Atlas zum Wiederaufbau

Altötting

Dank des Status als Lazarettort kam es nicht zu Luftangriffen. Am 02.05.1945 marschierten US-Truppen kampflos ein. Durch Flüchtlingszuzug stieg die Einwohnerzahl in der Nachkriegszeit stark an (1939: 5.835, 1968: 10.302 Einwohner). Die Kommune förderte deshalb den sozialen Wohnungsbau und wurde hierbei von kirchlichen Trägern unterstützt. Die Übernahme der kriegstechnischen Anlagen in Burgenkirchen-Gendorf durch die Farbwerke Hoechst brachte wirtschaftlich neue Impulse.

Angriffe

• Altötting blieb als Lazarettort vor feindlichen Luftangriffen verschont

Tote und Verletzte

• durch SS-Racheakt am 28. April 1945: 5 Tote
• bei Demonstrationen gegen die Sprengversuche am 01. Mai 1945: der Fabrikarbeiter Max Storfinger wird von einem deutschen Kommando während der Besetzung des Umspannwerkes erschossen

Kriegsende

• 28. April 1945: SS-Racheakt an Bürgern, die, im Zuge der von München aus agierenden „Freiheitsaktion Bayern“, eine friedliche Übergabe der Stadt und die Entmachtung der NSDAP-Führung vorantrieben
• 01. Mai 1945:
 - die anrückende US-Armee fordert die Kapitulation Neu- und Altöttings, die Bürger sollen als Kapitulations-Zeichen in der Nacht alle Lichter einschalten
    - die meisten Altöttinger Bürger kommen der Forderung nach und schalten die Lichter ein
 - vereinzelte fanatische Wehrmachts- und SS-Soldaten wollen die Beleuchtung verhindern
 - Besetzung des Elektrizitätswerks der Firma Esterer von Luftwaffenleutnant Merkel mit drei Soldaten, um der Stadt die Stromzufuhr zu nehmen
 - Arbeiter und Anwohner des Werks fordern vor den Toren, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten
 - Leutnant Merkel lässt daraufhin wahllos aus den Demonstranten den Elektromonteur Max Storfinger herausgreifen und sofort erschießen
 - Sprengung der Schaltzentrale des Umspannwerks in der Maschinenfabrik Esterer
 - Sprengung der Marienbrücke
• 02. Mai 1945: kampfloser Einmarsch der US-Armee

Spuren des Krieges

• Nach dem Krieg wurde an der Stelle, an der Ende April 1945 die 5 Altöttinger Bürger ermordet worden waren, eine Gedenkstätte errichtet, die 1959 zur Kapelle „Unseres Herren Rast“ ausgebaut und in die Stiftskirche St. Philpp und Jakob integriert wurde.
• Alljährlich am Jahrestag gedenkt die Stadt der Opfer mit einem Gottesdienst.
• Außerdem sind nach den Opfern des 28. April 1945 Straßen in der Stadt benannt worden.

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.835
1946: 8.529
1955: 9.009
1961: 9.224
1968: 10.302
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• nach Kriegsende 1945: starker Zustrom von Flüchtlingen, befreiten Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen sowie von Exilanten aus Ost- und Südosteuropa
• 13. September 1950: 2.044 Heimatvertriebene (9.031 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Umsetzung:

• nach Kriegsende 1945:
 - rasches Wachstum der Stadt und Ausbau zum Wohnzentrum durch Ansiedlung von Industrie in der gesamten Umgebung
 - rege Zunahme des Wallfahrtswesens
 - Übernahme der kriegstechnischen Industrieanlagen in Burgenkirchen-Gendorf durch die Farbwerke Hoechst
 - Entstehung mehrerer neuer Siedlungszentren im Süden der Stadt
 - allein 20 Neubauten in der Danziger Straße
 - Bau von 3 Hochhäusern mit 6 Stockwerken und 120 Wohnungen im Osten der Stadt
 - Unterstützung der Wohnungsbau- und Siedlungsmaßnahmen durch die Stadt und den Kreis sowie von zahlreichen Industrie-Unternehmern
 - Baumaßnahmen mir kirchlicher Unterstützung bzw. Finanzierung in der Bruder-Konrad-Siedlung mit 12 Doppelhäusern für 48 Wohnungen und in der Stephanssiedlung mit der Errichtung von 33 Eigenheimen für 250 Bewohner
• 1957: Einweihung des durch Unterstützung der Paulusschwestern erbauten Altenheimes St. Klara
• 1956/1957: Umgestaltung der Bruder-Konrad-Kirche
• 1958: Renovierung der Gnadenkapelle
• 1960/1961: Bau eines neuen Landratsgebäudes an der Bahnhofsstraße
• 1964/1965: Erneuerung der Pfarrkirche

 

Literatur

HOEDL, Franz Xaver, OFMCap: Altötting. Orts- und Wallfahrtsgeschichte, 3. Aufl., Altötting 1975.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 490.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.
VÖLKLEIN, Ulrich: Ein Tag im April. Die „Bürgermorde“ von Altötting – Aufklärung eines Kriegsverbrechens nach mehr als fünfzig Jahren, Göttingen 1997.
INTERNET:
http://www.altoetting.de/cms/stadtgeschichte.phtml (12.01.2010).
http://www.altoetting.de/cms/buergermorde-von-19451.phtml (10.09.2018).

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