Zeitzeugen berichten

Konrad O. Bernheimer Kunsthändler

Themen

Bayern in den 1960er-Jahren

Unternehmen aus Bayern

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-2054.05
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Konrad O. Bernheimer über die Einrichtung und den Aufbau des Palais Bernheimer in München bis in die 1960er-Jahre und die anschließende Umstrukturierung, sein Studium der Betriebswirtschaft und der Kunstgeschichte sowie über seine ersten Berufserfahrungen beim Auktionshaus Christie’s in London.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Konrad Bernheimer, aufgenommen am 07.10.2020 in München, über die Geschichte des Familienunternehmens Bernheimer, das Selbstverständnis der Familie als Teil des konservativen Münchner Großbürgertums, die (Gewalt-)Erfahrungen seiner jüdischen Vorfahren während der NS-Zeit, die Emigration nach Venezuela 1940, die Traumata in der Familie, den Umgang der Bernheimers mit Religion, den Wiederaufbau des Familienunternehmens in München durch seinen Großvater, seine Ankunft in Deutschland als Vierjähriger, seine Schulzeit, die Heranführung an Kunst und das Familienunternehmen durch seinen Großvater sowie über die Übernahme und Umgestaltung der Firma ab 1977.

Biogramm

Konrad Otto Bernheimer wurde 1950 in Rubio (Venezuela) geboren. Er ist der Sohn des Münchner Antiquitätenhändlers Kurt Bernheimer, der nach Misshandlungen und der Enteignung durch das NS-Regime zusammen mit dem Großvater Otto Bernheimer 1939 zuerst nach England und 1940 nach Venezuela emigriert war. Nachdem der Großvater bereits 1945 wieder nach München zurückgekehrt war, kam Konrad Bernheimer 1954 zusammen mit seiner Mutter ebenfalls in München an und besuchte hier die Volksschule. Anschließend war er Internatsschüler im Landschulheim Marquartstein im Chiemgau. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre und Kunstgeschichte an der LMU München. 1977 übernahm Konrad Bernheimer, der bereits in der Kindheit von seinem Großvater in die Geschäfte des Hauses Bernheimer eingeführt worden war, als Geschäftsführender Gesellschafter und Komplementär das Familienunternehmen in München. Als späterer Mehrheitseigentümer verkaufte er den Stammsitz und wandelte das Unternehmen in Bernheimer Fine Old Masters um. Konrad Bernheimer richtete das Geschäft neu aus und entwickelte sich im Lauf der Jahre vom Antiquitätenhändler zu einem der bedeutendsten Kunsthändler in Europa.

Inhalte

Geboren 1950 – Anfänge des Familienunternehmens Bernheimer – Eröffnung eines Ladens für Kleiderstoffe in München 1864 – Entwicklung des Unternehmens hin zum Einrichtungshaus bis Anfang des 20. Jahrhunderts – Orientierung am Historismus – Großbürgerlicher und adliger Kundenkreis vor 1918 – Wegfall vieler Kunden nach 1918 – Verhältnis des Großvaters und seiner Generation zur jüdischen und christlichen Religion – Erfolgsrezept des Hauses Bernheimer – Schwierigkeiten während der Weimarer Republik wegen Wirtschaftskrise und Antisemitismus – Selbstverständnis der Familie als Teil des konservativen deutschen Großbürgertums – Austritt und Ausschluss aus antisemitisch geprägten Vereinen – Drängen auf Emigration von Seiten der jüngeren Familienmitglieder 1935/36 – Entscheidung gegen die Emigration zugunsten des Geschäfts – Florierendes Geschäft nach 1933 – Kundenkontakt mit Hermann Göring – Auswirkungen der Reichspogromnacht 1938 – Verhaftung mehrerer Familienmitglieder und Verschleppung ins Konzentrationslager Dachau – Mit Gewalterfahrungen und Enteignung verbundene Emigration über England nach Venezuela mithilfe des mexikanischen Präsidenten – Halbjährige Internierung des Vaters in England nach der Kriegserklärung an Deutschland – Erfolgreiche Instandsetzung der von Hermann Göring zwangsabgekauften Kaffeeplantage in Venezuela – Heirat des Vaters und einer Venezolanerin – Bestrebungen des Großvaters zum Wiederaufbau des Unternehmens in München bereits ab 1945 – Nervenzusammenbruch des Vaters bei seinem ersten München-Besuch 1948 – Selbstmord des Vaters vor der Ausreise nach Deutschland 1954 – Herausforderungen des Großvaters beim Wiederaufbau des Geschäfts in Deutschland – Frage der deutschen Staatsbürgerschaft – Schwierige Anfangszeit in München ab 1954 – Erlernen der deutschen Sprache und des bayerischen Dialekts – Kindheit und Schule im München der Nachkriegszeit – Beziehung zum Großvater – Heranführung an Kunst und das Familienunternehmen im Grundschulalter – Glückliche Zeit im Landschulheim Marquartstein im Chiemgau – Einrichtung des Bernheimer-Hauses in den 1950er- und 1960er-Jahren – Umgestaltung des Hauses in den 1960er-Jahren – Studium der BWL und Kunstgeschichte – Einfluss des Eichmann-Prozesses 1961 auf die Familie – Familieninternes Schweigen über NS-Zeit und Judentum – Eigene katholische Prägung – Traumata der Mutter – Vererbung von Traumata – Fortexistenz nationalsozialistischen Gedankenguts – Mögliche Verdrängungsprozesse des Großvaters – Übernahme des Familienunternehmens 1977 – Umstrukturierung des Unternehmens – Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der eigenen Vorstellungen – Verschaffen von Respekt durch Erfolge – Verkauf des Bernheimer-Hauses 1987 und Aufbau einer kleinen Galerie – Spezialisierung auf den Handel mit Alten Meistern – Ausrichtung der Kunsttage „Munich Highlights“ – Einrichtung einer Dependance in London – Vertiefte Beschäftigung mit dem Judentum.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
07.10.2020
Sprache:
deutsch