Zeitzeugen berichten

Dr. Gyula Borbándi Jurist; Journalist; Schriftsteller

Themen

Bayern im Kalten Krieg / Leben am "Eisernen Vorhang"

Flucht aus der DDR

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-0657.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1989

Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Dr. Gyula Borbándi über die politische Rolle Ungarns beim Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90. Die aufgeschlossene Einstellung Ungarns für einen Ost-West-Ausgleich war entscheidend für den Beschluss, DDR-Flüchtlinge über die ungarisch-österreichische Grenze in den Westen zu lassen.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Dr. Gyula Borbándi (Ungarn), geführt am 03.01.2001 im Rahmen des Projekts Bayern und Ungarn, über die Situation Ungarns im Zweiten Weltkrieg, die kommunistische Machtübernahme 1947, die eigene Flucht über Österreich in die Schweiz, die Arbeit bei Radio Free Europe (RFE) in München, den Ungarn-Aufstand 1956 und die Vorbereitung der friedlichen Revolution von 1989 durch die Grenzöffnung in Ungarn.

Biogramm

1919 in Budapest geboren, 1930er-Jahre: Engagement in der ungarischen Populismus-Bewegung, 1942 Promotion in Rechts- und Staatswissenschaften, Militärdienst, Flucht aus dem Lazarett in Thüringen 1945, Anstellung im ungarischen Kultus- und Unterrichtsministerium, 1949 Flucht in die Schweiz, Redakteur für ungarische Zeitschriften, 1951 bis 1958 Redakteur bei Radio Free Europe (RFE) in München, 2014 gestorben.

GND: 129735345

Inhalte

1919 in Budapest geboren, Arbeiterfamilie, 1930 Mittelschule, Gymnasium, 1938 Abitur, Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, Promotion 1942, Magyiarisierungspolitik: Anpassungsdruck der deutschen und jüdischen Minderheit, Probleme der NS-Zeit, Transdanubien, deutsche Dörfer, Bekenntnis zum "Deutschtum" - Antisemitismus in Ungarn: keine äußeren Übergriffe, erst Ende 1944, Judenverfolgung mit ungarischer Beteiligung von Berlin aus organisiert, tolerante Haltung des Reichsverwesers Horthy - Das Bild Bayerns in Ungarn: in der Schule: Entstehung des Deutschen Reiches, Rolle Bayerns in der ungarischen Geschichte, Sisi, Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn 1867 - Die Bedeutung des Vertrags von Trianon: Ende des Vielvölkerstaats, ethnische Zusammensetzung, deutsche Minderheit, 2/3 des Territoriums verloren, 1/3 der Ungarn im Ausland, Grund für die Anlehnung Ungarns an Italien und Deutschland - Das politische Klima im Nachkriegs-Ungarn: Besetzung durch Rote Armee, keine Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung, Niederschlagung des Ungarnaufstands 1956 - Die Rolle der ungarischen Populisten, Schriftstellergruppe mit agrarischer Orientierung, Interesse für Probleme der Agrarproletarier und die Lebensverhältnisse auf dem Land, Studienzeit, Landforscherarbeit, sowjetischer Einfluss der Nachkriegszeit, 1945 Mitglied der Nationalen Bauernpartei, Beginn von Emigrationen, Entschluss zur Emigration Ende 1948 - Kriegszeit: 1942 zum Militär eingezogen, Artillerieeinheit in Siebenbürgen, im Frühjahr 1945 an die Front, West-Ukraine, Rückzug über Nord-Ungarn, Slowakei, Tschechien, am 15.03.1945 Verwundung an beiden Beinen, Lazarett in Thüringen, Greiz, Mitte April 1945 Befreiung durch die Amerikaner, Juni Flucht aus dem Lazarett, schlug sich zur Donau durch, Mauthausen, Linz, Wien, in Wien Eisenbahner mit Tabak bestochen, Sopron (Ödenburg), Judentransport - Rückkehr in die Heimat, Stellung im Unterrichtsministerium, Zukunft Ungarns, Hoffnung auf Einfluss der Westmächte, Alliierte Kontrollkommission, Sowjetisierung, Mehrparteienregierung, 1947 Flucht des Ministerpräsidenten Ferenc Nagy nach Westen, Machtübernahme der Kommunisten - Der Entschluss zur Flucht: Bindung an die Heimat, Sprachprobleme, mit Schleuser illegal über die österreichische Grenze, 12.1.1949, Schnee, durch Österreich in die Schweiz - Exil in der Schweiz: Imre Kovács, Treffen in Zürich, Weg durch Österreich schwierig, keine Lebensmittel, in der Schweiz: Unterstützung durch die Caritas, Geld, Heimunterbringung, Bedingung: Schweiz nur Transitland, Beantragung der Ausreise, Arbeit im Hotel, 06.10.1951 Nachricht von der Gründung von Radio Free Europe (RFE) in München - Radio Free Europe und der Ungarnaufstand 1956, Mitauslöser, 23.10.1956 normaler Tag, Kinobesuch, Agenturmeldungen, Verbreitung der westlichen Agenturmeldungen, keine eigenen Meldungen, Hoffnung in Ungarn auf Unterstützung des Westens, Enttäuschung, Informationen aus Szeged, Debreszen, Sopron, Pecs, keine Aufforderungen, Informationen über amerikanische Haltung, Treffen von Dulles mit Malenkow und Chruschtschow auf der Insel Brioni, Tito als Vermittler, 04.11.1956 Ende des Aufstandes - Die Situation der ungarischen Exilanten: Probleme der Kommunisten in den westlichen Ländern, Aufnahme ungarischer Flüchtlinge, nach 1956 bessere Behandlung der ungarischen Flüchtlinge in Westeuropa, 200.000 Ungarn verließen das Land, viele Studenten, Aufnahme an westlichen Universitäten, USA, Verhältnis der Ungarn zum Westen - Die politischen Veränderungen Ende der 80er Jahre, US-Präsident Ronald Reagan, Michail Gorbatschow, Mitwirken der Ungarn, Grenzöffnung für DDR-Bürger, Außenminister Horn, Pozsgay, Németh - Rückkehr nach Ungarn, 1987 Visum, 1988, 1989 erneut in Ungarn, seitdem jährlich in Ungarn, Wohnsitz weiterhin in München - Gemeinsamkeiten zwischen Ungarn und Bayern, bayerische Investitionen, kulturelle Kooperation, Schriftsteller - Die Vertreibungen, "Ungarn-Schwaben" - Situation der Mutter nach B.s Flucht.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
03.01.2001
Sprache:
deutsch