Zeitzeugen berichten

Werner Loval Emigrant

Themen

Auswanderung / Flucht / Emigration

Franken

Reichspogromnacht / "Reichskristallnacht" 1938

Zeiträume

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg (1933 - 1945)

Signatur
zz-0503.02
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1939

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Werner Loval über die Panik, die nach der Reichspogromnacht unter den Juden in Deutschland ausbrach, und wie seine Eltern versuchten, 1939 in die USA auszuwandern.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview mit Werner Loval, geführt am 28.08.1998, über seine Kindheit und Jugend in Bamberg, den zunehmenden Antisemitismus in den 1930er Jahren, die "Reichskristallnacht" 1938, seine Flucht nach England, seine Auswanderung in die USA und sein Engagement in der zionistischen Bewegung.

Biogramm

Geboren 1926 in Bamberg als Werner M. Loebl, gutbürgerliche Familie, Kaufleute und Händler, nach der Reichspogromnacht 1938 der Schule verwiesen, Vater verhaftet, über einen Kindertransport mit seiner Schwester Erika nach England emigriert (1939), High School, 1942 Auswanderung nach Ecuador, dort Wiedervereinigung mit seiner Familie, Übersiedelung in die USA, Auswanderung nach Israel, Karriere im diplomatischen Dienst Israels, Engagement in der zionistischen Bewegung.

GND: 121555151

Inhalte

1926 in Bamberg geboren, Volksschule, Gymnasium, normales Leben in der Kleinstadt, Schulausflüge, Familienfeiern, jüdische und christliche Freunde, Max Lerchenfeld, Kronprinz von Sachsen, wenig Einfluss der Nazis auf die Schule, anständiger Direktor, später von den Nazis abgesetzt, 10.11.1938 Reichspogromnacht ("Reichskristallnacht"), Schock, Boykott jüdischer Geschäfte 1933, das Leben ging weiter, ab 1933 die Ferien immer im europäischen Ausland verbracht, in Bamberg bis 1937/38 normales Leben, Vater Mitglied eines Liederkranzes, Musikverein, Familie sah keinen Grund zum Auswandern, Vater und seine Brüder im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, lange Geschichte der Familie in Deutschland, Familie der Großmutter seit 1750 in der Bamberger Gegend, Dokumente: Schutzbriefe, jüdische Familien in Bamberg wichtig für Industrie und Handel, Gärtner und Bamberger Bierbrauer, Warenhaus "Tietz" (später Hertie), katholische Stadt, weniger NS-Einfluss als in Nürnberg, jüdische Vereine, gutes Zusammenleben mit Nichtjuden, Familienunternehmen, im Gymnasium einziger Jude in der Klasse, die meisten Lehrer sehr anständig, nur wenige machten antisemitistische Bemerkungen, gute Freunde in der Klasse, Jugendverband, zionistische Organisation, die meisten Familien waren assimiliert, Ärzte, Wissenschaftler, Politiker, Verwurzelung in der deutschen Kultur, Nürnberger Gesetze, Dienstmädchen mussten gehen, "Stürmer" in Glaskästen an der Wand, normale Kindheit bis 1937/38, Reichspogromnacht, brennende Synagoge, morgens zum Rektor Dr. Schäfer gerufen, Schulausschluss, Verhaftung aller jüdischer Männer über 18 Jahre, Ermordung des deutschen Diplomaten von Rath in Paris, Vater ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen, "Arisierung": Autos wurden abgeholt, Führerscheine entzogen, Vater nach 3 Wochen frei gelassen, Hilfe durch Unternehmer, der Betrieb übernehmen wollte, Vater nach Haft in Dachau anderer Mann, gesundheitliche Schäden, Versuch zu emigrieren, Kriegsgefahr in Europa, Registrierung für Visum in die USA, Konsulat in Stuttgart, Nummer auf der Warteliste, Bereitschaft der Engländer 10.000 jüdische Kinder aufzunehmen, allerdings ohne Eltern, Auswanderung durch Kindertransport durch Bekannte mit Beziehungen in England ermöglicht, Juni 1939 Schwester und L. emigrierten nach England, Boarding School, Schule aus Herrlingen bei Ulm die nach England umgezogen war, deutschsprachige Lehrer und Schüler, erleichterte Akklimatisierung, Englisch lernen, ähnliche Erfahrungen der Kinder dort, Verwandte kümmerten sich, bis September 1939 Briefverkehr mit den Eltern, nach 1939 Briefverkehr über Verwandte in neutralen Ländern, Schweiz, Belgien, Luxemburg, vergebliche Versuche der Eltern, bei verschiedenen Konsulaten ein Visum zu erhalten, Ausweitung des Krieges, Eltern schickten Möbel nach Holland, durch deutschen Einmarsch diese verloren, September 1940 Telegramm aus Moskau, Eltern hatten Visum für Ecuador, Ausreise über Russland, Moskau, Transsibirische Eisenbahn, Korea, Japan, Schiff nach Mexico, Panama, von Panama Weiterfahrt nach Ecuador, Großmutter blieb in Bamberg, später ermordet, Deutschland ohne Besitz verlassen, Sühnegeld "Reichsfluchtsteuer", Geld für Visum, Verwandte Miss Lazarus, bei Hilfskomitee in England, Ring in Niveacreme gerettet, Abfahrt mit dem Zug in Würzburg, getrennte Flucht der Familie, zuerst Rettung der Kinder, kein Gedanke an Rückkehr, Zionismus, Notwendigkeit eines jüdischen Staates wenn kein Land die Flüchtlinge wollte, Flüchtlingsschiffe, Schule in Kent, in den Norden Englands evakuiert, Shotshire, nach Schulabschluss 1942 Frage, ob man in England bleiben oder nach Ecuador gehen sollte, Miss Lazarus war bereit, die Fahrt zu bezahlen, Gefahr durch U-Boote, mit Frachtschiff von England nach Argentinien, Buenos Aires, September 1942, Konvoi von 30 Schiffen, 2 wurden versenkt, mit Eisenbahn und Auto bis Valparaiso/Chile, Schiff, Guayaquil/Ecuador, Wiedersehen mit den Eltern nach 3 Jahren, unterwegs Hilfe von ausgewanderten Bamberger Juden, Rundbrief "letter from Bamberg", von Herbert Loebl, Vater: wurde Partner einer Regenmantelfabrik, Vater starb 1944, nach dem Krieg 1945 Auswanderung in die USA -Arbeit in Ecuador zuerst in einem Laboratorium, Arbeit bei amerikanischer Militärmission der Amerikanischen Botschaft in Quito, Aktivität in zionistischer Bewegung, später in den USA, Gelegenheit in den Außendienst des Staates Israels zu treten, 1949, spanische Sprachkenntnisse, Werbung um Unterstützung der latein-amerikanischen Länder für die Aufnahme Israels in die Vereinten Nationen, Wirtschaftsabteilung des Israelischen Konsulats in New York, dann Israelische Botschaft in Washington, Botschafter Aba Eban, die Zeit von 1947-1949 günstig für die Gründung eines jüdischen Staates, seit 1954 in Jerusalem, Verbindung nach Bamberg, Freunde, ehemalige Angestellte, Erzählungen für Enkelkinder, Einladung durch Bürgermeister zur Enthüllung eines Mahnmales am Synagogenplatz, Bürgermeister: Röhner, Lauer, Gustav Matschl, Interview mit der Zeitung "Der Fränkische Tag", Bewusstsein für jüdische Vergangenheit in Bamberg, Reaktionen der deutschen Bevölkerung auf die Reichspogromnacht, Vorstand der Gemeinde Willi Lessing, Versuch Thorarollen zu retten, wird bei Versuch zusammen geschlagen, stirbt an den Verletzungen, brennende Synagoge mit Feuerwehr die nur die Nachbarhäuser schützt, Antisemitismus, deutscher "Nationalcharakter", Unterschiede zwischen der Weimarer Republik und heute, wenige unabhängige politische Gruppen die sich den Nazis entgegenstellten, Onkel war sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, keine demokratischen Wurzeln, Besuche in Deutschland, heute Demokratie, neue Generation, Fragen der Nachkriegsgeneration, erster Besuch in Deutschland 1954, andere Atmosphäre als heute, geringerer Erfolg der Nationalsozialisten in Bamberg aufgrund der katholischen Kirche, Teilnahme an Fronleichnamsprozessionen, Bamberger im KZ: Dr. Thomas Dehler.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:00 h
Aufnahmedatum:
28.08.1998
Sprache:
deutsch