Zeitzeugen berichten

Paul Baier Oberstleutnant i.R.

Themen

Alltag in der Nachkriegszeit

Zeiträume

Nachkriegszeit (1945 - 1949)

Signatur
zz-1498.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Leo Hiemer)
Jahr
1945

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Paul Baier über seine Entlassung aus der britischen Kriegsgefangenschaft und seine Heimkehr nach Rosenheim.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Paul Baier, aufgenommen am 30.07.2012 in Kempten/Allgäu, über Kindheit und Jugend, seine Zeit in der Reichswehr und der Wehrmacht, seine Haltung gegenüber Hitler, seine Teilnahme an verschiedenen Feldzügen im Zweiten Weltkrieg, die Kriegsgefangenschaft, die Rückkehr nach Rosenheim und die Mithilfe beim Aufbau des THW sowie der Bundeswehr.

Biogramm

Paul Baier wurde 1905 in Steinberg, Kreis Ulm, als Sohn eines Bauern und Schuhmachermeisters geboren. Von 1911 bis 1918 besuchte er die Volksschule. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Schriftsetzer in Dietenheim an der Iller. Am 1. Januar 1923 trat er in die Reichswehr, Pionier-Bataillon 5, in Ulm ein. 1932 unternahm er zusammen mit sieben weiteren Pionieren eine Reise mit einem selbstgebauten Motorboot von Ulm die Donau hinab bis nach Rumänien. 1935 heiratete er Hermine Malterer, mit der er 61 Jahre verheiratet war. Im gleichen Jahr wurde er Kompaniechef beim Pionier-Bataillon 45 in Neu-Ulm. Von 1937 bis 1939 leitete er die 3. Kompanie des Pionier-Lehr-Bataillons 1 in Dessau-Roßlau. Im Zweiten Weltkrieg war Baier bis 1940 Kompaniechef im Pionier-Bataillon 651, das beim Polenfeldzug eingesetzt wurde. 1940/41 war er Kommandeur des Pionier-Bataillons 295 in Frankreich und Russland. Ende 1941 wurde er Kommandeur des Pionier-Lehr-Bataillons 3 in Rosenheim. 1944/45 war er Führer eines Pionier- sowie eines Grenadier-Regiments in der Normandie sowie an der Oder und schließlich in der „Schlacht um Berlin“. Paul Baier war kurze Zeit in britischer Kriegsgefangenschaft und kehrte noch 1945 nach Rosenheim zurück, wo er die Meisterprüfung als Schriftsetzer-Meister ablegte und anschließend wieder in seinem Beruf arbeitete. 1954 übernahm er die Geschäftsführung des neu gegründeten Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks (THW) in Rosenheim. 1956 wurde er Mitglied des leitenden Stabes zum Aufbau der Bundeswehr in Bad Neuenahr. Noch im gleichen Jahr wurde er Pionier-Geräte-Inspizient für Deutschland. 1956 übernahm er das Kommando des Depots der Gruppe Süd, Germersheim. 1960 wurde er in den Führungsstab des Heeres beim Bundesministerium für Verteidigung in Bonn berufen. 1962 wurde Paul Baier im Rang eines Oberstleutnants in den Ruhestand verabschiedet. Im selben Jahr wurde ihm das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen. Paul Baier lebte seit 2007 im Margaretha-und-Josefinen-Stift, Kempten. Zum Zeitpunkt des Interviews war Paul Baier mit 107 1/2 Jahren der älteste lebende Mann in Bayern. Er verstarb 2012.

Inhalte

Geboren 1905 in Steinberg bei Ulm – Vater war Bauer und Schuhmachermeister – Mutter war begeistertes Mitglied im Kneipp-Bund – Tod der Großmutter 1909 – Prügelstrafe in der Schule – Bruder griff den Lehrer an – Verbot von Dialektsprache durch einen neuen Lehrer – gefangene russische Soldaten im Dorf während des Ersten Weltkriegs – Ausbildung zum Schriftsetzer in einer Buchdruckerei in Dietenheim – nach der Ausbildung 1923 Eintritt in die Reichswehr als Pionier – Tod des Bruders bei einer versehentlichen Detonation – Einweihung des großen Pionier-Ehrenmales – Verantwortlich für Brückenbau in der Ukraine – Unterdrückung von Unruhen, Festnahmen – Mechaniker-Prüfung – Fällen von Bäumen wegen Borkenkäfern – Versuche mit neuen Werkzeugen wie elektrischen Bohrern für Firmen – Kritik aus den Gewerkschaften – Sprengung von Befestigungsanlagen in Ulm nach dem Versailler Vertrag – Wunsch Pilot zu werden – Verbot einer deutschen Luftwaffe durch die Siegermächte – geheime Übungen mit Segelflugzeugen – Ausbildung zum Rettungsschwimmer – Turner – lebender Geißbock als Maskottchen der Einheit – Vorhaben einer Donaufahrt – keine Genehmigung durch die Leitung – Ausrüstung eines Bootes mit erspartem Geld der Kompanie – Fertigstellung des Bootes unter großen Mühen – 1932 Start der Donaufahrt – Bestechung der Grenzposten um Wartezeiten zu vermeiden – Heirat – Eintritt in die Reichswehr 1923 – im "Dritten Reich" Vereidigung auf Adolf Hitler – Begegnungen mit Hitler – Arbeit auf Reichsparteitagen der NSDAP in Nürnberg – Begegnung mit dem Kronprinzen bei Schießübungen – Tätigkeit als Pionierausbilder in Dessau-Roßlau – Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 – Einsatz in Polen – Versorgung der Männer mit Lebensmitteln durch Tauschgeschäfte mit der Bevölkerung – Westfeldzug: Einnahme von Festungen an der belgischen Front – Einsatz in Frankreich – Einsatz von Pferden – sehr gute französische Pferde – Entlassung von Offizieren, die Hitler widersprachen – Benachteiligung wegen Schonung von Juden – Ostfront: Eroberung der Stalin-Linie – Führung der Vorausabteilung – Eroberung eines russischen Transportzuges – Versuch die Ermordung von jüdischen Kindern zu verhindern – Tätigkeit als Pionier-Ausbilder in Rosenheim – Erleben der Schlacht um Berlin 1945 – Rückzug – Gefangennahme durch amerikanische Truppen – schlechte Versorgung – Diebstahl von Pferden um nicht zu verhungern – Gefangenschaft in Schleswig-Holstein – gefangene Soldaten mussten sich selbst versorgen – Flucht vieler Gefangener – Entlassung und Heimkehr nach Rosenheim – Aufbau des Technischen Hilfswerks (THW) – Gerät war gestohlen worden – Einquartierung von Juden – Bestechung des Entnazifizierungsbeamten – Ende der Einquartierung – Aufbau der Bundeswehr in den 1950er-Jahren – Bewachung der neuen Ausrüstung – Aufbau der Bundeswehr im ganzen Bund – Tätigkeit als Geräteinspizient.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
h
Aufnahmedatum:
30.07.2012
Sprache:
deutsch