Zeitzeugen berichten

Maria Mandlinger Gewerkschafterin

Themen

Antisemitismus vor 1933

Weltwirtschaftskrise 1929

Zeiträume

Weimarer Republik (1919 - 1933)

Signatur
zz-0581.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1929

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Maria Mandlinger von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise ab 1929 auf die ländlichen Gebiete in Bayern und den wachsenden Antisemitismus.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Maria Mandlinger, geführt am 27.03.1998 im Rahmen des Projekts Frauen in Bayern, über ihre Kindheit in Glonn, ihre Kriegserlebnisse in München, den Einmarsch der Amerikaner 1945, die Not der Nachkriegsjahre, ihre Tätigkeit als Zeitungsausträgerin und als Gewerkschafterin.

Biogramm

1922 in Glonn bei Indersdorf geboren, nach der Schule Arbeit in einer Bäckerei in Indersdorf, während des Zweiten Weltkrieges Arbeit bei einer Studienrätin in München, 1943 Zunahme der Bombardierungen, Rückkehr nach Indersdorf, 1946 Heirat, 2 Kinder, Stricken von Jacken für Trachtengeschäft, ab 1952 Arbeit als Zeitungsausträgerin, 1954 Scheidung, Kassieren von Versicherungsbeiträgen, 1980 Mitglied der IG Medien, Kandidatur zu Betriebsratswahlen, Gewerkschaftsschulungen, 1991 Medaille "München leuchtet".

GND: 1067336109

Inhalte

In Glonn bei Indersdorf geboren, Dorf mit 40 Hausnummern, Bauern, Häusler, Männer hatten Lehrberuf, Zimmermänner, Wagner, Schuster, Schmied, arme Leute, Mutter jahrelang bettlägerig, trotzdem schöne Kindheit, Schule, Hausaufgaben, kleine Arbeiten, Familie: jüngerer Bruder, Stiefschwester, Stiefmutter, Spielsachen nicht gebraucht, Weltwirtschaftskrise: viele Arbeitslose, Eisstockschießen im Winter, Stempelgeld, verschuldete Bauern, Geld von Juden geliehen, wachsender Antisemitismus, Arbeitsdienst, Zeitung: "Glonntal Bote", "Völkischer Beobachter", BDM, Bild des "Deutschen Mädels", Antisemitismus, anders Denkende hatten Angst vor dem KZ, Hitlerrede im Radio beim Zahnarzt gehört, Siegesmeldungen, Stalingrad, Fliegeralarm in München, Luftschutzkeller am Nockherberg, knappe Luft, Bewusstlose, Alarm bei Hochzeit in Giesing, Angst vor Briefen mit Gefallenenmeldungen, Bruder in Russland, Verhalten der Wehrmacht, "Reichskristallnacht" (Reichspogromnacht), Sozialneid, Goebbels, bis Sommer 1943 in Harlaching, immer stärkere Luftangriffe, Rückkehr nach Indersdorf, Arbeit in der Apotheke, als Köchin, Verlobter fiel 1944 in Jugoslawien, Flüchtlingsströme, Einquartierungen, Versorgungslage auf dem Land, Kriegsende, Rache von KZ-Häftlingen an SS-Männern, Einquartierung von deutschen Offizieren in der Apotheke, starker Wechsel, amerikanischer Vormarsch, Radio, Einmarsch der Amerikaner, deutsche Soldaten am Marktplatz zusammengetrieben, Kriegsgefangenenlager in Rosenheim, Amerikaner verteilten Kaugummi, Schokolade, Zigaretten, Plünderungen, nette Amerikaner, Mann bei Besuch in Dachau kennen gelernt, wenig Wissen über Verhütung, keines der Kinder ein Wunschkind, trotzdem auf jedes der Kinder gefreut, vorgegebenes Leben, Wohnung bei Cousine in Moosburg, gegenseitige Hilfe, gemeinsamer Haushalt, Kinderbetreuung, erst ein Jahr nach Entbindung geheiratet 1947, bei Cousine in Untermiete, Jäckchen aus Mullbinden gestrickt, neben der Lebensmittelkarte Mütterkarte, extra Vollmilch, Butter, Wolle eingetauscht, ein paar Mark dazu verdient, Cousine nähte Kinderkleider, Carepaket, Tante Rosa, zweites Paket mit Babydecke, Wolle, Kinderschuhen, Windeln, Kernseife, Zigaretten, Zigaretten als Ersatzwährung, Brennholz von Windbruch in der Aubinger Lohe, Holz hinter dem Herd zum Trocknen geschichtet, bescheidene Hochzeit, 2 Pfund Kalbsgulasch, Spätzle, schwarzes Seidenkleid, Hochzeitskleid der Mutter, damals meist schwarze Hochzeitskleider mit weißem Kragen, Geldknappheit, Stricken für Geschäft: 2 Trachtenjacken im Monat, auch privat für Leute gestrickt, Scheibengardinen, Stoffwindeln, Hamstern, Rinderfett, Hilfsbereitschaft untereinander, Anstehen vor Milchgeschäft, Waschen mit der Hand, "wer fleißig ist, kommt voran", Frauen, die sich mit Amerikanern einließen, viele Männer kamen gar nicht oder erst spät aus dem Krieg zurück, Selbstständigkeit der Frauen, Hefe und Brennsuppe, gebackenes Euter, Lebertran, Bemühen um andere Wohnung, Rosa Aschenbrenner, SPD, Bezirksausschuss, andere Wohnung in Aubing, 53 qm, dort bis 1975 gewohnt, Einrichtung, 1975 gebaut, erst vor 10 Jahren erste neue Couchgarnitur gekauft, Währungsreform 1948, über Nacht die Schaufenster voll, 40 D-Mark Kopfgeld, Umstellung des Sparbuchs 10 zu 1, Geld war wieder etwas wert, zuerst Hunger gestillt, Obst, Gemüse, Sparen, Kinderbetreuung in Obermenzing zusammen mit Cousine, dann in Aubing 2 Jahre nicht arbeiten können, nebenher gestrickt, Arbeit bei Bauern, Kinder im Kindergarten, Schafställe ausgemistet, Entnazifizierung, keine Zeit sich mit Politik zu beschäftigen, Zeitungen ausgetragen, Winter, Kälte, Kassieren am Monatsanfang, Trinkgelder, Tagesablauf 1952-1975, Münchner Merkur ausgetragen, 4.30 Uhr angefangen, 6 Uhr fertig, Fahrrad vollbepackt, Zeitungen werden immer dicker, Zeit für Kinder am Tag, alleinerziehende Mutter, Versicherungen kassiert, nie Schulden gemacht, guter Kontakt zu den Lehrkräften, kranke Kinder, 1954 geschieden, 1958 wieder geheiratet, Unterbringung der Kinder bei eigener Krankheit bei Bruder, ein anderes Mal im Heim, erster Mann verheiratet mit dem Fußball, kein Interesse für seine Kinder, nie Zeit gehabt, Kinder sind anständige Leute geworden, nach der Scheidung Besuch durch das Fürsorgeamt, Marianne Strauß, Radausflug der Kinder mit 15, zweiter Mann gutes Stück älter, nicht fleißig, konnte nicht mit Geld umgehen, Schulden, starb 1966 an Krebs, nach Beerdigung tauchten neue Schulden auf, kein böser Mensch, nur haltlos, Mann ließ überall anschreiben, 1980 Eintritt in die Gewerkschaft, Kandidatur zur Betriebsratswahl, Betriebsverfassungsgesetz, Schulungen, aktiver Betriebsrat, Mitgliederversammlung, Gemeinschaft mit gleichen Interessen, Wahl in den Ortsverein, Bezirksverein, Landesbezirk, Einblick in die Arbeitssituation der Frauen, Frauen mussten mehr leisten als Männer, typische Frauenrolle: Hausfrau und Mutter, heute noch Frauen, die nicht wissen, was ihre Männer verdienen, ohne Bankvollmacht, Gewerkschaftstage, geringfügige Arbeitsverhältnisse, Vorruhestandsregelungen, ab 1987 Beisitzerin beim Münchner Sozialbericht, ungeklärte Rentensachen, 3x im Leben je eine Woche im Urlaub, das erste Mal 1989, das zweite Mal eine Woche in Mallorca von den Kindern zum 70. Geburtstag bekommen, das dritte Mal eine Woche in Kiel mit der Stiefschwester, diese arbeitete als Operationsschwester in Waldsassen, Wünsche für junge Generation, Geld muss erst verdient werden, bevor man es ausgeben kann, Familiensinn, "die Seidenstraße" von Sven Hedin, Bücher, heutiges Verständnis von Ehe, oft keine Kompromissfähigkeit.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
27.03.1998
Sprache:
deutsch