Zeitzeugen berichten

Norbert Hirsch Heimatvertriebener (Schlesien), pensionierter Volksschullehrer

Themen

Alltag in der Nachkriegszeit

Flucht und Vertreibung

Zeiträume

Nachkriegszeit (1945 - 1949)

Signatur
zz-1678.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Jahr
1948

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Norbert Hirsch über die Arbeitstätigkeit seines Vaters nach dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1948 und die langsame Verbesserung der Lebenssituation der Familie.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Zeitzeugeninterview mit Norbert Hirsch, aufgenommen am 30.03.2016 in Kempten, über seine Kindheit in Schlesien, den Tag der Ausweisung seiner Familie aus Oppeln, die vielen Stationen während der Flucht mit seiner Mutter und der Schwester nach Bayern, die Zwangseinweisungen in Privatwohnungen, den Kriegseinsatz, die Kriegsgefangenschaft und Rückkehr des Vaters, seine Schulzeit, den Beitrag der Vertriebenen am Wiederaufbau in der Nachkriegszeit und seine Reise nach Polen nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs".

Biogramm

Norbert Hirsch wurde 1939 in dem kleinen Ort Schreibendorf in der Nähe von Oppeln in Schlesien geboren und lebte dort zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester. Anfang 1945 begann für die Familie eine komplizierte Flucht. Sie führte von Oppeln über Hirschberg nach Reichenberg in Böhmen. Von dort gelangten sie nach Bayern, wo die Familie auf einem Bauernhof und später in einer Villa mit anderen Flüchtlingen unterkam. Nachdem der Vater 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, verbesserte sich die Lebenssituation, da es ihm gelang, ein eigenes Haus zu bauen. Norbert Hirsch absolvierte später ein Pädagogik-Studium und arbeitete bis zur Pensionierung als Volksschullehrer.

Inhalte

Geboren 1939 in Schreibendorf, Niederschlesien – Vater im Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg (Polenfeldzug) – Geburt auf Bauernhof der Großmutter in Niederschlesien – „Blitzmädchen“ (Wehrmachtshelferinnen im Zweiten Weltkrieg) – Kindermädchen Beate – Kinder-Frisur während des Krieges „Glatze mit Vorgarten“ – Besuche auf dem Bauernhof der Großmutter – Rinderherde in der Stadt Oppeln im Januar 1945 (Stadt wird zur "Festung") – Tag der Ausweisung aus Oppeln – Gepäck – Bahnhof in Oppeln am Tag der Ausweisung – Vorkehrungen für den Fall der Trennung der Familie im Gedränge – Ziel: Dätzdorf zu Verwandten – Schlittenfahrt von Prieborn nach Dätzdorf – Verpflegung auf dem Bauernhof in Dätzdorf – Tatjana aus der Ukraine (Mitarbeiterin auf dem Bauernhof in Dätzdorf ) – Lied in ukrainischer Sprache – Evakuierung des Dorfes – Flucht mit dem Zug ab Heinrichau nach Hirschberg zu Verwandten – Übernachtung im Massenlager zwischen Heinrichau und Hirschberg – Tagebucheintrag der Mutter über Massenlager – Läusebefall der Mutter und Schwester – Unterbringung bei Schneidermeister in Hirschberg – Verletzung des Vetters Heinrich durch Panzerfaust (Mitglied der Hitler-Jugend ‚HJ‘) – Tieffliegerangriff bei Arbeitseinsatz der Mutter – Begleitung der Mutter zum Arbeitseinsatz (Bau einer Panzersperre) – Kleidung der Arbeiterinnen – Flucht zu Fuß vor anrückendem Panzer bei Arbeitseinsatz – Flucht aus Hirschberg zu Fuß vor der Roten Armee – Mitfahrgelegenheit in Wehrmachtswagen über Riesengebirge nach Reichenberg – Flüchtlingsandrang auf Marktplatz in Reichenberg – Aufnahme durch Ehepaar Götze – Ausweisung der Deutschen aus Reichenberg – Transport mit Bus nach Aussig – Bekanntschaft der Mutter mit Frau Dieterich aus Hirschberg während der Flucht („Notgemeinschaft“) – Fahrt und Aufenthalte über Aussig, Eger und Tetschen-Bodenbach – Fliegeralarm am Bahnhof Aussig in der Nacht vom 14./15.02.1945 – Bekanntschaft mit Flüchtlingen aus Dresden am Bahnhof Aussig – Ziellosigkeit der Flüchtlinge – Erzählungen der Flüchtlinge aus Dresden – Aufenthalt in Eger – Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen damals und heute – Zeitvertreib am Bahnhof in Eger – Verpflegung durch das Rote Kreuz – Bekanntschaft mit Soldaten am Bahnhof Eger – Traumatisches Erlebnis: Beobachtung eines Lazarettzuges – Generationenunterschied in der Wahrnehmung des Krieges – Dankbarkeit für 70 Jahre Frieden – Registrierung der Flüchtlinge – Weiterfahrt über Bayreuth nach Weiden – Empfang, Verpflegung und Nachtlager in Trabitz – Verteilung der Flüchtlinge in Privatwohnungen – Unterbringung bei Frau Bocker aus Drahthammer – Wohnverhältnisse – Einschulung – Liebevolle Lehrerin – Unterschied zwischen Einheimischen und Flüchtlingskindern – Religionsunterschiede (katholisch und evangelisch) – Verpflegung aus dem Wald – Verkauf von getrockneten Pilzen an Knorr – Kartoffeln klauen und Sauerkraut stampfen – Nachricht des Vaters aus französischer Gefangenschaft 1946 – Kriegseinsatz des Vaters als Schirmmeister bei einer Kolonne in Norwegen – Bewusstes Kennenlernen des Vaters bei Fronturlaub 1943 – Geburtstagsgeschenk der Mutter während der Flucht: „Schwarzer Peter“-Spiel aus Feldpostkarten – Festhalten an Erinnerungsstücken – Kontakt zwischen der Mutter und dem Vater über Feldpostkarten während des Krieges – ‚Übergabe‘ des Vaters von den Briten über die Amerikaner an die Franzosen – Französisches Gefangenenlager in den Vogesen – Einfallsreichtum des Vaters während der Gefangenschaft – Versetzung des Vaters nach Colmar – Umgang zwischen einheimischen Franzosen und Kriegsgefangenen – Schicksal der Elterngeneration (Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Flucht und Vertreibung) – Schulzeit in Trabitz – Umzug von Trabitz zu Verwandten – Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft des Vaters 1948 – Schulklasse mit 70 Schülern – Lehrer aus Westpreußen – Verhältnis zwischen Einheimischen und Flüchtlingskindern – Rückkehr der Kriegsgefangenen – Rückkehr des Vaters – Mitbringsel des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft – Arbeitstätigkeit des Vaters nach dessen Rückkehr – Tauschgeschäfte zur Ernährung der Familie – Verbesserung der Lebenssituation der Familie – Unterbringung in einer Villa (Zwangseinweisung der Flüchtlinge) – Kalte Winter – Umzug in Zwei-Zimmer-Wohnung nach der Rückkehr des Vaters – Hausbau 1950 – „Notgemeinschaft“ im Hausbau – Leistung des Vaters – Krankheit und Tod des Vaters – Besuch in Polen nach dem Falle des "Eisernen Vorhangs" – Weigerung der Mutter zum Besuch der ‚alten Heimat‘ – Erinnerungsfoto aus Schreibendorf (Geburtsort) – Besuch des Friedhofs und des Geburtshauses in Schreibendorf – Momente der Rührung – Beitrag der Flüchtlinge am Wiederaufbau und Wohlstand – Lehrerberuf für Flüchtlinge aus dem Osten – Mobilität als Flüchtling – Berufsleben – Umzug nach Kempten nach der Pensionierung – Trauma-Patienten aufgrund von Flucht- und Vertreibung – Versuch des therapeutischen Schreibens – Persönliches Bild von Bayern – Brauchtum in Bayern – Christentum im Alltag – Wirtschaftliche und soziale Entwicklung Bayerns – Mundart – Meinung zum Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern heute.

Daten

Art:
Thematisches Zeitzeugeninterview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
30.03.2016
Sprache:
deutsch