schon als Jugendlicher die besondere Mentalität und die speziellen politischen Verhältnisse in der Bergarbeiterstadt Penzberg erlebt. Nach einem Architekturstudium arbeitete er in den USA, kam 1961 zurück und übernahm von 1962-72 das Amt des Stadtbaumeisters. Bereits ab 1966 trug er als 2. Bürgermeister (SPD) mit dafür Verantwortung, dass nach der Schließung der Grube am 30.9.1966 für ca. 2.000 Bergleute neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Von 1972 bis 1996 war Kurt Wessner 1. Bürgermeister der Stadt Penzberg.
GND: 1067476849

Inhalte

1930 in Bad Tölz geboren, Kindheit in Penzberg verbracht, Volksschule, Oberschule in Weilheim, zeitweilig wegen Versetzung des Vaters zwei Jahre auf der Oberschule in Landeck-Zams/Tirol, 1944 Rückkehr nach Penzberg, 1944 Luftangriff auf Penzberg, Eindruck vom Bergwerk Penzberg als Jugendlicher, Mentalität Penzbergs, verschiedene Nationalitäten, Prägung durch Bergbau, Umland agrarisch geprägt, Leute aus dem Umland die im Bergwerk arbeiteten verbreiteten die Mentalität, distanzierte Haltung zum Nationalsozialismus, Gleichschaltungsversammlung in der Stadthalle, Bergleute stehen auf und gehen, Verhaftungen, Konzentrationslager Dachau - "Penzberger Mordnacht" 28.04.1945, Warten auf Amerikaner, Wehrmacht, Trubel am Rathaus, Bürgermeister Rummer, Ausgangssperre, sonntäglicher Kirchbaum, Erhängte mit weißen Schildern, Werwolf (Wehrwolf), die Toten gekannt, Turnlehrer, Frau Fleißner, Herrn Tauschinger wird der Strick durchschossen, gelingt die Flucht, später Kronzeuge, Verhaftung im Rathaus, Oberstleutnant Ohm, Bauernfeind, Leute aus den Wohnungen geholt, Leute an den Balkonen neben dem Rathaus und an den Bäumen in der Bahnhofstraße und Gustavstraße erhängt, Radioansprache der Freiheitsaktion Bayern, Rupprecht Gerngross, Konrad Eisent, Bergwerkssprengung verhindert, Bemühen um unblutige Übergabe an Amerikaner, NS-Bürgermeister Vonwerden abgesetzt, Gauleiter Giesler veranlasst die Wehrwolf-Aktion, Todesurteil über Stadträte - Kriegsende, 30.04.1945 Einzug der Amerikaner, Farbige, Bonbons, Kaugummi, Zigaretten, Trupp mit Fahrzeugen Richtung Bahnhof, Einquartierung von Amerikanern in der Wohnung, zwischenzeitlich im Bahnhof untergebracht, nach drei Wochen Rückkehr in die Wohnung, keine Möbel mehr, Versorgung mit Kaffee und Schokolade, ehemalige KZ-Häftlinge, Zug von München nach Tutzing, Diebstähle, Bedauern, unterernährt, Bürgermeister Prandl zweitweise im KZ, Alois Hundhammer, bei Freunden im Keller ausländische Sender gehört, Wissen um den verlorenen Krieg - Zustrom der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge, Sudetendeutsche, Direktor Balthasar, Walter, Bergbaukenntnisse, Engagement für Bergbau und Vereine, Hasler, Tradition der Integration, Solidarität, Blinddarmoperation am Knappschaftkrankenhaus, bessere Essensrationen der Bergleute, Hoch- und Tiefbaustudium in München, Diplomarbeit 1952, Arbeit im Planungsbüro, Wohnhäuser für Amerikaner im Perlacher Forst, Verbindungsmann zwischen Finanzbauamt und Amerikanern, sechs Jahre in den USA gearbeitet, Rückkehr nach Deutschland 1961 - Tätigkeit als Stadtbaumeister in Penzberg, Anruf von Bürgermeister Prandl, Bauunternehmer Sonnleitner, Bauleitung der Kläranlage, seit 1962-1972 bei der Stadt angestellt, 1966 Stadtrat, zweiter Bürgermeister, Kämmerer Kratzer, Zeit der Umstrukturierung - Siedlungshäuser für die Bergleute, Erbpacht, Neue Heimat, Wohnbau GmbH Weilheim, Verbesserung der Wohnverhältnisse, alte Bergarbeiterhäuser aus dem 19. Jahrhundert, Stadtmuseum, Anwachsen der Kohlehalden - Probleme der Industrieansiedlung, Firma Deckel, Oberkohle verhindert die Ansiedlung, Bundesbahnkraftwerk - Absatzschwierigkeiten, Penzberg, Peißenberg, Hausham, Ruhrkohle, Kraftwerksbau wurde nicht fertig gestellt, erste Entlassungen 1959, Bergwerk als einzige Erwerbsquelle, endgültige Schließung 1964/65, Veranstaltung der IG Bergbau in der Stadthalle, Landtagsabgeordnete, Franz Josef Strauß wurde des Saals verwiesen, Protestaktionen, Wirtschaftsminister Otto Schedl, Grundstücke des Bergwerks, horrende Preise, Wohnbaugebiet für MAN-Ansiedlung genutzt - Errichtung des MAN-Werks, Umschulung von Bergleuten, Omnibusbau, Abwerbung der Bergleute, Parteizugehörigkeit im Strukturwandel, SPD, CSU, Schedl, Prandl, Hilfe bei der Ansiedlung von MAN - Proteste gegen die Bergwerksschließung, Einsicht der Bergleute, Erschließung des Gewerbegebiets, Kanalbau, Betriebsansiedlungen: Parex, Simpelkamp, Neuberger, Hartmann, schwere Arbeitsbedingungen unter Tage - Strukturwandel und Mentalität, Kameradschaft, 70 Vereine in Penzberg, Stadtsanierung, Städtebauförderungsprogramm, läuft wegen fehlendem Eigenkapital aus, Hochhäuser im Stadtkern, Wohnungsamt, Altstadtsanierung, Stalldacher Hof, Schörghuber, Wohnbauflächen, Wellenbad, Berghalde zum Freizeitgebiet umfunktioniert, Realschule, Gymnasium, Böhringer, Zuzug von Akademikern, Einkaufsstadt, Bergwerkstradition, Auslandserfahrung, Entwicklung als Kommunalpolitiker, Hauptausschuss des Städtetages, Planungsausschüsse, Gemeindetag, Wohnungsbau und Wohnungsverteilung - Wirtschaftliche Veränderungen der 1980er Jahre: Städtisches Altersheim, Kindergärten, Schulen, Aussegnungshalle am Friedhof, Feuerwehrgerätehaus, Hotel, alte Gaststätte "Berggeist" abgerissen, Verbesserung der Infrastruktur, Erhalt des Stadtzentrums - Rolle von MAN, Übernahme und Umschulung der Bergleute, Omnisbusbau, Büro im Rathaus, fertiges Produkt, Absatzschwierigkeiten bei Omnibussen, Fluktuation von Arbeitskräften, Verlagerung des Omnibusbaus nach Salzgitter, Produktionsumstellung, Kleinteilefertigung, keine hohe Arbeitslosigkeit trotz Bergwerksschließung, fließender Übergang - Perspektiven: Einkaufsentwicklung, Innenstadt, keine überragenden Finanzen, Firmen Böhringer, La Roche, Forschung, Zubringerverkehr, Autobahnanschluss, Verkehrsanbindung B472, Schulansiedlung, Franz Josef Strauß, gehobenes Bildungsniveau, Umweltminister Max Streibl, Gelder für Bad, Solidarität immer noch vorhanden.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
10.01.2000
Sprache:
deutsch