Zeitzeugen berichten

Bayern-Böhmen Miloslav Vlk // Kardinal

Signatur: zz-1200.01
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Kardinal Miloslav Vlk, geführt am 19.03.2007 in Prag, im Rahmen des Projekts: Bayern-Böhmen, über seine kirchliche Laufbahn, Kirche in der kommunistischen CSSR sowie die Probleme der katholischen Kirche nach der Wende.

Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Kardinal Miloslav Vlk über den 1990 von ihm als damaliger Bischof von Budweis verfassten Versöhnungsbrief an die Vertriebenen aus den katholischen Gegenden des Böhmerwalds.

Biogramm

1932 in Südböhmen geboren, aufgrund der Kirchenverfolgung war es Vlk 1952 nicht möglich, katholische Theologie zu studieren und Priester zu werden; Monteur in einer Autofabrik, Militärdienst, 1955-1960 Studium der Archivwissenschaft an der Karls-Universität Prag, 1960-1964 Archivar in Südböhmen, 1964 Theologiestudium, 1968 während des Prager Frühlings Priesterweihe, mehrfache Versetzungen, 1978 bis 1978 jegliche priesterliche Tätigkeit untersagt, acht Jahre als Fensterputzer in Prag, dann Archivar bei einer Bank, Kontakte mit der Fokolar-Bewegung, nach 1989 wieder als Priester tätig, 1990 Bischof von Budweis, 1991 Erzbischof von Prag, 1994 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal. Miloslav Vlk starb am 18.März 2017 in Prag.  
GND: 119157292

Inhalt

Jugendzeit, einfache "ärmliche" Verhältnisse, kleine Landwirtschaft, Mitarbeit, religiös geprägte Dorfgemeinschaft, "Berufung" zum Priester, Internat in Budweis, Gymnasium, mit dem Ziel Priester zu werden, im Kommunismus, keine Möglichkeit ins Priesterseminar einzutreten, Studium an der Karls-Universität in Prag, Archivwesen, Direktor des Stadtarchivs in Budweis, 1964 Möglichkeit ins Priesterseminar einzutreten - Lebenslauf als Geistlicher, 1968 Priesterweihe, Sekretär des Budweiser Bischofs, in den Böhmerwald versetzt, 1979 Arbeitsverbot als Priester, 10 Jahre Fensterputzer in Prag, 1989 wieder Priester, 1990 Bischof von Budweis - Nachkriegszeit, keine kirchliche Organisation, Kleine Gruppen, deutsche Besatzung, deutsch gelernt, nach dem Internat, keine Chance auf Studium, daher Arbeit in einer Eisengießerei, dann Militärdienst, Unteroffizier, dann Studium, 1960 abgeschlossen als Archivar, Archivar in Budweis, 1948 Priester inhaftiert, Auflösung des Großen Seminars (Priesterseminar) - Tätigkeit in Böhmerwald-Gemeinden, Prachawitz, Kontakte auch zu Deutschen, um 1968 häufiger, Hilfe, vor allem Bücher, Kontakte zum Erfurter Priesterseminar, Kontakte mit der Ackermann-Gemeinde, 1968 Besuch in München, Reisen in die DDR relativ einfach, 1961, 1962 Besuche in der DDR, dort relative Freiheit, Die Fokolar-Bewegung, Glaube half die Repressalien zu ertragen - Einschränkung der kirchlichen Arbeit, keine Jugendarbeit möglich, Hören von Radio Vatikan, Radio Free Europe (RFE),  Kirche im Untergrund, geheime Priesterweihe, geheime Jugendarbeit, geheime Treffen in der Natur oder auf dem Land - Arbeit als Fensterputzer, täglich die Messe mit Freunden gehalten, Beichte in der Öffentlichkeit  abgenommen, in einem Gerichtsgebäude - Grenzerlebnisse 1989 Öffnung der Grenze, Schwachrow, Czelesnaruda, Kontakte mit Deutschen, Erneuerung alter Friedhöfe und Kirchen, Besuche in Bonn und München - Brief an die vertriebenen katholischen Böhmerwäldler, weiter Teil der Gemeinde, gemeinsamer Brief mit der Deutschen Bischofskonferenz, Bitte um Vergebung für gegenseitiges Unrecht, Bundesverdienstkreuz - Die katholische Kirche in Tschechien, Dissidenten Kontakte zu Kardinal Tomasek, Desillusionierung bezüglich dem vorherrschenden Materialismus, Erneuerung der Strukturen, Probleme mit der Priesterweihe, griechisch-katholische Kirche, Eigentumsprobleme, Gebäudeerhaltung, schwieriges Verhältnis Kirche-Staat, Konflikt um Eigentumsrechte des Veitsdoms - Bilanz der Tätigkeiten, Laienarbeit - Verhältnis Deutsche-Tschechen, wirtschaftlich, kulturell.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
19. Mär 2007
Sprache:
deutsch