Zeitzeugen berichten

Lola Sinz (geb. Kronheimer) Pianistin, Sängerin, Klavierlehrerin, Korrepetitorin, Pädagogin, Landwirtin

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Themen

Auswirkungen der Nürnberger Rassengesetze

Jüdisches Leben

Musik

Zeiträume

Weimarer Republik (1919 - 1933)

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Nachkriegszeit (1945 - 1949)

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
tobre 131-134
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Heike Bretschneider)

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Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Lola Sinz (geb. Kronheimer), geführt 1989, über ihre Verfolgung als jüdische Künstlerin im Nationalsozialismus und den schwierigen Neubeginn nach 1945 (nur Ton).

Inhalte

tobre 131: Lola Kronheimer wurde am 25.03.1910 in München geboren, ihre Mutter war Christin, sie stammte aus einer alten Münchner Musikerfamilie. Ihrem Vater zuliebe konvertierte die Mutter zum jüdischen Glauben. Jüdische und christliche Feste wurden gleichermaßen gefeiert und die Familie gehörte der liberalen jüdischen Gemeinde an. Lola Kronheimer studierte seit 1928 Klavier an der Akademie für Tonkunst, ihr Lehrer war Professor August Schmid-Lindner. Sie absolvierte 1931 ihre Prüfung für die Meisterklasse. Mit der Pianistin Erna Forster brachte sie 1932 im Odeon das  Werk für zwei Klaviere von Karl Höller zur Uraufführung. Dadurch lernte sie den Münchner Kritiker, Musikschriftsteller und Komponisten, den 27 Jahre älteren Wolfgang von Bartels kennen und sie wurden bald ein Paar. Am 19.03.1933 spielte Lola Kronheimer noch in einem Konzert mit dem Cellisten Rudolf Metzmacher die Cellosonate von Bartels. Kurz danach wurde sie aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Durch den neu gegründeten Jüdischen Kulturbund war es noch möglich, Konzerte zu geben. Lola Kronheimer spielte in München, Würzburg, Augsburg. Mit den Nürnberger Gesetzen 1935 wurde der Jüdische Kulturbund aufgelöst. „Halbjuden“ wurden von nun an, wenn sie jüdischen Glaubens waren, als Volljuden eingestuft. Ihre Beziehung zu Wolfgang von Bartels galt offiziell als Rassenschande und sie konnten sich nur noch heimlich treffen. 1938 starb Wolfgang von Bartels. tobre 132:  Eine ehemalige Studienkollegin, die Pianistin Rosl Schmid, bat Lola Kronheimer, sie bei der Vorbereitung ihrer Konzerte zu unterstützen. Zu einer engen musikalischen Zusammenarbeit kam es auch mit dem Solocellisten der Hamburger Philharmoniker, Rudolf Metzmacher. Er war seit 1940 an der Frankfurter Musikschule und seit dieser Zeit probte sie und bereitete mit ihm alle seine öffentlichen Auftritte vor. Er war inzwischen auch Mitglied des Stross Quartetts. Seit Kriegsbeginn musste Lola Kronheimer den Judenstern tragen und erhielt den Vornamen Sarah. 1944 wurde sie dienstverpflichtet in einer Hutfabrik. Der Besitzer der Fabrik holte sie nach einiger Zeit für Arbeiten in sein Büro. Im Februar 1945 bekam sie den Befehl zur Deportation. Vergeblich versuchte ihr Chef, dass der Befehl aufgehoben würde. Daraufhin riet er ihr, sich bis zum Kriegsende auf dem Land zu verstecken und sagte, sie solle sich mit seinem Firmenstempel falsche Papiere zu einer Fahrt ins Allgäu anfertigen. Sie fuhr nach Immenstadt und ging zu Fuß weiter. In der Nähe von Sonthofen hatte sie vor Jahren auf einem Hof  bei der Familie Hartmann Urlaub gemacht. Obwohl das Haus voller Flüchtlinge war, nahmen Hartmanns Lola Kronheimer auf und gaben ihr als Versteck ein kleines Dachzimmer. tobre 133: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Hof marokkanische, später amerikanische Soldaten einquartiert. Lola Kronheimer begann der Familie Hartmann in der Landwirtschaft zu helfen, vor allem die Kühe zu hüten. Das Leben auf dem Land half ihr, die schreckliche Vergangenheit zu verarbeiten und langsam die seelischen Wunden zu heilen. Sie spricht kurz über die Entnazifizierung auf dem Land. Lola Kronheimer wollte nur ein ganz normales Leben, heiratete einen Bauern und führte bis zu seinem plötzlichen Tod mit ihm 40 Jahre eine gute Ehe. Da sie keine eigenen Kinder bekommen konnten, adoptieren sie zwei Mädchen und einen Buben. Sie bauten neben der Landwirtschaft einen kleinen Lebensmittelladen und eine Gastwirtschaft auf. tobre 134: Lola Sinz spricht davon, dass sie Jahrzehnte lang nicht einmal mehr Musik hören, geschweige denn selber spielen konnte. Ihr fehlte die innere Freiheit. Erst nach dem Tode ihres Mannes und nachdem viele ihrer Pflichten als Bäuerin und Chefin fortgefallen waren, fand sie wieder den Zugang zur Musik.

Daten

Art:
Thematisches Interview (nur Ton)
Dauer:
ca. 2 h
Aufnahmedatum:
04.08.1989
Sprache:
deutsch