Zeitzeugen berichten

Helmuth Graf Abteilungsleiter i.R.; aus Rumänien stammender Bundesbürger

Themen

Aussiedler und Spätaussiedler

Zeiträume

Bayern in der Bundesrepublik (1949 - 1989)

Signatur
zz-1975.04
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schm
Jahr
1982

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Helmuth Graf über seinen Entschluss mit seiner Familie aus dem Banat nach Deutschland auszusiedeln, die Fahrt von Rumänien nach Österreich sowie über den Prozess der Migration nach Bayern.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Helmut Graf, aufgenommen am 25.10.2019 in München, über seine Kindheit und Jugend in deutschsprachigen Gemeinden im Banat, die lange Flucht seiner Familie nach Österreich am Ende des Zweiten Weltkriegs, die erzwungene Rückkehr in die Banater Heimat, die Schikanen durch die Behörden und die Geheimpolizei, den Entschluss mit seiner Familie nach Deutschland auszusiedeln, den Prozess der Eingliederung in Bayern und seine berufliche Laufbahn bei der Firma Binder in Reichertshofen.

Biogramm

Helmuth Graf wurde 1929 in der Banater Gemeinde Sarafeld geboren. Als die Region im Zweiten Weltkrieg Frontgebiet wurde, begaben sich seine Eltern mit ihm und seinen beiden Schwestern auf die Flucht. Aufgrund der politischen Umstände musste die Familie in Österreich umkehren und gelangte wieder in das Heimatdorf. Dort absolvierte Helmuth Graf eine Ausbildung an einer Technikerschule. Er gründete später eine Familie und stellte ab 1962 Anträge zur Übersiedlung nach Deutschland. 1982 konnte die Familie nach Bayern ausreisen. Hier fand Helmuth Graf eine Anstellung als Hilfsmeister bei der Firma Binder in Reichertshofen und bereits 1983 hat man ihm dort die Leitung der Abteilung „Unterböden für Audi“ übertragen. In dieser Firma konnte er 40 Rumäniendeutschen zu einem Arbeitsplatz verhelfen und hat noch zehn Jahre nach dem Rentenalter weitergearbeitet.

Inhalte

Geboren 1929 – Kindheit und Schulzeit in den deutschsprachigen Gemeinden Saravol und Sackelhausen im Banat – Wahrnehmung des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs 1939 – Kriegshandlungen zwischen sowjetischen und deutschen Truppen um die Metropole Temeschburg – Aufforderung an die Rumäniendeutschen im Banat, zu fliehen – Flucht der Familie nach Ungarn – Weiterverteilung der Familie nach Goldberg – Einberufung des Vaters nach Prag – Erneute Flucht bis zur Großmutter nach Niederösterreich – Zwangsrückführung der Geflüchteten in ihre Heimatorte – Erlebnisse auf dem Rückweg ins Banat – Verhaftung und Internierung in einem Lager aufgrund illegaler Grenzüberschreitung – Enteignung der elterlichen Mühle 1948 – Besuch der Technikerschule in Bukarest – Weiterbildung zum Technischen Zeichner – Heirat 1954 – Erzwungene Kooperation mit der rumänischen Geheimpolizei – Erste Anträge auf Ausreise nach Deutschland 1962 – Genehmigung der Anträge 1982 – Fahrt nach Nürnberg über Wien – Wunsch nach Verbleib in Bayern – Tätigkeit als Lagerleiter bei der Firma Binder in Reichertshofen 1982 – Beförderung zum Abteilungsleiter für die Bearbeitung von Unterböden für Audi – Weiterbeschäftigung innerhalb der Firma nach dem Eintritt ins Rentenalter – Bild von Deutschland vor der Umsiedlung: Ideale Umgebung für die Rumäniendeutschen – Hilfestellung bei der Integration in Bayern durch Freunde und Bekannte – Interesse der Arbeitskollegen an der Herkunft – Engagement der Ehefrau bei der Landsmannschaft – Regelmäßige Treffen einer Seniorengemeinschaft aus ehemaligen Banatern – Zunehmender Verfall des heutigen Banats – Ähnlichkeiten zwischen den bayerischen Traditionen und Gebräuchen und denjenigen der Rumäniendeutschen – Stellenwert der Religion – Kauf eines Hauses in Ingolstadt 1996 – Lebenslauf des Sohnes – Heirat der Enkelin mit einem Rumäniendeutschen – Gestaltung des Familienlebens – Wertschätzung der neuen bayerischen Heimat – Lebenslange Selbstwahrnehmung als Deutscher – Anfängliche Skepsis der Nachbarn gegenüber den Migranten aus dem Banat – Verbundenheit mit den politischen Inhalten der CSU – Besuche in der alten Heimat – Vermittlung von Arbeitsplätzen an 40 Rumäniendeutsche – Integration der Banater in den Betrieb – Persönliches Verhältnis zur Geschäftsleitung der Firma Binder – Kontakte zu den Banatern im Raum Ingolstadt – Vollständige Integration in die bayerische Gesellschaft.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1, 5 h
Aufnahmedatum:
25.10.2019
Sprache:
deutsch