Atlas zum Wiederaufbau

Weissenburg i. Bayern

1945 fielen Bomben auf Weißenburg. Der Einmarsch der US-Truppen war von Gefechten und deutschem Artilleriebeschuss begleitet. Nach Kriegsende sah sich die fast unterzerstörte Stadt einem enormen Flüchtlingszustrom ausgesetzt. Ende 1946 hielten sich beinahe 3.000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in der Stadt auf, die in Massenunterkünften untergebracht wurden. Die Einwohnerzahl wuchs stark an, erreichte 1955 mit über 14.000 einen vorläufigen Höchststand. Der sozialer Wohnungsbau und der Ausbau der Infrastruktur wurden vorangetrieben.

Angriffe

• 23. Februar 1945: US-Bombardierung durch einen Nachzügler
• 21. April 1945: US-Bombardement

Tote und Verletzte

• durch Bombardement am 21. April 1945: 21 Tote

Schäden

• durch Angriff am 23. Februar 1945:
 - westliche Altstadt getroffen
 - 4 Gebäude völlig zerstört
 - 14 Gebäude schwer beschädigt
• durch Angriff am 21. April 1945:
 - 6 Gebäude völlig zerstört
 - 3 Gebäude schwer beschädigt
 - 2 Gebäude mittelschwer beschädigt

Kriegsende


• 22. / 23. April 1945: Auflösung des Volkssturms durch den letzten Kampfkommandanten Robert Servatius und Flucht des Bürgermeisters und Kreisleiters Michael Gerstner in der Nacht
• 23. April 1945:
 - Sprengung von 3 kleineren Brücken durch SS-Einheiten
 - Einmarsch der US-Armee
 - unmittelbar nach Einmarsch: kurzer deutscher Artilleriebeschuss aus Richtung Oberhochstatt bei dem ein 14-jähriger und ein 15-jähriger Junge ums Leben kommen
 - bei Gefechten am Stadtrand fällt ein deutscher Soldat

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 8.760
1946: 13.144
1954: 13.807
1955: 14.023
1961: 13.902
1968: 13.818
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• anfangs unkontrollierter Flüchtlingszustrom
• 1946: Jahr des größten Zustroms von Flüchtlingen (über 700 Personen)
• Februar 1946: Festung Wülzburg wird Landkreis-Flüchtlingslager:
 - dort zentrale Erfassung der Flüchtlinge und Aufteilung auf die Gemeinden
 - 600 Betten
 - Bestehen bis 1952
• Flüchtlingszahlen:
 - Ende 1946: bereits beinahe 3.000
 - 13. September 1950: 3.321 Heimatvertriebene (13.807 Einwohner insgesamt)
 - 1961: 3.368
• zwischen 1939 und 1946: Verdoppelung der Einwohnerzahl v.a. durch Evakuierte, Displaced Persons und Flüchtlinge

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• aufgrund der geringen Schäden kein Konzept
• Priorität: Wohnraumversorgung und Wiederaufbau der zerstörten Bahnbrücke
• April 1948: Plan der Stadt zur Bekämpfung der Wohnungsnot Lehmhäuser zu bauen

Umsetzung:

• Wiederaufbau der betroffenen Gebäude
• 19. Juli 1947: Eröffnung eines Jugendheims
• November 1947: Einweihung des größten Neubaus seit Kriegsende auf der Lehenwiesenmühle
• ab den 1950er Jahren: ständige bauliche Ausweitung der Stadt bis hin zur Entstehung sog. Trabantensiedlungen in Hattenhof und Hagenbuch (Bösbachsiedlung)
• bauliche Maßnahmen:
 - Städtisches Volksbad im heutigen CVJM-Heim (1949)
 - Beginn mit der Sanierung der Stadtmauer (1950)
 - Evangelisches Altenheim St. Andreas (1950)
 - Alten- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (1955)
 - Diakonisches Werk (1961)
• wirtschaftliche Entwicklung ab 1945/1950:
 - 1961: Existenz von 933 Gewerbebetrieben
 - Betriebskonzentration bei Handel, Gewebe und Industrie
 - zwischen 1949 und 1962: Vervierfachung des Umsatzes des Handwerks auf fast 42 Mio. DM, ebenso des Einzelhandels auf ca. 37 Mio. DM
 - zwischen 1950 und 1960: Verdreifachung des Umsatzes des Großhandels auf fast 35 Mio. DM
 - zwischen 1950 und 1963: Versechsfachung des Umsatzes der Industriebetriebe auf fast 125 Mio. DM
• Zuwachs der Beschäftigungszahlen zwischen 1950 und 1960:
 - Einzelhandel 41,5%
 - Großhandel 118%
 - Industrie 177,5% (bis 1963)

Literatur

ARBEITSGEMEINSCHAFT WEIßENBURGER HEIMATFORSCHUNG (Hrsg.): Uuizinburc. Weißenburg 867-1967, Weißenburg 1967.
BEIER, Ulf:(Hrsg.): Weissenburg i.Bay. und Umgebung 1950-2000. Erdkundlich-geschichtlich-sozialkundliche Untersuchungen des Nahraumes. Gemeinschaftsarbeit an der Staatlichen Realschule Weißenburg, Weißenburg 2001.
HINTERMEIER, Heinz: Die Amerikaner in Weissenburg, in: villa nostra - Weissenburger Blätter, 2/1995, S. 5 - 9.
KÖNIG, Walter: Flüchtlingslager Wülzburg, Weissenburg 1990.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 496.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.
WÄGEMANN, Thomas: Schlagzeilen aus Weißenburg 1945-1949, in: villa nostra. Weißenburger Blätter, 2003, S. 10 - 18.
WÄGEMANN, Thomas: Weißenburg und die "Stunde Null", in: villa nostra. Weißenburger Blätter, 2005, S. 5 - 20.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTARCHIV Weißenburg in Bayern.

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